Archivierter Artikel vom 11.04.2020, 22:54 Uhr

Messe zur Osternacht

Papst Franziskus: Es gibt Hoffnung in „dunkelster Stunde“

Franziskus spricht in einer Messe zur Osternacht über das Thema Hoffnung. Der Papst warnt von Pessimismus – und wirkt dabei teils traurig. Die Corona-Pandemie überschattet das große christliche Fest.

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Messe
Papst Franziskus leitet eine feierliche Osternacht im Petersdom.
Foto: Remo Casilli/Reuters Pool/AP/dpa

Vatikanstadt (dpa) – Papst Franziskus hat in einer von der Corona-Krise geprägten Messe zur Osternacht dazu aufgerufen, selbst in „dunkelster Stunde“ Hoffnung zu haben.

Das katholische Kirchenoberhaupt predigte heute im fast leeren Petersdom. Obwohl die riesige Basilika im Zentrum Roms Zehntausende Besucher fasst, waren nur wenige Würdenträger und Gläubige dabei. Sie saßen in weiten Abständen voneinander. Pilger waren wegen der Gesundheitsrisiken wie bei den Karfreitagsriten nicht zugelassen.

Franziskus sprach über die Frauen, die sich der Bibel zufolge um Jesus' Leichnam kümmerten. Er sagte: „Wie wir hatten sie das Drama des Leidens in den Augen, einer unerwarteten Tragödie, die allzu schnell eingetreten war.“ Der Pontifex zog weitere Vergleiche zu den Menschen heute: „Für sie war es die dunkelste Stunde, wie für uns.“

Die Frauen in dem Bibel-Text würden sich nicht lähmen lassen. „Sie schließen sich nicht in den Pessimismus ein, sie fliehen nicht vor der Wirklichkeit“, sagte Franziskus. Stattdessen würden sie Liebe in ihren Herzen entzünden. „Wie viele Menschen haben in den traurigen Tagen, die wir erleben, wie jene Frauen gehandelt und tun es weiter, indem sie Keime der Hoffnung aussäen! Mit kleinen Gesten der Sorge, der Zuneigung, des Gebets“, lobte der 83 Jahre alte Franziskus, ohne das Virus zu erwähnen. Er wirkte bisweilen verloren, traurig und einsam bei der Messe.

Die Feier der Auferstehung von Jesus Christus an Ostern ist für gläubige Christen das wichtigste religiöse Fest.

Auch am Samstag war – wie an den Vortagen – ein historisches Pestkreuz bei den Zeremonien aufgebaut. Dieses soll während der Pest 1522 durch die Straßen Roms getragen worden sein.

Franziskus mahnte, dass Hoffnung etwas anderes sei als „bloßer Optimismus“. Sie sei mehr als ein Schulterklopfen – auch mehr als das positive „Tutto andrà bene“-Motto (Alles wird gut) vieler Italiener in der Corona-Krise.

„Heute Nacht erlangen wir ein Grundrecht, das uns nicht genommen werden wird: das Recht auf Hoffnung. Es ist eine neue, lebendige Hoffnung, die von Gott kommt“, beschrieb er die Osterbotschaft. Jesus habe den Tod überwunden, sagte er. „Geben wir daher nicht der Resignation nach, legen wir nicht einen Stein über die Hoffnung.“

Außerdem wies der Papst darauf hin, dass Ostern Mut geben könne und eine Aufforderung sei, aktiv zu werden: „Setzen wir uns dafür ein, dass die Todesschreie verstummen, genug der Kriege! Die Produktion und der Handel von Waffen mögen gestoppt werden, denn wir bedürfen des Brotes und nicht der Gewehre“, sagte er. Und weiter: „Die Abtreibungen, die das unschuldige Leben töten, mögen aufhören.“

Papst Franziskus sollte am Sonntagmittag die Osterfeierlichkeiten mit einer Messe und dem Segen „Urbi et Orbi“ fortsetzen. Auch dies sollte wie die Messe am Samstag im Internet übertragen werden.

Italien ist mit mehr als 19.000 Todesfällen von der Corona-Pandemie stark getroffen. Auch im Vatikan gab es einige Covid-19-Kranke, aber keine Toten infolge der Virus-Welle.