Archivierter Artikel vom 28.11.2020, 09:30 Uhr

Zeremonie in Rom

Papst Franziskus ernennt 13 neue Kardinäle

Die katholischen Kardinäle haben eine wichtige Aufgabe: die Papstwahl. Mit ihnen kann der Pontifex aber auch auf die Zukunft der Kirche einwirken. Franziskus ernannte zum siebten Mal neue Männer – mit Neuerungen.

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Katholische Kirche
Papst Franziskus ernennt neue Kardinäle.
Foto: Evandro Inetti/ZUMA Wire/dpa

Rom (dpa). In einer für den Vatikan ungewöhnlichen Zeremonie angesichts der Corona-Pandemie hat Papst Franziskus 13 Männer aus allen Teilen der Welt zu Kardinälen ernannt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche mahnte sie am Samstag im Petersdom in Rom, nicht vom rechten Weg abzukommen.

„Denken wir an die vielen Arten von Korruption, die es im priesterlichen Leben gibt“, sagte Papst Franziskus. Dann sei man kein Priester mehr, der dem Volk nahe stehe.

Anders als bei den sonst großangelegten Zeremonien, waren diesmal nur rund zweihundert Teilnehmer und Kardinäle im Petersdom. Auf einzelnen Stühlen und mit Mundschutz saßen die Gläubigen und Kardinäle mit Abstand zueinander, zum Schutz vor dem Coronavirus. Einige waren per Video auf einer Leinwand zugeschaltet. Auch die traditionelle Umarmung der Kardinäle fiel aus.

Zwei Kardinäle konnten wegen geltender Gesundheitsbestimmungen nicht persönlich zu ihrer sogenannten Kreierung kommen, wie der Vatikan Anfang der Woche mitteilte. Der Apostolischen Vikar Cornelius Sim aus dem südostasiatischen Land Brunei und Erzbischof Jose Fuerte Advincula von den Philippinen mussten ihre Ernennung fernab mitverfolgen. Ihr rotes Kardinalsbirett, den Ring und die Titelurkunde sollen sie durch einen päpstlichen Gesandten erhalten, wie das Nachrichtenportal „Vatican News“ schrieb.

Es ist bereits die siebte Kardinalsernennung durch Franziskus seit 2014. Eine Hauptaufgabe der Kardinäle ist, einen neuen Papst im Konklave zu wählen. Die Erhebung ist gemeinhin auch ein Mittel des Papstes, den Kurs der Kirche zu beeinflussen und auf seine Nachfolge einzuwirken. Von den wahlfähigen Kardinälen hat der Argentinier mit 73 mehr als die Hälfte selbst ernannt. Unter den Neuen engagieren sich viele laut Medienberichten etwa für die Armen – ein Leitgedanke der Kirchenpolitik Franziskus'.

Zudem hielt die diesjährige Kardinalsernennung einige Neuerungen bereit. Mit Sim und dem Erzbischof von Kigali, Antoine Kambanda, haben Brunei und das ostafrikanische Ruanda nun Vertreter unter den Kardinälen. Außerdem wurde mit der Kardinalsernennung des Erzbischofs von Washington, Wilton Gregory, erstmals ein schwarzer US-Amerikaner in das Kollegium aufgenommen.

Insgesamt gibt es nun 229 Kardinäle. Nur 128 dürften jedoch an einer Papstwahl teilnehmen, da die Altersgrenze dafür bei 80 Jahren liegt. Mit Ende kommenden Jahres werden wieder sechs die Altersgrenze überschreiten – zwei davon hatte Franziskus ernannt.

Für Deutschland würden laut Heiligem Stuhl der von Franziskus ernannte Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und die beiden unter Papst Benedikt XVI. erhobenen Erzbischof Reinhard Marx und Bischof Rainer Maria Woelki am Konklave teilnehmen. Insgesamt gibt es acht deutsche Kardinäle.

© dpa-infocom, dpa:201128-99-494089/8

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