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Neuhäusel

Verwandt mit Glanz und Gloria

„Einfach immer die Straße durch, über den Gehweg fahren, und schon sind Sie da.“ Die Beschilderung wirkt so unkompliziert wie der Hausherr selbst. Weil es an diesem Tag ziemlich geschneit hat, ist ein Gehweg nicht auszumachen. Dafür steht Philipp Prinz von Thurn und Taxis bereits vor dem Eingangstor und müht sich mit der Mülltonne ab.

Ortswechsel fürs Foto von der Küche ins Esszimmer: Philipp Prinz von Thurn und Taxis vor einer Kommode aus der Allgäuer Heimat.
Ortswechsel fürs Foto von der Küche ins Esszimmer: Philipp Prinz von Thurn und Taxis vor einer Kommode aus der Allgäuer Heimat.
Foto: Denise Hülpüsch

Neuhäusel – „Einfach immer die Straße durch, über den Gehweg fahren, und schon sind Sie da.“ Die Beschilderung wirkt so unkompliziert wie der Hausherr selbst. Weil es an diesem Tag ziemlich geschneit hat, ist ein Gehweg nicht auszumachen. Dafür steht Philipp Prinz von Thurn und Taxis bereits vor dem Eingangstor und müht sich mit der Mülltonne ab.

„Hallo, grüß Gott, leicht gefunden das Haus ohne Nummer?“ Natürlich. Es ist sozusagen ein Heimspiel zwischen einem gebürtigen Allgäuer und mir, einem ehemaligen Beute-Bayern. Schnee? Das bisserl? Da haut's im Allgäu ganz anders was 'nunder.

Während Philipp von Thurn und Taxis die graue Tonne hinter sich über den Weg zerrt, ist Yago in seinem Element. „Ein Bayerischer Gebirgsschweißhund. Aber nicht wie üblich braun, sondern schwarz.“ Yago kommt allerdings nicht aus Bayern, sondern von einem Züchter bei Stettin. „Vor 15 Monaten habe ich ihn geholt“, erzählt Philipp von Thurn und Taxis, während er die Haustür aufschließt. „Bayerische Gebirgsschweißhunde sind eine ideale Mischung aus Jagd- und Familienhund.“ Der verspielte Yago ist ein bildschönes Exemplar. Und für den leidenschaftlichen Jäger der ideale Weggefährte.

An der Haustür steht TT und gegenüber ein Fahnenmast. „Der musste sein“, erklärt Philipp von Thurn und Taxis fröhlich. „Das war eine der ersten Taten, als ich das Haus gekauft habe.“ Da hängt die Fahne der Familie, Rot-Blau. Und zwar ständig. „Auf- und Abhängen, je nachdem, ob man zu Hause ist, wäre doch lächerlich. Also bleibt die Fahne immer oben.“

Das Haus ist gemütlich, ein Forsthaus von 1929. „Ich habe es vor eineinhalb Jahren gekauft. Die Vorbesitzer hatten es in einen Top-Zustand gebracht. Ich musste nur die Böden machen lassen.“ Im Erdgeschoss sind Arbeits-, Wohn-, Esszimmer und Küche. „Wo wollen wir uns hinsetzen?“ Gegenfrage: Wo sind Sie denn am liebsten? Also sitzen wir in der Küche bei einem Kaffee. Schicke Lampen über dem Tisch! „Nein, Ikea. Aber passt doch, nicht wahr?“

Philipp Prinz von Thurn und Taxis ist gebürtiger Allgäuer und in Schwangau bei Füssen aufgewachsen – mit Blick auf Schloss Neuschwanstein. Der 36-Jährige arbeitet beim Mittelrhein-Verlag, in dem auch unsere Zeitung erscheint, als Geschäftsführer der Presse-Zustelldienst GmbH. 2005 ist er zu unserem Unternehmen gekommen. Zuvor hat er sein BWL-Studium in Heidelberg abgeschlossen mit Schwerpunkten Logistik, Marketing und Sportmanagement.

Thurn und Taxis – der Name ließ Reporter in der Regenbogenpresse lange mit der Zunge schnalzen. Ein Objekt der Begierde: Gloria von Thurn und Taxis. Ihre schrillen Auftritte in den 80er-Jahren ließen selbst die britische Königsfamilie etwas blass aussehen. Das ist längst vorbei und Tante Gloria mittlerweile eine der erfolgreichsten deutschen Unternehmerinnen. Die schlagartige Wende bei Bayerns Gloria trat mit dem Tod ihres Mannes Johannes Prinz von Thurn und Taxis im Dezember 1990 ein. Er war ab 1982 das elfte Oberhaupt der Familie und nannte sich Fürst von Thurn und Taxis. Er war Erbe des riesigen Vermögens der Familie (Privatbanken, zahllose Immobilien, Indus-triebeteiligungen, eine Brauerei und Europas größter privater Waldbesitz), bevorzugtes Mitglied des internationalen Jetsets, Lieblingssymbol der Soraya-Blätter und blieb bis 1980 unverheiratet. Nach seinem Tod verlangte der Staat etwa 45 Millionen Mark Erbschaftsteuer. Und zum ersten Mal wurde Geld das beherrschende Thema in Schloss Emmeram in Regensburg, seit 1812 Stammsitz der Familie.

Die riesige Anlage, ursprünglich ein um 739 gegründetes Benediktinerkloster, gehört zu den größten Schlössern in Deutschland, angefüllt mit mobilen und immobilen Kostbarkeiten. Philipp von Thurn und Taxis, dessen Familie am direktesten mit den Regensburgern verwandt ist, sagt mit hörbarem Stolz: „Was die Gloria da gemeistert hat, war ganz, ganz großartig.“

Wie kommen aber nun Thurn und Taxis ins schöne Allgäu? „Mein Großvater Rafael wurde 1926 sozusagen mit dem Kauf von Schloss Bullachberg versorgt. Hier hat er bis zu seinem Tod 1996 gewohnt.“ Philipps Eltern, Christa und Max Emanuel, bauten vor 40 Jahren ein Haus in Schwangau. Das Schloss zu halten – finanziell unmöglich. 2006 erwarb die Porsche AG das Anwesen, seit September 2011 steht es wieder zum Verkauf.

In Philipps eigenem Haus in Neuhäusel stehen Reisetruhen seines Großvaters Raphael – als Einrichtungsgegenstände und Erinnerungsstücke. Fotos oder Gemälde der Familie: Fehlanzeige. Ohnehin ist alles ziemlich normal in diesem Hause Thurn und Taxis. Er ist stolz auf Forsthaus Eisenköppel, sein eigenes Heim „mit genügend Platz auch für Kinder“. Nur der „Garten“ mit rund 7.500 Quadratmetern: „Da muss ich mir noch was einfallen lassen, wie ich das hinbekomme.“

Wie ist es eigentlich, so einen traditionsreichen Namen zutragen, mit Verwandtschaft im gesamten einst regierenden europäischen Hochadel? Philipp Gabriel Franz Joseph Magnus Maria Lamoral Prinz von Thurn und Taxis, Herrgott, das klingt doch ... „Ach was“, sagt er abwinkend. „Die Leute sagen Herr von Thurn und Taxis.“ Und Vorteile? Das Gesicht wird etwas eisig. Während der Schulzeit ließen ihn Lehrer spüren, was sie von einem TT halten. Abitur machte er schließlich in England. Und: „Jeder glaubt, dass man ungeheuer reich sei.“ Dabei hat vor allem einer das Vermögen – der Sohn von „Tante Gloria“, Albert Prinz von Thurn und Taxis, der als drittjüngster Milliardär weltweit gilt. Der 28-Jährige ist nun „der Fürst“ als Chef des Hauses – und Rennfahrer.

Wie wäre Philipp Prinz von Thurn und Taxis eigentlich früher angesprochen worden? „Mit Durchlaucht. Aber das sagt hier doch niemand zu mir.“ Moment mal. „Durchlaucht, danke für das Gespräch.“ Er lacht hell auf.

Von unserem Redakteur Jochen Kampmann

Adel in Rheinland-Pfalz
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