Archivierter Artikel vom 17.02.2011, 22:06 Uhr
Rom

Vor Berlusconi-Prozess: «Bunga-Bunga»-Protokolle

Die Mailänder Staatsanwälte sind sich ganz sicher, zur Genüge Beweismaterial für den Sexprozess gegen den Regierungschef Silvio Berlusconi gesammelt zu haben.

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Es wird eng für Silvio Berlusconi (74). Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen der Sexaffäre um die 17-jährige Marokkanerin „Ruby“ vor Gericht verantworten. Noch weitere Prozesse sollen folgen. Berlusconis Leben ist geprägt von Politik und Skandalen.

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Der Regierungschef ist der einflussreichste Medienunternhemer in Italien und hat deshalb die Presse sowie diverse Radio- und Fernsehanstalten im Griff.

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Auf Empfängen, hier beim russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, gibt er sich gerne als galanter Staatsmann.

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Auch bei Angela Merkel startete er eine Charmeoffensive.

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Berlusconis Vermögen wird laut Forbes auf 9,4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

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Seit 1986 ist er Besitzer des Fußballclubs AC Mailand, dem er bis 2004 als Präsident vorstand.

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Berlusconi ist seit drei Legislaturperioden Ministerpräsident in Italien.

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Vielfach wurde der 1936 in Mailand geborene Politiker und Unternhemer für seine polarisierenden Aussagen und Scherze kritisiert. Auf seine Affären mit jungen Frauen angesprochen sagte er jüngst: „Ich schaue hin und wieder schöne Frauen an. Das ist doch besser, als schwul zu sein.“

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Der eine ist schon zurückgetreten. Hosni Mubarak (links) mit Berlusconi. Kann der Italiener dem Druck angesichts der Sexaffäre weiter standhalten, oder geht es ihm bald ähnlich wie Mubarak?

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Der italienische Ministerpräsident wird angesichts seiner Eskapaden auch gerne durch den Kakao gezogen...

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... und als Supermann bei der Eroberung von jungen Frauen „verspottet“.

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Berlusconi überstand im Dezember überraschend ein Misstrauensvotum im Parlament. Offentsichtlich wurden mehrere Abgeordnete bestochen, damit sie für den Ministerpräsidenten stimmen.

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Wie lange kann sich der 74-Jährige noch an der Macht halten?

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Passend dazu veröffentlicht die linke römische Zeitung «La Repubblica» am Donnerstag angebliche Aussagen der jungen Marokkanerin Ruby, die den 74-jährigen Berlusconi in der Tat massiv zu belasten scheinen. Da ist nicht nur von den heißen Nächten mit bezahlten jungen Frauen in Berlusconis Villa bei Mailand die Rede – er soll sehr wohl auch gewusst haben, dass Ruby minderjährig war.

Um Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten geht es in dem Schnellverfahren, das gegen Berlusconi am 6. April eröffnet werden soll. Was Ruby über Sexpartys den Ermittlern berichtet hat, das lässt nach Einschätzung des führenden Anti-Berlusconi-Blattes «keinen Spielraum für Fantasie»: Ihre Erinnerungen seien konkret bis an die Grenze zur Pornografie, sie beschreibe etwa ein «Petting» der jungen Frauen, das den «Sultan» erregen sollte. Ob diese Protokolle über die «Bunga-Bunga»-Partys authentisch sind, ist jedoch unklar.

Strafrechtlich wichtig im Berlusconi-Prozess wird sein, ob er gewusst hat, dass seine Bekanntschaft minderjährig war und ob er sein Amt missbraucht hat, als er sich für die Go-Go-Tänzerin einsetzte. Ruby will Berlusconi dem Bericht zufolge zunächst erzählt haben, sie sei 24 Jahre alt und Ägypterin. Als er ihr dann eine Wohnung habe überschreiben wollen, habe sie ihm reinen Wein einschenken müssen: Minderjährig, keine Papiere. Da habe er ihr gesagt, sie solle sich als Enkelin des damaligen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak ausgeben, das erkläre dann, woher sie plötzlich so viel Geld habe.

«Mach' dir keine Sorgen um die Papiere, darum kümmere ich mich», soll Berlusconi ihr noch gesagt haben. Was er damit konkret gemeint haben könnte, bleibt jedoch offen. Berlusconi wird Amtsmissbrauch vorgeworfen, weil er höchstpersönlich versucht hat, die Marokkanerin aus Mailänder Polizeigewahrsam zu befreien – und dabei gesagt haben soll, sie sei eine Nichte Mubaraks. Für die Straftaten Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Die betroffene Ruby will von ihm neben Geschenken und Schmuck innerhalb von drei Monaten insgesamt 187 000 Euro erhalten haben.