Archivierter Artikel vom 08.06.2020, 22:56 Uhr

Vor der Beisetzung

Emotionale Trauerfeier für George Floyd

Der gewaltsame Tod von George Floyd hat Amerika und die Welt erschüttert. Freunde, Angehörige und andere Gäste erwiesen ihm nun die letzte Ehre. Ein Zeichen der Anteilnahme aus dem Weißen Haus fehlt zunächst.

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Trauerfeier für George Floyd
Familienmitglieder von George Floyd halten während der Trauerfeier am Sarg inne.
Foto: David J. Phillip/AP POOL/dpa

Houston (dpa). Gut zwei Wochen nach seinem Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz haben die Angehörigen und Hunderte Ehrengäste Abschied von dem Afroamerikaner George Floyd genommen.

Joe Biden
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden ist bei der Trauerfeier per Video zugeschaltet.
Foto: David J. Phillip/AP POOL/dpa

Vor der Beisetzung kam die Trauergemeinde in der Kirche „The Fountain of Praise“ in Houston im US-Bundesstaat Texas bei einer berührenden Trauerfeier zusammen. Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden drückte seine Anteilnahme in einer Videobotschaft aus, die in der Kirche gezeigt wurde. Biden rief zur Überwindung von Rassismus auf. Amerika habe keine andere Wahl, als es in Zukunft besser zu machen. „Wir können die Wunden dieser Nation heilen“, sagte Biden.

Pfarrer Al Sharpton
Der Pfarrer Al Sharpton (l) spricht mit Quincy Mason Floyd (M rechts), dem Sohn von George Floyd, vor der Beisetzung.
Foto: Godofredo A. Vásquez/POOL Houston Chronicle/AP/dpa

Bereits am Montag waren Tausende zu Floyds aufgebahrtem Leichnam in die Kirche in Houston geströmt. Floyd war in der texanischen Metropole aufgewachsen. Auch heute nahmen noch Menschen Abschied am goldfarbenen Sarg. Auf der Bühne standen zwei Bilder Floyds, die ihn mit Engelsflügeln und einem Heiligenschein zeigten. Ein Künstler malte während der von Gospel-Musik begleiteten Zeremonie ein weiteres Porträt von ihm.

Beisetzung von George Floyd
Sargträger bringen den Sarg von George Floyd zur Beerdigung.
Foto: Godofredo A. Vásquez/Pool Houston Chronicle/AP/dpa

Floyd war am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt – trotz seiner wiederholten Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Sein Tod löste Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit aus.

Polizist H. Harris
Der Polizeibeamte H. Harris aus Houston trauert vor dem aufgebahrten Sarg von George Floyd.
Foto: David J. Phillip/AP POOL/dpa

Ex-US-Vizepräsident Biden war am Montag persönlich nach Houston gereist, um Familienangehörige von Floyd zu treffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. In seiner Videobotschaft zeigte er sich am Dienstag empathisch, sprach von einem „tiefen Loch“ in den Herzen der Familie und der Freunde – und bekam Applaus der Trauergemeinde.

„Wir wissen, dass ihr nie wieder dasselbe fühlen werdet“, sagte Biden. Zu viele Schwarze in den USA „wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben“, beklagte Biden. „Wenn George Floyd Gerechtigkeit erfährt, werden wir wirklich auf unserem Weg zur Rassengerechtigkeit in Amerika sein.“ Dann würden Giannas Worte wahr, fügte Biden an die Adresse der Tochter hinzu: „Dein Vater wird die Welt verändert haben.“

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zunächst nicht zu der Trauerfeier, stattdessen griff er einen verletzten Demonstranten per Twitter an. Trump hat Floyds Tod mehrfach verurteilt. Ihm wird aber vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land zu zeigen.

Floyds Nichte Brooke Williams sagte beim Gottesdienst: „Keine Hassverbrechen mehr, bitte. Jemand hat gesagt: „Make America Great Again“. Aber wann war Amerika jemals großartig?“ „Amerika wieder großartig machen“ war Trumps zentraler Wahlkampfslogan 2016. Williams bekam für ihre Worte viel Applaus.

Am Trauergottesdienst nahmen auch Floyds Kinder Gianna und Quincy Mason teil. Sein ältester Sohn trug wie andere Trauergäste eine Schutzmaske mit der Aufschrift: „I can't breathe“ („Ich kann nicht atmen“). Diese Worte hatte Floyd kurz bevor er starb gesagt. Sie sind zu einem Motto bei den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geworden.

Der Tod Floyds hat nicht nur Massenproteste in aller Welt ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Polizeireformen in den USA. Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, kündigte bei der Trauerfeier für Floyd ein Verbot von Würgegriffen und andere Maßnahmen gegen Polizeigewalt an. „In dieser Stadt werden wir Deeskalation verlangen. In dieser Stadt wird man eine Warnung geben müssen, bevor man schießt“, sagte Turner. „In dieser Stadt hat man die Pflicht, einzuschreiten.“

Nach der Trauerfeier ist der Leichnam nun auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte. Als der Sarg aus der Kirche gebracht wurde, reckten viele Besucher ihre Faust als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus in die Höhe, wie auf TV-Bildern zu sehen war. Eskortiert von der Polizei wird Floyds Leichnam nun zu einem Friedhof in der Nachbarstadt Pearland gebracht. Die letzte Meile (etwa 1,6 Kilometer) der Prozession soll sein Sarg offiziellen Angaben zufolge in einer Pferdekutsche transportiert werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird Floyd am Dienstag anschließend neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt.