Archivierter Artikel vom 12.04.2021, 04:52 Uhr

Präsidentenwahl

Konservativer Banker zum Präsidenten von Ecuador gewählt

Inmitten einer tiefen Wirtschaftskrise haben die Wähler für einen Rechtsruck gestimmt. Doch das südamerikanische Land ist tief gespalten.

Guillermo Lasso
Geballte Faust: Guillermo Lasso nach der Stichwahl in seiner Wahlkampfzentrale.
Foto: Angel Dejesus/AP/dpa

Quito (dpa). Im dritten Anlauf hat er es geschafft: Der konservative Banker Guillermo Lasso ist als Sieger aus der Präsidentenwahl in Ecuador hervorgegangen.

Der 65-Jährige kam nach der Auszählung von fast allen Stimmen auf rund 52,4 Prozent, wie das Wahlamt in der Nacht zum Montag mitteilte. Der Linkskandidat Andrés Arauz erhielt bei der Stichwahl demnach etwa 47,6 Prozent der Stimmen.

„Das ist ein historischer Tag, an dem alle Ecuadorianer die Zukunft und den Wunsch nach besseren Tagen gewählt haben“, sagte Lasso vor seinen Anhängern in einem Veranstaltungszentrum in der Wirtschaftsmetropole Guayaquil an der Pazifikküste. „Lasst uns ein gerechteres und wohlhabenderes Land für alle schaffen.“

Konservative Staatschefs aus der Region wie Kolumbiens Präsident Iván Duque, Chiles Staatschef Sebastián Piñera und Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou gratulierten Lasso zu seinem Wahlsieg. Auch der scheidende ecuadorianische Staatschef Lenín Moreno wünschte ihm Erfolg. „Die Demokratie hat triumphiert“, schrieb er auf Twitter.

Für Lasso war es bereits die dritte Präsidentschaftskandidatur. „Seit Jahren habe ich davon geträumt, den Ecuadorianern dienen zu dürfen, damit das Land vorankommt und wir alle ein besseres Leben führen können“, sagte Lasso. „Heute habt ihr das möglich gemacht. Es beginnt eine Epoche des Zusammenkommens.“

Lasso wird sein Amt am 24. Mai antreten. Er versprach, ein Präsident für alle Bürger zu sein. „Ich kommen nicht mit einer Liste, wer verfolgt und ins Gefängnis kommen soll. Ich möchte, dass Sie keine Angst vor der Regierung haben oder davor, eine andere Meinung als der Präsident zu haben.“

Arauz räumte seine Niederlage ein. „Das war ein Scheitern bei den Wahlen, aber keine politische oder moralische Niederlage“, sagte der Zögling des früheren Präsidenten Rafael Correa vor seinen Anhängern. Nach seiner Rede telefonierte er mit seinem Rivalen Lasso und gratulierte ihm zum Wahlsieg. „Wir haben für unterschiedliche Idee und Werte gekämpft“, sagte Arauz. „Aber jetzt ist der Moment gekommen, voranzuschreiten, Brücken zu bauen und Konsens herzustellen.“

Die beiden Kandidaten stehen an entgegengesetzten Enden des politischen Spektrums: Arauz repräsentiert den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, den der 2013 verstorbene Linkspopulist Hugo Chávez mit Unterstützung Kubas von Venezuela aus propagierte, Lasso dagegen für eine liberale Wirtschaftspolitik. Er will Arbeitsplätze schaffen und ausländische Investoren anlocken.

„Wir haben wirklich geglaubt, wir würden gewinnen, aber unsere Einschätzung war falsch“, schrieb Ex-Präsident Correa, der nach einer Verurteilung wegen Korruption im Exil in Brüssel lebt. „Ich wünsche Guillermo Lasso Glück – sein Erfolg wird der Erfolg Ecuadors sein.“

Die ecuadorianische Bischofskonferenz forderte die politischen Lager dazu auf, ihre Differenzen beizulegen und zusammenzuarbeiten. „Wir müssen den ideologischen Fanatismus und die extremen Positionen überwinden“, hieß es in einer Stellungnahme der Bischöfe. „Wir brauchen eine Kultur des Zuhörens, in der sich niemand anmaßt, für andere zu denken und zu entscheiden.“

Lasso ist Mitglied der ultrakonservativen katholischen Vereinigung Opus Dei und spricht sich strikt gegen gleichgeschlechtliche Ehen sowie Abtreibung aus. Dennoch versprach er, lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intersexuelle Menschen nicht zu diskriminieren: „Ich werde Sie beschützen, um zu verhindern, dass Sie stigmatisiert werden.“

Das südamerikanische Land mit seinen rund 17 Millionen Einwohnern steckt wegen des Verfalls der Ölpreise und der Corona-Pandemie in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der bisherige Präsident Moreno war zuletzt in der Wählergunst stark abgerutscht und hatte sich gar nicht erst zur Wiederwahl gestellt.

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