Archivierter Artikel vom 05.01.2018, 06:40 Uhr

Pegelstände steigen

Nach Neckar und Mosel: Hochwasser stoppt Rhein-Schifffahrt

Mit „Burglind“ hat das Jahr nass und stürmisch begonnen. Jetzt steigen die Pegelstände vieler Flüsse und behindern den Schiffsverkehr. Doch es wird wieder trockener und kälter. Ein Meteorologe sagt: fast schon so wie richtiger Winter.

Lesezeit: 5 Minuten
Hochwasser in Köln
Schilder eines Radweges und einer Fähre stehen im Stadtteil Zündorf in Köln im Wasser.
Foto: Oliver Berg – dpa

Berlin (dpa). Die Hochwasserlage bleibt in weiten Teilen Deutschlands bedrohlich und zwingt zunehmend die Schiffskapitäne zu Pausen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt sind mit Rhein, Donau, Main, Mosel, Saar, Neckar und Weser sieben Flüsse zumindest abschnittsweise betroffen.

Selfie auf der Autobahn
Zwei Männer machen am in Saarbrücken ein Selfie auf der A620, der Stadtautobahn, die wegen des Saar-Hochwassers gesperrt wurde.
Foto: Oliver Dietze – dpa

So wurde auch auf dem Oberrhein die Schifffahrt eingestellt. Weiter rheinabwärts, etwa bei Köln, könnte es am Wochenende so weit sein. Doch Meteorologen wecken nach dem regenreichen Jahresbeginn nun Hoffnung auf trockeneres Wetter: Am Sonntag bleibt es dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge weitgehend niederschlagsfrei.

Der Rhein
Der anhaltende Regen lässt den Rhein in Düsseldorf weiter steigen.
Foto: Federico Gambarini – dpa

In der Nacht zum Freitag war die Situation im Schwarzwald-Städtchen St. Blasien besonders kritisch. Regen und Tauwetter führten zu Überschwemmungen und Erdrutschen; zwischenzeitlich drohte Katastrophenalarm. Etwa 120 Menschen kamen in einer Halle unter, die meisten konnten bis zum Morgen in ihre Häuser zurückkehren. Verletzt wurde niemand.

Hochwasser in NRW
Felder im nordrhein-westfälischen Grietherort sind vom Rhein-Hochwasser in großen Teilen überflutet.
Foto: Arnulf Stoffel – dpa

Tagsüber entspannte sich die Lage dann. Das Innenministerium Baden-Württemberg warnte jedoch davor, dass wegen hoher Wasserstände und durchnässter Böden auch in den nächsten Tagen noch Hänge abrutschen, Bäume umstürzen und Keller volllaufen könnten. Uferbereiche und Wälder sollten nicht betreten werden.

Hochwasser an der Mosel
Die Bundesstrasse B416 bei Moselkern in Rheinland-Pfalz ist vom Moselhochwasser überflutet.
Foto: Thomas Frey – dpa

In Baden-Württemberg starb eine 28 Jahre alte Rettungsschwimmerin bei einer Hochwasserübung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Sie ertrank am Donnerstag in der Nähe von Schwäbisch Hall im Fluss Kocher, als ihr Boot kenterte. In Frankreich wurde bei Hochwasser ein Deutscher vermisst gemeldet. Der Mann um die 70 aus Baden-Württemberg sei vermutlich an seinem Zweitwohnsitz in Rouvres-sur-Aube, nördlich von Dijon, ins Wasser gefallen, sagte die Präfektin des Verwaltungsbezirks Haute-Marne, Françoise Souliman.

Hochwasser an der Bundesstrasse B416
Kein Durchkommen: Die überflutete Bundesstrasse B416 bei Moselkern in Rheinland-Pfalz.
Foto: Thomas Frey – dpa

In Köln, wo das Flussbett des Rheins besonders eng ist, rechneten die Experten für Sonntag mit einem Pegelstand von 8,20 bis 8,70 Metern. Die kritische Marke für Kapitäne liegt bei 8,30 Metern. „Die Schifffahrt wird auf jeden Fall eingestellt werden. Die Frage ist der Zeitpunkt“, sagte ein Sprecher der Hochwasserschutzzentrale.

Hochwasser am Rhein
Dauerregen und Schmelzwasser haben den Rhein anschwellen lassen.
Foto: Martin Gerten – dpa

Anwohner in Deutschlands viertgrößter Stadt sind nicht in Gefahr. „Bebaute Gebiete im größeren Umfang sind in keinster Weise bedroht“, sagte der Sprecher. Für Dienstag rechneten die Experten mit einem Höhepunkt von etwa 9 Metern. Die Schutzwände in der Kölner Altstadt sind für Wasserstände von deutlich mehr als 11 Metern ausgelegt.

Hochwasser in Straubing
Hier geht es nicht weiter: Überfluteter Weg am Donauufer in Straubing.
Foto: Armin Weigel – dpa

In Düsseldorf wurde an der Altstadt eine Schutzwand errichtet, um zu verhindern, dass Wasser vordringen kann. Auch die Feuerwehr bereitete sich auf Einsätze vor. „Sandsäcke werden gepackt, der Bestand wird aufgefüllt“, sagte ein Stadtsprecher.

Hochwasser in Titisee-Neustadt
Ein Radlader versucht in Titisee-Neustadt im Schwarzwald, einen Abfluss für das Hochwasser zu schaffen.
Foto: Patrick Seeger – dpa

Auf den Rhein-Nebenflüssen Neckar und Mosel war die Schifffahrt schon vorher eingestellt worden. An der Mosel stieg der Wasserstand am Pegel Trier in der Nacht über die kritische Acht-Meter Marke. In Heidelberg wurde die B37 an der Altstadt gesperrt, weil der Neckar über die Ufer trat. In Saarbrücken wurde am Freitag die Stadtautobahn gesperrt, weil die Saar stieg und eine Überflutung drohte.

Menzenschwand
Geröllmassen liegen in Menzenschwand im Schwarzwald auf der Strasse.
Foto: Patrick Seeger – dpa

Auch in Bayern liefen Keller voll und Straßen mussten gesperrt werden. Im gesamten bayerischen Alpenraum herrscht erhebliche Lawinengefahr. In Schleswig-Holstein galt wegen Hochwassers ein Tempolimit für Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Hochwasser in St. Blasien
In St. Blasien im Schwarzwald sind Häuser durch Erdrutsche bedroht.
Foto: Patrick Seeger – dpa

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete bis Freitagabend Dauerregen im Schwarzwald mit 70 bis stellenweise 120 Litern pro Quadratmeter. Dazu kommt, dass Schneemassen in den Höhenlagen wegen der milden Temperaturen schnell wegschmelzen. Im Allgäu wurden Abflussmengen von 50 bis 100 Litern pro Quadratmeter bis Freitagabend erwartet.

Saarbrücken
Die Saar steht in Saarbrücken so hoch, dass sie fast die Stadtautobahn überflutet.
Foto: Oliver Dietze – dpa

Am Samstag ist in einem Streifen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über die Mitte hinweg bis nach Sachsen mit Regen zu rechnen. „Etwa südlich des Mains bleibt es weitgehend trocken und Richtung Alpen auch länger sonnig“, hieß es vom DWD. Zugleich wird es kälter. Am Samstag sinken die Temperaturen auf Werte zwischen zwei bis zehn und am Sonntag auf ein bis neun Grad. Hinzu komme Nordost-Wind, so dass sich die Luft im Norden wie minus zwei Grad anfühlen könne. „Das ist doch fast schon so wie richtiger Winter“, meinte Meteorologe Martin Jonas.

Hochwasser
Amphibien-Traktor: Mit schwerem Gerät lässt sich die überflutete Kreisstraße zwischen Unlingen und Daugendorf (Baden-Württemberg) trocken überqueren.
Foto: Thomas Warnack – dpa

Tief „Burglind“ hatte am Mittwoch in Teilen Deutschlands orkanartige Böen und peitschenden Regen gebracht. Nach ersten Schätzungen hinterließ der erste Sturm des neuen Jahres dreistellige Millionenschäden. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) geht allerdings davon aus, dass „Burglind“ in Deutschland deutlich weniger als eine halbe Milliarde Euro Schaden verursacht hat.

Hochwasser in Passau
Sandsäcke sichern in Passau eine Tür vor dem Hochwasser der Donau.
Foto: Armin Weigel – dpa

Damit wäre „Burglind“ zwar ein schwerer, aber kein Rekordsturm gewesen. Das Ranking der fünf schwersten Winterstürme der vergangenen 20 Jahre führt laut Verband noch immer „Kyrill“ an. Der Sturm hinterließ 2007 versicherte Sachschäden in Höhe von über zwei Milliarden Euro.

Nach dem Hochwasser
Das war eine Straße: Nach einem nächtlichen Hochwasser ist in Menzenschwand (Baden-Württemberg) davon aber nicht mehr viel zu sehen.
Foto: Steffen Schmidt – dpa

DWD-Warnlagebericht

Hochwasser in Duisburg
Verkehrsschilder im Hochwasser des Rheins in Duisburg.
Foto: Christoph Reichwein – dpa

Mitteilung BDB

Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg

Hochwassermeldungen für Mosel/Saar/Sauer

Pegel Köln

Ministerium zu Unwetterlage in Baden-Württemberg

Warum die Pegelstände steigen