Archivierter Artikel vom 24.01.2014, 09:50 Uhr
Kairo

Terror erreicht Ägyptens Hauptstadt

Bei zwei Bombenanschlägen sind am Freitag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

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Polizisten bergen Verletzten
Polizisten bergen einen Verletzten am Unglücksort.
Foto: Khaled Elfiqi – DPA

Weitere 73 Menschen wurden verletzt. Ein dritter Anschlag galt einer Polizeistation in Giseh bei Kairo, der ohne Folgen blieb. Zu dem Anschlag auf das Polizeihauptquartier bekannte sich die Al-Kaida-nahe Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis. Die Bombenanschläge könnten im Zusammenhang mit dem dritten Jahrestag des Ausbruchs der Revolution gegen Langzeitpräsident Husni Mubarak an diesem Samstag stehen.

Kairoer Polizeihauptquartier
Das Polizeihauptquartier im Kairoer Stadtteil Bab al-Chalk wurde durch die Explosion schwer bschädigt.
Foto: Khaled Elfiqi – DPA

Aus Furcht vor Anschlägen hatte die Übergangsregierung die Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht. So stellten etwa die staatlichen Eisenbahnen am Donnerstag den Betrieb zwischen Oberägypten und Kairo ein.

Kairoer Polizisten
Nach dem Selbstmordanschlag sichern Polizisten das Gelände vor dem Polizeihauptquartier.
Foto: Amel Pain – DPA

Die Regierung beschuldigt die Muslimbruderschaft, hinter den Terroranschlägen in Ägypten zu stecken. Diese bestreitet das entschieden. Die islamistische Organisation hatte die ersten freien Wahlen nach dem Sturz Mubaraks gewonnen, war aber Anfang Juli 2013 nach Massenprotesten gegen ihre Herrschaft vom Militär entmachtet worden. Ihre Führer und tausende Aktivisten sind seitdem inhaftiert.

Museum für islamische Kunst beschädigt
Das Museum für islamische Kunst in der Nähe des Polizeihauptquartiers wurde durch die Explosion beschädigt.
Foto: Amel Pain – DPA

Die Organisation hat zu neuen Demonstrationen aus Anlass des Jahrestages der Revolution gegen das damalige Mubarak-Regime aufgerufen. Die Regierung, die den Jahrestag von ihren Anhängern in ihrem Sinne feiern lassen möchte, kündigte eine hartes Durchgreifen gegen jegliche «Störversuche» an.

Leiche vor dem Polizeihauptquartier
Nach der Explosion liegt eine mit einer Decke bedeckte Leiche vor dem Polizeihauptquartier.
Foto: Khaled Elfiqi – DPA

Der Angriff auf die Polizeizentrale in Kairo ist der zweite markante Anschlag auf ein hochgesichertes Objekt der Staatsgewalt und der erste dieser Art in der Hauptstadt Kairo. Vor einem Monat waren bei einem Anschlag auf die Polizeizentrale in der Nildelta-Stadt Al-Mansura 16 Menschen getötet worden. Auch zu diesem Terrorakt hatte sich Ansar Beit al-Makdis bekannt.

Zerstörtes Auto
Ein durch die Detonation zerstörtes Auto steht vor dem Polizeihauptquartier.
Foto: Amel Pain – DPA

Beim ersten Anschlag am Freitagmorgen in Kairo durchbrach ein Selbstmordattentäter die Sperren an der stark gesicherten Sicherheitsdirektion der Kairoer Polizei in der historischen Innenstadt, ehe er sich mit seinem Fahrzeug in die Luft sprengte. Dabei riss er drei Menschen mit in den Tod, 73 weitere Personen erlitten Verletzungen, wie ein Polizeisprecher am Freitag im ägyptischen Staatsfernsehen sagte.

Bürger von Kairo in Aufruhr
Nach dem Selbstmordanschlag im Polizeihauptquartier skandieren Kairoer Bürger Sprechchöre gegen die Muslimbrüder.
Foto: Amel Pain – DPA

Die Explosion beschädigte die Fassaden der Polizeizentrale und des gegenüberliegenden Museums für Islamische Kunst. Vor dem Polizeigebäude war ein tiefer Krater zu sehen, den die Detonation verursacht hatte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Al-Kaida-nahe Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis. Beim Auftauchen von Fernsehteams bildeten sich Menschenmengen, die skandierten: «Das Volk verlangt die Liquidierung der Muslimbruderschaft!»

Bei einem zweiten Anschlag wenig später explodierte ein Sprengsatz in der Nähe einer U-Bahn-Station im Stadtteil Dokki. Dabei wurden ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Die Bombe explodierte nach Augenzeugenberichten unter einem Polizeifahrzeug.