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Unkel

Wo Willy Brandt wahrhaftig zu Hause war

Eine Seltenheit war es nicht, dass Willy Brandt ohne Leibwächter durch die Gassen Unkels spazierte und seinen Gedanken nachhing. "Die Menschen hier in Unkel haben ihn ,Willy Wolke‘ genannt, wenn er grußlos durch die Altstadt oder am Rhein entlangging", weiß Rudolf Rupperath, Geschäftsführer des Unkeler Willy-Brandt-Forums.

Lässig trägt Willy Brandt das Jackett auf einem Foto, das Rudolf Rupperath besonders gefällt. Foto:
Lässig trägt Willy Brandt das Jackett auf einem Foto, das Rudolf Rupperath besonders gefällt.
Foto:

Von Mario Quadt

Der frühere Lehrer an einem von Nonnen geführten Mädchengymnasium ist mit einem reichen Schatz an Anekdoten über den Menschen Willy Brandt, den Friedensnobelpreisträger, früheren Bundeskanzler und Bürger der Burgunderstadt gesegnet.

Rupperath ist einer von rund 30 ehrenamtlich arbeitenden Männern und Frauen, die den täglichen Betrieb des vor zwei Jahren eröffneten Museums am Willy-Brandt-Platz gewährleisten, Besuchergruppen durch die Schau leiten und auf jede Frage zum Weltbürger, der die letzten 13 Jahre seines Lebens in Unkel verlebte, eine Antwort haben. Neben Fotos, Texten, Film- und Tondokumenten sind zwei besondere Originale zu sehen: das einst fürs Kanzleramt bestimmte Brandt-Porträt von Georg Meistermann und das Arbeitszimmer des charismatischen Politikers. Es ist, als habe Herbert Ernst Karl Frahm (Brandt) dort vor Sekunden seine Brille zur Seite gelegt.

Neben der beeindruckenden Ausstellung lockt das Forum mit Vorträgen, Vernissagen oder Diskussionen. Da Unkel vor den Toren Bonns liegt, verwundert es kaum, dass Klaus-Henning Rosen, früher Büroleiter Brandts, Chef der privaten Stiftung ist, die das Museum trägt. Das Forum spricht auch junges Publikum an: "Die multimediale Ausstellung und der Einbezug neuer Medien – Social Media, QR-Codes, digitale Postkasten – sind in kaum einer anderen ehrenamtlich geführten Institution zu finden", weiß Rupperath.

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