Archivierter Artikel vom 21.02.2020, 05:52 Uhr

Bundeswehr weist Kritik zurück

Militärübung „Defender Europe 20“ tritt in Hauptphase

Mit der größten Verlegeübung über den Atlantik seit 25 Jahren demonstriert das US-Militär den Schulterschluss mit Europa. In Divisionsstärke werden Kräfte über die Drehscheibe Deutschland Richtung Osten geschickt – auch ein Signal der Abschreckung.

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Großmanöver
«Defender Europe 2020» gilt als größte Truppen-Verlegeübung der Nato seit 25 Jahren.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Bremerhaven/Hamburg/Berlin (dpa) – Die Militärübung „Defender Europe 20“ nimmt deutlich Fahrt auf: Das erste Schiff mit schwerem US-Gerät aus dem US-Bundesstaat Georgia ist in Deutschland eingetroffen. US-Abrams-Panzer reihten sich am Freitag am Kaiserhafen in Bremerhaven an den Kaianlagen vor dem riesigen Frachtschiff „Endurance“ auf. Container, Tanklastwagen, Kettenraupen, Humvees wurden von dem Roll-on/Roll-off-Frachter entladen.

„Defender Europe 20“ ist die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte über den Atlantik seit 25 Jahren. Auf dem Flughafen in Hamburg trafen am frühen Morgen US-Soldaten ein, in Bremerhaven werden Militärgüter von insgesamt vier Schiffen entladen. Testweise sollen etwa 20 000 Soldaten von den USA quer durch Deutschland nach Osteuropa verlegt werden, um für Krisenfälle gewappnet zu sein. Einsatzorte sind Polen und das Baltikum. Insgesamt nehmen 18 Länder an der mehrmonatigen Übung teil.

An Bord der „Endurance“, die vor neun Tagen von Savannah (Georgia) ablegte, waren 1200 sogenannte Frachteinheiten. Und bis zum Sommer kommen Tausende Soldaten, überwiegend in Flugzeugen, wie der kommandierende General der US-Streitkräfte in Europa, Christopher G. Cavoli, sagte. Er war am Freitag zusammen mit Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der für die Logistik zuständigen Streitkräftebasis, nach Bremerhaven gekommen und stand Journalisten bei pfeifendem Wind, aber trockenem Wetter vor zwei Panzern Rede und Antwort.

Ob er glaube, dass Russland Krieg wolle, wird der US-General offen gefragt. „Soldaten denken darüber nicht nach. Sie denken über Fähigkeiten nach“, antwortete er. Klar ist, die Großübung stößt in Russland auf wenig Sympathie.

Schelleis erinnerte an die russische Annexion der Krim 2014. Damals habe man gesagt, dass die kollektive Verteidigungsfähigkeit der Nato stärker gewichtet werden müsse. Und dazu diene „Defender Europe 20“.

„Es ist in der Tat so, dass Russland durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim 2014 der Auslöser dieser Entwicklung ist. Russland ist aber nicht Anlass für die Übung, militärische Fähigkeiten können nur langfristig wieder aufgebaut und gepflegt werden“, sagte Schelleis vorab der Deutschen Presse-Agentur. „Ursache und Wirkung müssen differenziert werden. Was sich die Nato jetzt wieder aneignet, kann Russland schon lange und hat es auch in den Übungen, wie zum Beispiel Sapad (West), immer wieder nachgewiesen.“

Aus operativer Sicht interessiert bei der Übung vor allem, ob bekannte Verfahren geeignet wären, Belastungen auch in dieser Größenordnung zu bestehen. Für die deutschen Stellen geht es auch darum, die Belastbarkeit der eigenen Infrastruktur – Brücken und Verkehrswege – zu überprüfen. Ein Kampfpanzer auf Tieflader kann mehr als 130 Tonnen wiegen. Der Transport von Militärgerät ist auch per Bahn und mit Binnenschiffen geplant.

Die Bundeswehr rechnet mit Protesten, die im Vorfeld auch schon angekündigt wurden. „Die Polizei ist darauf eingestellt, dies im üblichen Wege zu bereinigen. Proteste sind legitim. Straftaten sind es nicht“, sagte Schelleis dazu.

Der Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu kritisierte die Übung als Säbelrasseln und „unnötige Provokation in einer ohnehin bereits weit fortgeschrittenen Eskalation“. Die Umweltorganisation Greenpeace protestierte bereits am Vortag mit einem fahrenden Schlauchboot und einem angebundenen Drachen mit der Aufschrift „Stop war games, save peace“.