Archivierter Artikel vom 24.04.2020, 02:12 Uhr
Frankfurt/Main

Fünf Wochen nach Beginn

Vorerst letzter Flug der „Corona-Luftbrücke“ gelandet

Von Vanuatu in der Südsee über Kamerun in Afrika bis Barbados in der Karibik: Aus allen Ecken dieser Welt hat die Bundesregierung in den vergangenen Wochen deutsche Touristen nach Hause geholt. Jetzt ist das meiste geschafft.

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Heiko Maas
Außenminister Heiko Maas hatte die «Luftbrücke» am 17. März zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften gestartet.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin/Kapstadt (dpa) – Gut fünf Wochen nach Beginn ist die Rückholaktion für die im Ausland wegen der Corona-Pandemie gestrandeten Deutschen zum größten Teil abgeschlossen.

Die vorerst letzte der von der Bundesregierung für die „Luftbrücke“ gecharterten Maschinen landete mit 157 Passagieren aus dem südafrikanischen Kapstadt in Frankfurt am Main. Insgesamt kehrten damit im Zuge der größten Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik 240.000 Reisende nach Hause zurück. Die deutschen Botschaften weltweit kümmern sich jetzt aber in einer zweiten Phase der Aktion weiter um die noch verbliebenen Einzelfälle.

„Wir wissen: Das wird nicht immer einfach sein, und wir werden vielleicht nicht für jeden Fall gleich eine Lösung parat haben“, sagte Außenminister Heiko Maas der Deutschen Presse-Agentur. „Aber unsere Botschaften und Konsulate kümmern sich jetzt mit frischer Kraft, freigewordenen Kapazitäten und viel Pragmatismus darum, auch für diese Leute Rückkehrmöglichkeiten zu schaffen.“ Maas sprach von „mehreren Hundert“ Personen, die jetzt noch im Ausland auf ihre Rückkehr warteten.

Er hatte die Aktion am 17. März zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften gestartet, nachdem viele Länder kurzfristig Grenzen geschlossen und Flugverbindungen gekappt hatten. Das Auswärtige Amt charterte auch selbst Maschinen, die 260 Flüge absolvierten und rund 66.000 Personen aus 65 Ländern zurückbrachten.

AUSWÄRTIGES AMT ALS LETZTES REISEBÜRO IN DEUTSCHLAND

Das Ausmaß der Aktion war deutlich größer als anfangs erwartet. „Die ersten Zahlen, die mir genannt worden sind, waren so 30.000. Das sind dann stündlich mehr geworden“, sagte Maas kürzlich in einem „Zeit online“-Interview. Er habe sich zwischenzeitlich als „Chef des noch einzigen offenen Reisebüros in Deutschland“ gefühlt. Das Protokoll, das sonst die Ministerreisen organisiert, wurde teilweise in das Krisenreaktionszentrum integriert. Insgesamt waren mehr als 2000 Mitarbeiter des Auswärtigen Amts – ein Drittel der Belegschaft – mit der Aktion beschäftigt. Maas sprach von einem „beispiellosen Kraftakt“.

EUROPÄISCHES GEMEINSCHAFTSPROJEKT

In den Chartermaschinen der Bundesregierung wurden auch 6100 Bürger anderer EU-Staaten und 3300 Menschen aus weiteren Ländern mitgenommen. Das gab es aber auch umgekehrt: Aus Haiti und Nepal brachten beispielsweise französische Flugzeuge die deutschen Touristen zurück. „Das ist wie auf einer Börse, ein Geben und Nehmen“, beschrieb der Krisenbeauftragte des Auswärtigen Amts, Frank Hartmann, das Vorgehen einmal.

„LUFTBRÜCKE“ BIS ANS ANDERE ENDE DER WELT

Der abgelegenste Ort, aus dem Deutsche zurückgeholt wurden, liegt mehr als 16.000 Kilometer entfernt mitten im Südpazifik. Die Cook-Inseln, ein Taucherparadies am anderen Ende der Welt. Von dort, aus West-Samoa sowie aus den pazifischen Inselstaaten Vanuatu und Tonga wurden mit zwei Flugzeugen 66 Deutsche sowie 34 EU-Bürger aus anderen Ländern abgeholt. Deutlich mehr Deutsche hingen im benachbarten Neuseeland zeitweise fest. Dort brach die Regierung die Rückholaktion zwischenzeitlich ab, um zu klären, ob der Rücktransport ohne Gefährdung für die eigene Bevölkerung gewährleistet werden kann. Für 12.000 deutsche Touristen bedeutete das banges Warten. Nach einer Intervention auf Ministerebene wurden die Flüge nach wenigen Tagen wieder aufgenommen.

AUSGANGSSPERREN ALS HINDERNIS

Strikte Ausgangssperren im Kampf gegen das Coronavirus wie etwa in Neuseeland, Südafrika, Indien, Kamerun oder Peru erschwerten die Rückholaktion, weil es dort schon zur logistischen Herausforderung wurde, die Touristen zum Flughafen zu bringen. Dann gab es noch komplizierte Sonderfälle: In der Karibik planten Segler zwischenzeitlich eine Atlantiküberquerung – bis zwei Flüge von Barbados aus organisiert wurden.

RÜCKHOLFLÜGE HALFEN NICHT IMMER

Nicht für alle Reisenden sind aber Flüge eine Lösung. In Marokko stauten sich beispielsweise zwischenzeitlich deutsche Wohnmobile an der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, weil keine Fähren mehr gingen. Bis heute haben es nicht alle zurück nach Deutschland geschafft. Das Problem sei, dass viele Camper vereinzelt in kleineren Orten bis zu 1000 Kilometer von der Küste entfernt festsäßen, sagte eine Betroffene der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt seien rund 150 deutsche Camper betroffen, einige seien in der Oasenstadt Zagora im Süden Marokkos, wo die Temperaturen inzwischen auf mehr als 35 Grad stiegen. Wegen der Ausgangsbeschränkungen seien die Orte von den marokkanischen Behörden so gut wie abgeriegelt, und es sei nicht möglich, den Hafen im Norden zu erreichen.

ZWEI FLÜGE IN PAKISTAN REICHTEN NICHT

Es wird also noch Arbeit für das Auswärtigen Amt und die Botschaften geben. Ein weiteres Beispiel ist Pakistan: Von dort wurden vor drei Wochen 650 Deutsche mit zwei Flügen zurückgeholt. Für das Auswärtige Amt galt die Aktion dort zunächst als abgeschlossen. Es sind aber immer noch Deutsche dort, für die jetzt nach kommerziellen Angeboten gesucht wird. Ein Flug soll am Sonntag gehen, der aber wohl noch nicht reichen wird.

ERST JETZT WIRD KASSIERT

Ein Thema hatte das Auswärtige Amt bisher zurückgestellt: die Bezahlung der Flugtickets. Die Rückkehrer müssen sich an den Kosten beteiligen. Wieviel sie bezahlen müssen, wurde bisher nicht festgelegt. Wahrscheinlich ist ein Preis, der einem Economy-Ticket entspricht.

WIEDERHOLUNG AUSGESCHLOSSEN

Eins steht fest: Eine solche Aktion soll es während der Corona-Krise kein zweites Mal geben. Deswegen ist auch die Zurückhaltung des Außenministers sehr groß, wenn er nach der Aufhebung der bisher bis zum 3. Mai befristeten weltweiten Reisewarnung gefragt wird. Dazu wird es wohl nur kommen, wenn sicher ist, dass die Urlauber auch selbstständig zurückkehren können. „Wir können und wir wollen im Sommer eine solche Aktion nicht noch einmal wiederholen“, sagte Maas am Freitag.

Auswärtiges Amt zur Rückholaktion