Archivierter Artikel vom 17.08.2017, 09:38 Uhr

Nach Raketen- und Atomtests

Südkoreas Präsident: Nordkorea nähert sich „roter Linie“

Südkoreas Präsident Moon Jae In ist überzeugt davon: Einen neuen Krieg auf der koreanischen Halbinsel wird es trotz wachsender Spannungen nicht geben. Der höchste US-Militär bekräftigt hingegen: Die „militärische Option“ gegen Nordkorea bleibt bestehen.

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Moon Jae-in
Moon äußerte sich zuversichtlich, dass es keinen neuen Krieg auf der koreanischen Halbinsel geben werde.
Foto: Jung Yeon-Je – dpa

Seoul/Peking (dpa) – Angesichts des verschärften Konflikts um das Atomprogramm Nordkoreas hat Südkoreas Präsident Moon Jae In den Nachbarn vor dem Überschreiten einer „roten Linie“ gewarnt. Dennoch äußerte sich Moon „zuversichtlich, dass es keinen neuen Krieg auf der koreanischen Halbinsel geben wird“.

US-Generalstabschef Dunford
US-Generalstabschef Joseph Dunford in Peking.
Foto: Dominique A. Pineiro – dpa

Der US-Generalstabschef Joseph Dunford bekräftigte hingegen bei einem Besuch in Peking die Option eines Militäreinsatzes gegen Nordkorea.

THAAD-Raketenabwehr
Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea.
Foto: Ralph Scott/Department Of Defense – dpa

US-Präsident Donald Trump hatte der kommunistischen Führung Nordkoreas nach neuen Raketentests zuletzt mit „Feuer und Wut“ gedroht und damit vor dem Hintergrund der Atombewaffnung beider Länder weltweit für große Unruhe gesorgt. Nordkorea drohte damit, Raketen in Gewässer nahe der US-Pazifikinsel Guam feuern zu wollen, stellte diese Pläne dann aber zurück.

Kim Jong Un
Kim Jong Un tritt in Pjöngjang auf: Der nordkoreanische Machthaber hat seine Pläne für einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam vorerst zurückgestellt.
Foto: KRT/AP – dpa

Falls Nordkorea die Entwicklung von Interkontinentalraketen vervollständigen und diese mit Atomsprengköpfen einsatzbereit machen sollte, würde er das als Grenzüberschreitung ansehen, sagte Moon bei einer Pressekonferenz zu seinen ersten 100 Tagen im Amt. „Nordkorea nähert sich der roten Linie.“

Raketentest
Nach Angaben der nordkoreanischen Regierung zeigt das Foto den Test einer Hwasong-14-Interkontinentalrakete.
Foto: KCNA – dpa

Die USA würden jedoch keine militärischen Schritte gegen Nordkorea unternehmen, ohne dies mit Südkorea abzusprechen, bekräftigte Südkoreas Staatsoberhaupt. „Jede militärische Aktion auf der koreanischen Halbinsel erfordert Südkoreas Zustimmung, sofern sie nicht außerhalb der Halbinsel erfolgt.“

US-Luftwaffe
US-Bomber vom Typ B-1B Lancer der Einheit 9th Expeditionary Bomb Squadron über der Insel Guam. Im Nordkorea-Konflikt hat sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hochgeschaukelt.
Foto: Christoph – dpa

Die Worte wurden in Seoul auch als Versuch des linksliberalen Politikers verstanden, Befürchtungen im In- und Ausland entgegenzuwirken, der Atomstreit mit Nordkorea könne zu einem bewaffneten Konflikt eskalieren. Er gehe davon aus, dass Trump mit seinen scharfen Worten vor allem seine Entschlossenheit zeigen wolle, noch mehr Druck auf Pjöngjang auszuüben, betonte Moon.

Raketenstart
Raketenstart in Nordkorea: Die Mittelstreckenrakete Hwasong-10 steigt auf.
Foto: KCNA – dpa

Der US-General Dunford sagte vor einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping: „Es gibt keinen Zweifel, dass es absolut entsetzlich wäre, wenn es zu einer militärischen Lösung des Problems käme.“ Es dürfe aber nicht zugelassen werden, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un Atomwaffen besitze. Dunford verwies auf die Anweisung Trumps an die Streitkräfte, machbare militärische Optionen zu erarbeiten. „Und genau das ist es, was wir tun.“

US-Pazifikinsel Guam
Der US-Militärstützpunkt Guam ist von großer strategischer Bedeutung, im Vietnamkrieg diente die Insel den USA als Ausgangspunkt für Luftangriffe.
Foto: Haven Daley – dpa

Der General reagierte auf Fragen von Journalisten, nachdem Trumps Chefstratege Steve Bannon eine solche Lösung in Zweifel gezogen hatte. „Es gibt keine militärische Lösung. Vergiss es“, hatte Bannon der Publikation „The American Prospect“ gesagt. Er verwies darauf, dass durch Nordkoreas Vergeltung allein mit konventionellen Waffen in den ersten 30 Minuten Millionen Menschen in Seoul getötet werden könnten.

Nordkoreanische Rakete
Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang.
Foto: Wong Maye-E – dpa

In einem Gespräch mit Dunford warnte der Vizevorsitzende der chinesischen Militärkommission, General Fan Changlong, vor einem Militärschlag. „Dialog ist der einzig wirksame Weg zu Lösung der Probleme auf der koreanischen Halbinsel“, sagte der hohe General.

Atomwaffen-Testgelände in Nordkorea
Das von «Airbus Defense & Space» und der Internetseite «38 North» am 12.04.2017 veröffentlichte Satellitenfoto zeigt das Atomwaffen-Testgelände in Punggye-ri im gebirgigen Nordosten von Nordkorea. Fot
Foto: dpa

Moon rief Pjöngjang auf, zum Dialog zurückzukehren und von „weiteren Provokationen“ Abstand zu nehmen. Nordkorea müsse sich sonst auf noch härtere Sanktionen einstellen, denen es am Ende nicht mehr standhalten könne, warnte er. Sollte Nordkorea allerdings auf weitere Raketen- und Atomtests verzichten, wolle er erwägen, einen Sondergesandten nach Pjöngjang zu schicken.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Anfang dieses Monats nach zwei Tests Nordkoreas mit Langstreckenraketen die bislang schärfsten Sanktionen gegen das diplomatisch isolierte Land verhängt. Experten zufolge könnten die Raketen US-Gebiet erreichen. Nordkorea wirft den USA vor, mit ihren Militärübungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide aber bestreiten. In der nächsten Woche planen die USA und Südkorea nach südkoreanischen Medienberichten eines ihrer jährlichen Manöver.

Wie Südkorea will auch Japan wegen der Bedrohung durch Nordkorea seine Raketenabwehr ausbauen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, wird ein landgestütztes Aegis-System erwogen. Das Verteidigungsministerium wolle die Mittel für die dafür benötigte Planung im kommenden Haushalt beantragen.