Archivierter Artikel vom 14.07.2011, 16:44 Uhr
London

Druck auf Murdoch wächst – Showdown in London

In dem Skandal um illegale Abhörmethoden britischer Journalisten nimmt der politische Druck auf Medienmogul Rupert Murdoch zu. Der Australier, sein Sohn James und Verlagschefin Rebekah Brooks müssen am nächsten Dienstag vor einem parlamentarischen Ausschuss Rede und Antwort stehen.

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Rupert Murdoch
Rupert Murdoch in London. Der Medienunternehmer ist bereit, vor einem Untersuchungsausschuss auszusagen.
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«Wir sind dabei, dem Komitee zu schreiben, mit der Absicht, dass Herr James Murdoch und Herr Rupert Murdoch der Anhörung nächsten Dienstag beiwohnen werden», hießt es am Donnerstag in einem Statement von Murdochs Konzern News Corp.

Marionetten
Eine grinsende Murdoch-Figur mit zwei Politiker-Marionetten: Protest in London gegen den umstrittenen Medienzaren.
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Die Medien-Regulierungsbehörde Ofcom will nun auch untersuchen, ob Murdoch und sein Management «tauglich» sind, die 39 Prozent an dem Fernsehkonzern BSkyB zu halten, die Murdoch über seinen US-Konzern News Corp. bereits besitzt. Rechtsexperten gehen jedoch davon aus, dass bloße Vorwürfe nicht ausreichen, um Murdoch die Tauglichkeit abzusprechen. Journalisten von Murdochs Zeitung «News of the World» hatten sich von tausenden Prominenten, Verbrechensopfern und Soldatenwitwen illegal Informationen über deren Handy-Mailboxen erschlichen.

David Cameron
Viele Briten fordern von Premierminister David Cameron eine Neuregulierung der Medienlandschaft.
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Das Vorhaben, in einem Milliardendeal auch die restlichen 61 Prozent zu übernehmen, hatte News Corp. am Mittwoch im Sog des Abhörskandals und unter dem Druck fast des gesamten britischen Parlaments fallen lassen.

News Corporation
STürmische Zeiten: Die Flagge der News Corporation in New York.
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Der stellvertretende Premierminister Nick Clegg hatte Rupert Murdoch sowie dessen Umfeld aufgefordert, vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss Fragen zu der Abhöraffäre zu beantworten. Die Verlagsmanagerin Rebekah Brooks, früher Chefredakteurin von «The Sun» und der inzwischen eingestellten Skandalzeitung «News of the World», hatte für die Anhörung am nächsten Dienstag als erste zugesagt. Murdoch-Sohn James, der die Geschäfte des Konzerns News Corp. in Europa führt und dem Aufsichtsrat der Senderkette BSkyB vorsitzt und sein Vater entschlossen sich nach langem Zögern ebenfalls zur Zusage.

Nick Clegg
Der stellvertretende Premierminister Nick Clegg hatte Rupert Murdoch sowie dessen Umfeld aufgefordert, vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss Fragen zur Affäre zu beantworten
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In London nahm die Polizei am Donnerstagmorgen einen 60 Jahre alten Mann im Zuge des Abhörskandals fest. Er werde vernommen, teilte die Polizei mit. Nach Informationen der BBC handelt es sich um den früheren Vize-Chefredakteur von «News of the World», Neil Wallis. Es ist inzwischen die neunte Festnahme in der Affäre. Wallis war Stellvertreter von Andy Coulson, der 2007 als Chefredakteur wegen der Abhöraffäre zurücktreten musste und später Regierungssprecher von Premierminister David Cameron wurde.

Gordon Brown
Der frühere Regierungschef Gordon Brown sprach von einem «industriellen Ausmaß» der kriminellen Übergriffe der Murdoch-Presse.
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Die Rufe nach einer Neuregulierung der Medienlandschaft werden indes lauter. «Es kann der Fall sein, dass wir im Zuge dieses Prozesses zu dem Schluss kommen, dass wir das Gesetz ändern müssen, dass das Eigentum an Medien und die Aspekte um das Thema Medienmacht regelt», sagte Premierminister David Cameron. Sein Vize Clegg betonte, das Land brauche eine unabhängige Medienkontrolle. Der Labour-Politiker und frühere Regierungschef Gordon Brown hatte von einem «industriellen Ausmaß» der kriminellen Übergriffe der Murdoch-Presse gesprochen.

Protest gegen Murdoch
Vor dem Haus, in dem Rupert Murdoch in London lebt, protestieren aufgebrachte Bürger.
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Unterdessen gerät Murdoch auch im Ausland unter Druck. Die US-Senatoren Frank Lautenberg und Jay Rockefeller wollen prüfen lassen, ob die Abhörpraktiken auch einen Verstoß gegen US-Gesetze dargestellt haben. Rockefeller sprach den Verdacht aus, es könnten auch US-Bürger in Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 ausspioniert worden sein, berichtete die BBC. Murdoch gehören in den USA unter anderem der Fernsehsender Fox News und die Zeitung «Wall Street Journal». Der australische Murdoch-Arm News Limited hat eine firmeneigene Untersuchung eingeleitet.