Archivierter Artikel vom 23.10.2014, 07:05 Uhr

Kanada verschärft nach Attentat Anti-Terror-Gesetze

Ottawa/London (dpa). Nach dem Attentat mit zwei Toten in Ottawa hat der kanadische Premierminister Stephen Harper schärfere Anti-Terror-Gesetze angekündigt.

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Spurensuche
Polizisten setzen die Spurensuche am Weltkriegsdenkmal fort. Kanadas Premierminister Stephen Harper hat schärfere Anti-Terror-Gesetze angekündigt.
Foto: Warren Toda – DPA

In einer Rede zur Wiedereröffnung des Parlaments betonte er am Donnerstag zugleich, Kanada lasse sich nicht einschüchtern von Gewalt und Terror. «Wir werden wachsam sein, aber wir werden nicht verängstigt umherlaufen», sagte er unter Beifall der Abgeordneten. Am Tag nach den tödlichen Schüssen im Regierungsviertel blieb die Frage nach islamistischen Motiven des erschossenen Täters offen.

Trauer
Der Schock sitzt tief: Eine Frau trauert um den getöteten Soldaten.
Foto: Cole Burston – DPA

Die Polizei bestätigte lediglich, dass ein Einzeltäter den Soldaten am Kriegsdenkmal erschossen hat und dann ins Parlament gestürmt war. Harper sagte, es sei ein kanadischer Staatsbürger gewesen. Nach Medienberichten handelt es sich um den geistig verwirrten 32-jährigen Michael Zehaf-Bibeau, der erst kürzlich zum Islam konvertiert sei. Laut Gerichtsunterlagen wurde er in der Vergangenheit unter anderem wegen Drogenvergehen verurteilt.

In Deckung
In Deckung: Polizisten während des Einsatzes am kanadischen Parlament.
Foto: Chris Roussakis – DPA

Er sei in Kanada geboren und aufgewachsen, habe aber auch einige Zeit in Libyen verbracht. «Ich denke, er war geisteskrank», zitierte die kanadische Zeitung «The Globe and Mail» einen Bekannten des Täters.

Polizeieinsatz
Polizeieinsatz im Regierungsviertel von Ottawa.
Foto: Chris Roussakis – DPA

Die Behörden hätten den Mann bereits zuvor als «Reisenden mit hohem Sicherheitsrisiko» («high-risk-traveller») eingestuft, berichtete die Zeitung weiter. In anderen Medienberichten hieß es, er stehe auf einer Liste von 90 Personen, die wegen einer möglichen Terrorgefahr beobachtet werden.

Voyeure
Voyeure: Passanten nutzen die dramatische Situation in Ottawa für Schnappschüsse.
Foto: Chris Roussakis – DPA

«Die Kanadier werden sich nicht einschüchtern lassen», sagte Harper vor dem Parlament. Er habe bereits seit längerem für schärfere Anti-Terror-Gesetze plädiert. Entsprechende Gesetzesentwürfe seien «bereits auf dem Weg und werden beschleunigt». Ihm sei aber auch klar: «Wir leben in einer gefährlichen Welt.»

Kevin Vickers
Kevin Vickers erschoss den Attentäter.
Foto: Matthew Cavanaugh/Archiv – DPA

Auch ein Imam von Ottawa legte Blumen am Kriegsdenkmal ab. Die muslimische Gemeinde unterstütze keine Gewalt, sagte der Imam Sikander Hashmi Nachrichtenagentur dpa. «Ich bin ein stolzer Kanadier», fügte er hinzu.

Anspannung in Ottawa
Anspannung in Ottawa nach den Schüssen im Parlament.
Foto: Chris Roussakis – DPA

Nach den Schüssen am Kriegsdenkmal war der Attentäter am Mittwoch mit einem Gewehr in das nahe gelegene Parlamentsgebäude gestürmt. Dort schoss er um sich, bevor der 58-jährige Wachmann Kevin Vickers ihn erschoss. Vickers wurde in Kanada wie ein Held gefeiert. Vickers arbeitet als eine Art Waffen- und Zeremonienmeister im Parlament. Harper dankte ihm ausdrücklich für sein entschlossenes Handeln.

Trauer
Anteilnahme in Ottawa.
Foto: Warren Toda – DPA

Queen Elizabeth II., britische Königin und zugleich Staatsoberhaupt Kanadas, verurteilte das Verbrechen. Sie sei schockiert und traurig. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich ähnlich. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sprach von einem «terroristischen Anschlag».

Verunsicherung
Verunsicherung in der Innenstadt von Ottawa nach den Schüssen im Parlament.
Foto: Chris Roussakis – DPA

Das Fernsehen zeigte dramatische Szenen von flüchtenden Menschen und angsterfüllten Parlamentariern und Angestellten. Harper, der sich im Parlament befand, wurde sofort in Sicherheit gebracht. Drei Verletzte wurden im Krankenhaus behandelt, konnten dieses aber nach Angaben der Klinik kurz darauf wieder verlassen.

Einsatz in Ottawa
Regierungsviertel in Ottawa: Schwer bewaffnete Polizeibeamte im Einsatz.
Foto: Chris Roussakis – DPA

Es war schon der zweite Anschlag in Kanada in dieser Woche. Am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei Soldaten mit einem Auto überfahren. Ein Soldat starb, der Täter wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

Blumen
Viele Menschen haben rund um das Weltkriegsdenkmal, vor dem der Soldat niedergeschossen wurde, Blumen niedergelegt.
Foto: Cole Burston – DPA

US-Botschaft in Ottawa auf Twitter

Polizei in Ottawa auf Twitter

The Globe and Mail