Archivierter Artikel vom 18.07.2019, 06:28 Uhr
Helsinki

Seehofer bleibt optimistisch

EU-Treffen zur Seenotrettung im Mittelmeer endet ergebnislos

Wieder kein Durchbruch im Streit um die Seenotrettung im Mittelmeer: Deutschland und Frankreich müssen ihre Pläne für eine Übergangsregelung unter dem Druck anderer Staaten nachbessern. Kann es zumindest im September eine Einigung geben?

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Rettung
Flüchtlinge werden nördlich der libyschen Stadt Sabratha aus einem Schlauchboot gerettet. Ihnen droht oft der Rücktransport in das Bürgerkriegsland.
Foto: Emilio Morenatti/AP – dpa

Helsinki (dpa). Deutschland und Frankreich haben bei einem EU-Treffen in Helsinki erfolglos versucht, eine europäische Übergangsregelung zur Verteilung von im Mittelmeer geretteten Migranten auf den Weg zu bringen.

Treffen der EU-Innenminister
Bundesinnenminister Horst Seehofer trifft in Helsinki ein.
Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva – dpa

Die Verhandlungen mit anderen EU-Staaten werden nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer nun in den kommenden Wochen fortgesetzt. In der ersten Septemberwoche soll es dann noch einmal ein Sondertreffen auf Malta geben.

Gerettet
Ein Flüchtling lächelt nach seiner Rettung auf dem Hilfsschiff «Alan Kurdi» der Rettungsorganisation Sea-Eye.
Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye – dpa

Seehofer zeigte sich mit dem Verlauf der Verhandlungen trotz der ausgebliebenen Einigung zufrieden. „Ich denke, wir sind bei den sehr divergierenden Positionen am Ausgang der Diskussion jetzt doch einen wesentlichen Schritt weitergekommen“, sagte er. Er sei „ziemlich zuversichtlich“, dass man Anfang September zu einer Einigung kommen könne. Im Idealfall würde sich dann ein gutes Dutzend Staaten freiwillig an dem Aufnahmemechanismus für aus Seenot gerettete Menschen beteiligen.

Nach dem Angriff
Und nun? Ein Migrant sitzt mit seinen wenigen Habseligkeiten inmitten der Trümmer des zerstörten Internierungslagers.
Foto: Hazem Ahmed/AP – dpa

Die von Deutschland und Frankreich initiierte Regelung soll verhindern, dass Italien und Malta Schiffen mit geretteten Menschen die Einfahrt in ihre Häfen untersagen. Beide Staaten hatten dies in der Vergangenheit mehrfach getan, weil sie befürchteten, mit der Verantwortung für die Migranten von den EU-Partnern alleine gelassen zu werden. Infolgedessen harrten Menschen auf privaten Rettungsschiffen oft tagelang an Bord aus, bis eine Lösung gefunden war.

Seenotrettung
Wohin mit den geretteten Flüchtlingen? Die Verteilung in Europa bleibt ein Streitthema.
Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye – dpa

Für Aufsehen sorgte zuletzt vor allem der Fall der „Sea-Watch 3“. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hatte das Schiff Ende Juni nach tagelangem Warten unerlaubt in einen italienischen Hafen gesteuert, um dort gerettete Migranten an Land bringen zu können. Gegen sie wird nun in Italien ermittelt. Sie wurde am Donnerstag erneut von der Staatsanwaltschaft vernommen.

Maltesische Marine
Gerettete Migranten sitzen auf dem Deck eines Patrouillenboot der maltesischen Streitkräfte.
Foto: Jonathan Borg/XinHua – dpa

Widerstand gegen den deutsch-französischen Vorstoß kam am Donnerstag unter anderem aus Rom. Das dortige Innenministerium lehnt vor allem ab, dass die Migranten nach den derzeitigen Plänen alle in italienischen Häfen anlanden sollen. Man befürchte, dass nur Flüchtlinge (also die mit Chancen auf Asyl) auf andere Länder verteilt würden, und in den Erstankunftsländern die „Illegalen“ bleiben, „die schwer abzuschieben sind“, so das italienische Innenministerium.

Angeschwemmt
Angeschwemmte Rettungswesten und Reste von Schlauchbooten. Immer wieder kommt es im Mittelmeer zu Flüchtlingstragödien.
Foto: Filip Singer – dpa

Der italienische Innenminister Matteo Salvini besteht zudem darauf, mehr dafür zu tun, dass Abfahrten vermieden und Abschiebungen beschleunigt werden. Dabei sollte es auch eine Liste der „sicheren Länder“ geben, in die die Menschen schnell zurückgeschickt werden könnten. „Denn eine Sache sind die Ankünfte aus Kriegsgebieten, eine andere die aus Tunesien oder Albanien“, so das Innenministerium.

Lampedusa
Migranten nach Verlassen der «Sea-Watch 3» im Hafen von Lampedusa.
Foto: Annalisa Camilli/AP – dpa

Seehofer verwies hingegen darauf, dass man sich auf etliche gemeinsame Grundprinzipien habe verständigen können. So sei zum Beispiel klar, dass es keine Maßnahmen geben dürfe, „die faktisch zu einer Grenzöffnung führen“, sagte er. Gerettete ohne Anrecht auf internationalen Schutz müssten zügig in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.

Verlassenes Schlauchboot
Verlassenes Schlauchboot im Mittelmeer.
Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/Symbol – dpa

Der luxemburgische Minister Jean Asselborn hatte sich im Gegensatz zu Seehofer bereits zum Auftakt der Gespräche in Helsinki sehr pessimistisch gezeigt. Seinen Angaben zufolge waren zuletzt nicht einmal zehn Staaten bereit, sich an dem Übergangsmechanismus zu beteiligen. Es brauche eine „kritische Masse“, sagte Asselborn.

«Alan Kurdi»
Das Rettungsschiff «Alan Kurdi» hat weitere 44 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet.
Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye – dpa

„Es geht mir nicht um die Zahl, aber es geht auch nicht, dass immer nur vier, fünf, sechs Länder mithelfen und andere schauen, in eine andere Ecke“, ergänzte er. „Ich frage mich, was die sich vorstellen.“ Seinen Angaben zufolge haben bislang neben Deutschland, Frankreich und Luxemburg lediglich Länder wie Portugal und Finnland Bereitschaft zu einer Unterstützung des Systems signalisiert. Als Blockierer nannte er Länder wie Polen und Ungarn.

An Land
Migranten gehen von Bord eines italienischen Polizeiboots der Guardia di Finanza.
Foto: Francesco Ruta/ANSA – dpa

Maltas Innenminister Michael Farrugia sagte, die Initiative von Deutschland und Frankreich sei ein guter Start, könne aber noch nachgebessert werden. Details nannte er nicht. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen forderten Italien und Griechenland für eine Beteiligung an der Umverteilung, dass auch Menschen umverteilt werden, die über das Mittelmeer in ihre Länder kommen.

Rettungseinsatz im Mittelmeer
Libysche Flüchtlinge versuchen, an Bord eines Schiffs der libyschen Küstenwache zu gelangen.
Foto: Lisa Hoffmann/Sea-Watch.org – dpa

Informationen zum Innenministertreffen