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Rustenburg

Englands Startelf: Notlösungen und Superstars

dpa

Englands Wunsch-Elf für das WM-Achtelfinale gegen Deutschland vereint Talent und Erfahrung, Hoffnungsträger und Skandal-Profis. Die Deutsche Presse-Agentur stellt Stärken und Schwächen der elf deutschen Kontrahenten vor.

Wechselspiel
David James steht bei den Engländern neuerdings wieder zwischen den Torpfosten.

David James: Der fast 40-Jährige ist der älteste Spieler in Südafrika und ersetzte nach dem WM-Auftakt Pannen-Keeper Robert Green. Wegen häufiger Patzer als «Calamity James» verspottet, erwarb sich der Portsmouth-Schlussmann mit den vielen Frisuren zuletzt Respekt für seine Arbeit in Hilfsprojekten und als Zeitungskolumnist.

Glen Johnson: Der Rechtsverteidiger vom FC Liverpool hat seine Stärken in der Offensive. In der Abwehrarbeit dagegen leistet sich der 25-Jährige so manche Konzentrationslücke. Nicht nachgedacht hatte Johnson wohl auch im Januar 2007, als er in einem Baumarkt einen Toilettensitz und zwei Wasserhähne stehlen wollte.

John Terry: «Captain, Leader, Legend» heißt es auf einem Plakat im Stadion des FC Chelsea. Im Nationalteam aber ist der Innenverteidiger seit einer Sex-Affäre nicht mehr Kapitän. Dennoch fühlt sich der 29-Jährige weiter als Chef, auch wenn sein Putschversuch gegen Coach Fabio Capello im WM-Quartier scheiterte.

Matthew Upson: Der 31 Jahre alte Abwehrmann war in Südafrika nur vierte Wahl. Doch Rio Ferdinand und Ledley King sind verletzt, Jamie Carragher überzeugte nicht. Bei West Ham United trug Upson einst die legendäre Nummer 6 von Bobby Moore, bis der Club das Trikot im Gedenken an Englands WM-Kapitän von 1966 nicht mehr vergab.

Ashley Cole: Als Linksverteidiger hat der 29-Jährige vom FC Chelsea Weltklasse-Format, zum treuen Ehemann taugt er dagegen nicht. Seine Frau, das Popsternchen Cheryl Cole, trennte sich im Februar vom Chelsea-Profi, weil er sie angeblich serienweise betrogen hatte. Für die WM wurde er nach einem Knöchelbruch gerade noch fit.

Gareth Barry: Der Abräumer musste wegen einer Knöchelverletzung bis zuletzt um seinen WM-Start zittern. Unter Capello ist der 29-Jährige zum unumstrittenen Stammspieler aufgestiegen. Als Profi von Manchester City hat er ein Familienproblem: Zwei seiner drei Brüder sind eingeschworene Fans der Tottenham Hotspur.

Steven Gerrard: Der Fan-Liebling vom FC Liverpool ist nach Terry und Ferdinand schon Capellos dritter «Skipper». Das Motto des 30-Jährigen: «Mit gutem Beispiel vorangehen». Die Kneipenschlägerei, wegen der er Ende 2008 eine Nacht im Knast verbrachte, dürfte der dynamische Mittelfeldspieler damit nicht gemeint haben.

Frank Lampard: Beim FC Chelsea erzielt der Mittelfeld-Mann Tore in Serie, im Nationalteam hat er hingegen oft enttäuscht. Auch Coach Capello hat dieses Rätsel bislang nicht gelöst. Fußball liegt bei Lampard in der Familie. Sein Vater Frank gewann mit West Ham zweimal den englischen Pokal. Onkel Harry Redknapp ist Tottenham-Trainer.

James Milner: Capello nennt den 24-Jährigen «meine Zukunft». Die Top-Clubs der Premier League buhlen um den vielseitigen Mittelfeldspieler von Aston Villa. Mit 46 Einsätzen ist er Rekordmann in Englands U 21. Sein letzter Auftritt im Nachwuchsteam: das 0:4 im EM-Finale 2009 gegen Deutschland.

Wayne Rooney: Nach einer Klasse-Saison ist der 24-Jährige von Manchester United Englands größter Hoffnungsträger. Doch auch seine zweite WM ist für «Roo» bislang eine Riesen-Enttäuschung. 2006 sah er im Viertelfinale Rot, in Südafrika wartet er noch auf ein Tor. Kraft gibt dem «Bad Boy» sein im Herbst 2009 geborener Sohn Kai.

Jermain Defoe: Sein Tor brachte die «Three Lions» ins Achtelfinale gegen Deutschland. Der 27-Jährige spielte eine starke Saison für Tottenham und hat Emile Heskey aus Englands Startelf verdrängt. Der Dank geht an seinen Friseur. «Ich habe mich immer verletzt, wenn ich längere Haare hatte», verriet der flinke Angreifer jüngst.

STÄRKEN:

- Trainer: Fabio Capellos Erfolge als Clubcoach sprechen für sich. Der Italiener weiß, wie man große Spiele gewinnt – auch ohne zu glänzen. Mit dem Sieg gegen Slowenien ist im Fußball-Mutterland das Vertrauen in den Taktik-Fuchs zurückgekehrt.

- Erfahrung: Englands WM-Team ist das zweitälteste in Südafrika. Eine Reihe von Spielern hat Champions-League-Finals bestritten und ist Woche für Woche in der besten Liga der Welt im Einsatz. Auch die weitaus größere Turnier-Erfahrung spricht für die «Three Lions».

- Spirit: Der Kampfgeist und die Leidenschaft englischer Kicker ist legendär. Stars wie John Terry, Steven Gerrard und Wayne Rooney stehen für das Prinzip des «Niemals aufgeben».

SCHWÄCHEN:

- Torwart: David James' Spitzname ist nicht umsonst «Calamity». In wichtigen Partien hat der 39-Jährige schon oft spektakulär gepatzt. Weil James gegen Algerien und Slowenien kaum gefordert wurde, weiß niemand, wie er diesmal unter Druck reagiert.

- Physis: Viele englische Spieler wirken nach der langen Saison müde. Außerdem sind die Innenverteidiger und die zentralen Mittelfeldspieler nicht die Schnellsten.

- Nerven: Immer wieder sind englische Mannschaften bei Turnieren am Druck zerbrochen. Die Geschichte vieler bitterer Niederlagen, oft im Elfmeterschießen, dürfte so manchem Engländer am Sonntag im Kopf herumspuken.

FRAGEZEICHEN:

- Wayne Rooney: Der Stürmerstar von Manchester sollte einer der Stars dieser WM werden und Englands Titel-Sehnsüchte endlich erfüllen. Doch der 24-Jährige wirkt außer Form, frustriert und ist angeschlagen.

- Abwehrzentrale: Wegen Verletzungen musste Coach Capello seine Innenverteidigung schon dreimal umbauen. Sicherheit gibt so etwas nicht. Noch ist unklar, ob Matthew Upson den Platz neben John Terry behält oder Routinier Jamie Carragher zurückkehrt.

Bilanz gegen Deutschland:

31 Spiele: 15 Siege, 6 Unentscheiden, 10 Niederlagen – 66:37 Tore

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