Archivierter Artikel vom 27.01.2013, 09:00 Uhr
Caracas

Über 60 Tote bei Gefängnismeuterei in Venezuela

Bei einer Gefängnismeuterei sind in Venezuela vermutlich mindestens 61 Menschen ums Leben gekommen. Dies berichteten die venezolanischen Medien am Samstagabend (Ortszeit), fast eineinhalb Tage nach dem Zusammenstoß zwischen Soldaten und Häftlingen in der Haftanstalt in Uribana (Bundesstaat Lara).

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Verzweiflung
Verzweifelte Fraen trauern um ihre Angehörigen.
Foto: Pausides Torrealba – DPA

Die Zahl der Verletzten wurde im Krankenhaus mit mindestens 120 angegeben. Am Samstagabend wurde erstmals eine unvollständige Liste mit den Namen der Opfer veröffentlicht.

Verletzter
Nach den Unruhen wird ein Verletzter ins Hospital gebracht.
Foto: Misael Castro/EL INFORMATOR – DPA

Vize-Präsident Nicolás Maduro sprach von einem «tragischen Durcheinander» und kündigte eine Untersuchung an. Militärs wollten ursprünglich das Gefängnis durchsuchen, um eingeschmuggelte Waffen zu beschlagnahmen und um Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Banden zu beenden. Der Einsatz der Soldaten begann am Freitagmorgen. Als die Nationalgarde mit der Aktion begann, wurde sie von den Anführern der Banden angegriffen. Zwei Stunden nach Beginn des Einsatzes waren nach Medienangaben Detonationen in dem Gefängnis zu hören. Es sollen Granaten explodiert sein.

Vor dem Leichenschauhaus
Polizisten sichern den Zugang zum örtlichen Leichenschauhaus.
Foto: Pausides Torrealba – DPA

Die für Vollzugsanstalten zuständige Ministerin Iris Varela machte den oppositionellen TV-Sender Globovision, soziale Netzwerke im Internet und die Web-Seite der Tageszeitung «El Impulso» für den Gewaltausbruch mitverantwortlich. Deren Ankündigung über die Durchsuchungsaktion sei am Freitag «ein Zünder für die Gewalt» gewesen, die dann zur Meuterei geführt habe.

Verletzt
Nach dem Sturm eines Gefängnisses durch Militäreinheiten wird ein Verletzter fortgebracht.
Foto: Misael Castro/EL INFORMATOR – DPA

Der Oppositionspolitiker Henrique Capriles Radonski warf der Regierung vor, sie sei unfähig, die Lage in den Gefängnissen zu kontrollieren. «Wie viele Tote muss es noch geben, bis die Regierung ihr Scheitern anerkennt und es Änderungen gibt?», fragte er.

In Venezuela kommt es in den oft überfüllten Gefängnissen immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Oft handelt es sich dabei um Abrechnungen zwischen rivalisierenden Banden. Die Waffen werden meist von Besuchern oder bestochenen Wärtern in die Haftanstalten geschmuggelt. Im vergangenen August waren in dem Gefängnis Yare I der Stadt Guatire bei Caracas 25 Häftlinge bei blutigen Kämpfen zwischen Gangs ums Leben gekommen.