Corona-Einschränkungen

Inzidenz von knapp unter 50: Virologin warnt vor Lockerungen

Sollten Städte, in denen die Inzidenz, also die Zahl der Infektionen in sieben Tagen auf 100.000 Einwohner unter 50 ist, die harten Corona-Maßnahmen auflockern? Die renommierte Virologin Melanie Brinkmann warnt eindringlich vor solch einem Schritt.

Lesezeit: 1 Minuten
Melanie Brinkmann
Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.
Foto: Michael Sohn/POOL AP/dpa

Braunschweig (dpa) – Die Virologin Melanie Brinkmann hat diskutierte Lockerungen der Corona-Einschränkungen bei einer Inzidenz von knapp unter 50 als „fatal“ bezeichnet.

„Die Zahlen würden sofort wieder steigen. So eine Mittelinzidenz bedeutet letztlich eine Art Dauer-Lockdown, aus dem man nur zwischendurch mal kurz auftauchen und nach Luft schnappen kann“, sagte die Wissenschaftlerin vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung dem „Spiegel“.

Aus Sicht der Virologin könnten niemals genügend Menschen geimpft werden, „bevor die Mutanten durchschlagen“. Dieser Wettlauf sei längst verloren. „Alles andere entspringt Wunschdenken, genährt von falschen Versprechungen einiger Politiker. Der Impfstoff ist zwar da, die Produktion läuft, aber es wird dauern, bis alle ihn bekommen. Das Impfen wird uns erst aus der Pandemie befreien, wenn sie weltweit abflaut. Corona wird uns 2022 noch beschäftigen – wahrscheinlich darüber hinaus“, sagte Brinkmann.

Bereits im Herbst habe die Politik zu spät reagiert, so Brinkmann, jetzt tue sie mit Blick auf die mutierten Varianten das Gleiche. „Wir alle wollen aus diesem verdammten Lockdown raus – aber die Kanzlerin hat am Dienstag leider verkündet, dass die 50er-Inzidenz weiterhin als Richtschnur dienen soll. Mit diesem Kurs haben wir keine Chance.“

Brinkmann warb erneut für die „No Covid“-Strategie, die sie und weitere renommierte Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche vorgeschlagen hatten. Dazu gehört laut der Virologin: „Eine konsequent durchgesetzte Kontaktvermeidungsstrategie, um die Zahlen sehr schnell zu senken. Damit ließe sich die 7-Tage-Inzidenz zügig unter 10 drücken. Die Gesundheitsämter könnten wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen, und wir alle bekämen unser Leben zurück. Zumindest ein Leben, so ähnlich wie im Sommer 2020. Dieses Larifari des “Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept", das muss aufhören.“

© dpa-infocom, dpa:210205-99-317255/3