Archivierter Artikel vom 19.04.2020, 22:06 Uhr

Besuche in Pflegeeinrichtungen

Frankreichs Regierung stellt Fahrplan für Lockerung vor

Bis zum 11. Mai gelten in Frankreich strikte Ausgangsbeschränkungen. Die Regierung gibt einen Ausblick auf die Schritte nach Ende der Maßnahme und warnt: Eine Rückkehr zum normalen Alltagsleben wird es so schnell nicht geben.

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Olivier Veran
Gesundheitsminister Olivier Veran spricht über eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen.
Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Paris (dpa). In Frankreich sollen im Rahmen der Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen Besuche in Alten- und Pflegeheimen wieder erlaubt werden.

Ab Montag gebe es wieder ein Besuchsrecht, allerdings mit Einschränkungen, teilte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran bei einer Pressekonferenz mit Premierminister Édouard Philippe mit. Es dürften nicht mehr als zwei Angehörige gleichzeitig einen Bewohner in einer Senioren- oder sozialen Pflegeeinrichtung besuchen. Außerdem sei körperlicher Kontakt weiterhin verboten, erklärte Véran. Das Besuchsverbot galt seit Mitte März.

Die Lage hinsichtlich der Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 hatte sich in Frankreich in den vergangenen Wochen vor allem in den Pflegeeinrichtungen zugespitzt. 45 Prozent aller Einrichtungen landesweit hätten mindestens einen positiv auf das Coronavirus getesteten Fall gemeldet, erklärte Véran.

In Frankreich gelten seit Mitte März strenge Ausgangsbeschränkungen. Sie sollen noch bis zum 11. Mai dauern. Ab dann sollen Schulen und Kindergärten schrittweise wieder öffnen, die Hochschulen aber nicht vor dem Sommer. Wie genau die Schulöffnungen erfolgen sollen, ist nach Angaben Philippes noch nicht entschieden. Dass zuerst die Schulen in weniger betroffenen Gebieten öffnen, sei eine Option.

„Unser Leben ab dem 11. Mai wird nicht das Leben von davor sein“, betonte Premierminister Philippe. Die Gesundheitskrise halte weiter an. Die Franzosen könnten „nicht sofort“ zum zuvor gewohnten Alltagsleben zurückkehren. Es sei wahrscheinlich, dass das Tragen einer Schutzmaske in den öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend werden könnte, erklärte Philippe.

In Geschäften soll unter anderem Abstand beim Schlange stehen eingehalten werden. Restaurants, Cafés oder Hotels sollen vorerst noch geschlossen bleiben. Die Unternehmen seien zudem dazu angehalten, die Regelungen für Arbeiten im Homeoffice fortzusetzen.

Mehr als 19.700 Menschen kamen Gesundheitsbehörden zufolge bisher infolge einer Coronavirus-Infektion in Frankreich ums Leben. Ziel sei es, pro Woche rund eine halbe Million Tests durchzuführen an Menschen, die Symptome zeigten oder mit jemandem Kontakt hatten, der positiv auf das Virus getestet worden sei, sagte Gesundheitsminister Véran. Die breitflächige Durchführung von Tests sei ein wichtiger Pfeiler der Lockerung im Mai.

Für Senioren oder chronisch Kranke, die als anfälliger für das Virus gelten, sollte es Staatschef Emmanuel Macron zufolge keine Sonderregeln bei der Lockerung der Beschränkungen geben. Er wolle eine Diskriminierung bestimmter Gruppen vermeiden, erklärte Macron am Freitag. Er appellierte aber an die „individuelle Verantwortung“ der Menschen. Zuvor hatten Spekulationen darüber zugenommen, ob besonders gefährdete Menschen länger zu Hause bleiben müssen.