Archivierter Artikel vom 25.04.2020, 07:32 Uhr

Kriminalität

Folge von Corona? – Regional mehr Geldautomaten geknackt

Die Folgen der Corona-Pandemie treffen Bürger, Politik und Wirtschaft in fast allen Bereichen. Und auch ein eher ungewöhnlicher „Berufszweig“ scheint sich umstellen zu müssen: Die Panzerknacker.

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Gesprengter Geldautomat
Splitter und ein abgerissenes Schild auf dem Fußboden vor einem gesprengten Geldautomaten.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa). In der Corona-Krise scheinen Panzerknacker im Nordwesten Deutschlands mehr Geldautomaten zu plündern als sonst. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bundesländern.

In Nordrhein-Westfalen hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) mehr als verdoppelt. In der Nacht auf Freitag stieg die Zahl auf 72 – 2019 waren zum gleichen Zeitpunkt erst 30 Fälle gezählt worden.

Die Ermittler der LKA-Sonderkommission „Heat“ gehen davon aus, dass viele der Explosionen auf das Konto einer Täterszene gehen, die in den Vororten von Utrecht und Amsterdam in den Niederlanden lebt. Die niederländischen Geldautomaten seien inzwischen so gut gesichert, dass es dort kaum noch derartige Taten gebe. Wegen der in der Corona-Pandemie geschlossenen Grenzen zu Belgien und Frankreich wichen die Täter vermehrt nach NRW aus, so die Vermutung.

Auch in Niedersachsen wird eine neue Serie beobachtet. Seit Jahresbeginn hat es dort 19 Geldautomaten-Sprengungen gegeben. Nur in sechs der Fälle erbeuteten die Täter auch Geld. Im gesamten Jahr 2019 waren es 45 Taten, davon 29 Versuche. Die Mehrzahl der Taten wird auch hier einer Gruppe aus Utrecht und Amsterdam zugerechnet, sagte eine Sprecherin des LKA Niedersachsen. „Der Grenzverkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden ist weiterhin uneingeschränkt möglich und begünstigt die Ein- und Ausreise niederländischer Täter“, sagte sie weiter.

Am stärksten betroffen von Geldautomatensprengungen seien Flächenländer und grenznahe Bundesländer, sagte ein Polizeisprecher im Land Bremen. Dort hat die Polizei mit drei Fällen bereits mehr Geldautomatensprengungen registriert als im ganzen Vorjahr – 2019 war es nur eine. „Viele Banken haben auf diese Tatbegehungsweise reagiert, sie nutzen zum Beispiel technische Zusatzausrüstungen wie Farbmarkierungen für die Geldscheine oder Nebelmaschinen, die es den Tätern schwerer machen“, erklärte der Sprecher.

In Sachsen-Anhalt wurde am 22. April die vierte Sprengung registriert – im vergangenen Jahr war zum gleichen Zeitpunkt nur eine Tat bekannt. Ein längerfristiger Trend ist daraus nach Ansicht des LKA aber nicht zu erkennen. In Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Brandenburg sind 2020 bislang sogar weniger Geldautomaten in die Luft gejagt worden als in den ersten vier Monaten im Jahr 2019.