Archivierter Artikel vom 02.01.2020, 07:10 Uhr

USA machen Iran verantwortlich

Gespannte Ruhe nach Protesten an US-Botschaft im Irak

Lange war die Lage im Irak nicht mehr so angespannt wie an Silvester. Vorerst ist wieder Ruhe eingekehrt – und das ohne Blutvergießen. Doch die schiitischen Milizen werden infolge der US-Luftangriffe wohl nicht klein beigeben. Die USA verlegen mehr Soldaten in die Region.

Lesezeit: 3 Minuten
Sicherheitskräfte vor US-Botschaft in Bagdad
Irakische Sicherheitskräfte postieren sich vor der US-Botschaft in Bagdad.
Foto: Qassim Abdul-Zahra/AP/dpa

Bagdad/Washington (dpa) – Nach den gewaltsamen Protesten an der US-Botschaft im Irak ist eine angespannte Ruhe eingetreten.

Sicherheitsvorkehrungen
US-Soldaten stehen Wache auf dem Botschaftsdach.
Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Die Demonstranten in Bagdad haben sich angesichts eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte weitgehend zurückgezogen, die Botschaft bleibt aber bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. US-Außenminister Mike Pompeo appellierte in einem Gespräch mit Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi am Mittwochabend (Ortszeit) erneut an die Pflicht des Iraks, „weitere Angriffe gegen unsere diplomatische Vertretung zu verhindern“.

Proteste im Irak
Demonstranten stehen mit Fahnen vor der US-Botschaft in Bagdad.
Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Infolge von US-Luftangriffen gegen schiitische Milizen am Wochenende waren am Dienstag Hunderte Demonstranten in die gesicherte „Grüne Zone“ in Bagdad eingedrungen, um die US-Botschaft zu stürmen. Mehrere Wachhäuschen wurden in Brand gesetzt, Mauern beschmiert und Brandsätze geworfen. Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten jedoch zurück, bevor sie auf das Botschaftsgelände gelangen konnten. Zur Abschreckung setzte das US-Militär auch Kampfhubschrauber ein.

Zerstörtes Büro
Demonstranten haben den Empfangsraum der Botschaft angezündet.
Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Das US-Militär verlegte zum Schutz der Botschaft umgehend rund 100 Marineinfanteristen aus dem benachbarten Kuwait. Am Mittwoch verlegten die Streitkräfte für den Fall einer weiteren Eskalation zudem rund 750 Fallschirmjäger aus den USA in die Region. Die USA haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert. Vom Militär am Mittwoch veröffentlichte Fotos zeigten Soldaten, die mit Schnellfeuergewehren auf dem Dach der Botschaft Wache standen.

Anhänger der schiitischen Miliz
Den zweiten Tag in Folge ist es an der Botschaft zu Ausschreitungen gekommen.
Foto: Ameer Al Mohmmedaw/dpa

Die Botschaft stellte infolge der Proteste alle konsularischen Dienstleistungen ein. Bereits vereinbarte Termine seien hinfällig und US-Bürger seien aufgefordert, sich der diplomatischen Vertretung nicht zu nähern, teilte die Botschaft mit. Das Generalkonsulat in Erbil – der Hauptstadt der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak – bleibe für Visums- und Passangelegenheiten geöffnet.

Auseinandersetzungen
Vor der US-Botschaft kommt es den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.
Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Die USA machen den Iran für die Proteste verantwortlich, weil Teheran die schiitischen Milizen im Irak unterstützt. Die Führung in Teheran weist den Vorwurf jedoch vehement zurück. US-Außenminister Pompeo verschob angesichts der Spannungen eine für Ende der Woche geplante Reise in die Ukraine, nach Weißrussland, Zentralasien und Zypern bis auf Weiteres. Pompeo werde in Washington bleiben, um die angespannte Situation im Irak zu beobachten und die Sicherheit aller US-Bürger im Nahen Osten zu garantieren, erklärte das Außenministerium.

Ausschreitungen
Ein Protestler schleudert einen Stein auf das Botschaftsgebäude.
Foto: Ameer Al Mohmmedaw/dpa

Auslöser der Proteste waren Luftangriffe der USA auf Einrichtungen der schiitischen Miliz Kataib Hisbollah (Hisbollah-Brigaden). Dabei starben 25 Menschen, 50 weitere wurden verletzt. Die vom Iran unterstützte Gruppe wird seit 2009 von den USA als Terrororganisation eingestuft und soll für mehrere Angriffe auf US-Einheiten im Irak verantwortlich sein. Vergangenen Freitag waren bei Raketenangriffen auf eine irakische Militärbasis in Kirkuk ein dort stationierter US-Angestellter getötet und vier US-Soldaten verletzt worden.

Trump auf Twitter

Iranischer Außenamtssprecher Mussawi auf Twitter

AA auf Twitter zur Rolle des Irans

AA auf Twitter zu den Angriffen auf Truppen der Anti-IS-Koalition im Irak

Video OIR-Sprecher Apache Kampfhubschrauber

Trump-Tweet mit Drohung an den Iran, Englisch

Offizielle Webseite zur 82. Luftlandedivision, Englisch

Informationen State Department zu Terrorgruppen

US-Militär auf Twitter

Video von Truppenverlegung in die US-Botschaft

Iraks Außenminister Al-Hakim auf Twitter