Archivierter Artikel vom 20.04.2016, 10:48 Uhr
London

Die ewige Monarchin: Queen Elizabeth II. wird 90

Am 21. April wird die Queen 90 Jahre – sie ist die älteste Königin der Welt, nie zuvor hat ein britischer Monarch ein solches Alter erreicht. Und eines steht fest: Für 90 ist die alte Dame noch verdammt gut in Form. Jetzt soll gefeiert werden – königlich!

Gemeinhin gehen 90-Jährige ihre Feiern eher etwas ruhiger an – nicht so die Queen. Sie feiert gleich dreimal. Im April in eher privater Runde, im Mai mit großem Spektakel auf Schloss Windsor und im Juni in der britischen Hauptstadt mit Parade auf der Prachtstraße «The Mall».

Für Entzückung sorgte ein Foto, das als Vorlage für eine neue Briefmarkenserie zum 90. Geburtstag dient. Es zeigt die Queen mit ihrem Sohn Charles, Enkel William und Urenkel George. Der kleine Prinz grinst so spitzbübisch auf dem Foto, dass einige Medien titelten «Prinz George stiehlt Queen die Show». Foto: dpa
Für Entzückung sorgte ein Foto, das als Vorlage für eine neue Briefmarkenserie zum 90. Geburtstag dient. Es zeigt die Queen mit ihrem Sohn Charles, Enkel William und Urenkel George. Der kleine Prinz grinst so spitzbübisch auf dem Foto, dass einige Medien titelten «Prinz George stiehlt Queen die Show».
Foto: dpa

Am eigentlichen Geburtstag, dem 21. April, geht es eher gemächlich zu: auf dem Programm steht ein Spaziergang. Schon am Tag darauf macht der Queen kein Geringerer als US-Präsident Barack Obama seine Aufwartung in Schloss Windsor. Worüber die beiden wohl reden – über Donald Trump, das enfant terrible der US-Politik, über das Brexit-Referendum in Großbritannien? Der Haken ist: Die Queen gibt keine Interviews, niemals. Daher wissen die Untertanen nicht, was ihre Königin wirklich denkt.

Von mehr als 30 Hunden der Rasse Corgi war die Queen bislang Frauchen. Sie gilt als äußerst tierlieb. Foto: Annie Leibovitz
Von mehr als 30 Hunden der Rasse Corgi war die Queen bislang Frauchen. Sie gilt als äußerst tierlieb.
Foto: Annie Leibovitz

Apropos Brexit: Bei dem Thema ist die Queen jüngst übel in die Schlagzeilen gerutscht. Das Massenblatt «The Sun» wollte erfahren haben, dass die Monarchin den Austritt aus der EU favorisiert. Die Königin, peinlich um politische Neutralität bemüht, was not amused.

Und was tat der Palast? Er beschwerte sich beim Presserat! Kaum ein Ereignis demonstriert deutlicher, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Früher warfen Könige und Königinnen derart Aufmüpfige in den Kerker – heute zieht der Buckingham Palast vor den Presserat. Freundlich und nett ist die Queen, aber ohne Macht. Ist das der Grund, dass die Briten sie lieben?

Die Queen mit ihren beiden jüngsten Enkelkindern und ihren fünf Ur-Enkeln. Foto: Annie Leibovitz
Die Queen mit ihren beiden jüngsten Enkelkindern und ihren fünf Ur-Enkeln.
Foto: Annie Leibovitz

Da ist zum Beispiel Mike O' Neill, ein Rentner in London, der sein Einkommen mit Putzen aufbessern muss. «Tief in meinem Herzen bin ich Monarchist», bekennt der Mann stolz. Geht es um die Queen, kommt er regelrecht ins Schwärmen. «Sie ist schon so lange dabei... Sie hält Alles zusammen.» Politikern gibt Mike keine guten Noten, der Königin schon. Laut Umfragen denken die meisten Briten ganz ähnlich. Man hat sich an die nette alte Dame gewöhnt, keiner will sie missen.

Dann sind da auch noch diese wunderbar unzeitgemäßen Traditionen, diese überkommenen Usancen und Marotten der Royals, die die Briten so lieben. Ein schier unerschöpflicher Fundus ist die königliche Webseite «The British Monarchy» – hochprofessionell gemacht.

Berühren verboten

Etwa zum Thema «Begrüßung der Queen». Zwar heißt es, eigentlich gebe es keine feste Regeln. «Doch viele Leute wollen die traditionelle Form der Begrüßung einhalten. Für Männer heißt das der Diener (nur der Kopf), die Frauen machen einen Knicks.» Die korrekte Anrede sei «Your Majesty», danach möge man bitteschön «Ma'am» sagen. Als etwa Michelle Obama vor ein paar Jahren das Tabu brach und die Queen leicht umarmte, löste das eine längere Debatte aus. Bisher galt immer: Berühren verboten!

Am Ende eines Empfangs im Buckingham Palast legte Michelle Obama im April 2009 ihren linken Arm um die Schulter von Königin Elizabeth II. Dass die Ehefrau von US-Präsident Barack Obama damit die Vorschriften gebrochen hat, störte die 82-jährige Monarchin aber offensichtlich weniger: Sie nahm die freundschaftliche Geste gelassen hin und legte ihren Arm um die First Lady. Foto: dpa
Am Ende eines Empfangs im Buckingham Palast legte Michelle Obama im April 2009 ihren linken Arm um die Schulter von Königin Elizabeth II. Dass die Ehefrau von US-Präsident Barack Obama damit die Vorschriften gebrochen hat, störte die 82-jährige Monarchin aber offensichtlich weniger: Sie nahm die freundschaftliche Geste gelassen hin und legte ihren Arm um die First Lady.
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Man kann der Queen auch einen Brief schreiben. Adresse: Buckingham Palace. Als Unterschrift hätte der Palast gern die Formulierung: «I have the honour to be, Madam, Your Majesty's humble and obedient servant.» Auf deutsch: «Ich habe die Ehre, Madam, Ihrer Majestät demütiger und ergebener Diener zu sein.»

Die königliche Garde marschiert in den Buckingham Palast in London. Foto: Marcus Brandt/dpa
Die königliche Garde marschiert in den Buckingham Palast in London.
Foto: Marcus Brandt/dpa

Noch skurriler ist, was die Webseite etwa zum Thema «Interessen der Queen» zu bieten hat. Da liest man: «Ein Tierliebhaber von Geburt an.» Ein tiefes und bemerkenswertes Interesse habe sie an Pferden und Hunden, aber sie wandere auch gerne und interessiere sich für traditionelle schottische Tänze. Ist das alles, für das sich die britische Königin interessiert?

Was hat die Queen nicht schon erlebt, was hat sie nicht schon durchgemacht! Als Kind musste sie wegen der deutschen Bombardierungen London verlassen, die meiste Zeit lebte sie in Windsor. Dafür tanzte sie inkognito auf den Straßen, als die Deutschen im Mai 1945 kapitulierten.

Seit 68 Jahren verheiratet

Sie war ein blutjunges Mädchen, als sie «ihren Prinzen» kennenlernte – und ins Schwärmen geriet. Seit sage und schreibe 68 Jahren ist sie mit Prinz Philip verheiratet, einem Spross aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Königin Elizabeth II. von Großbritannien (von links) mit der St. Edward's-Krone auf dem Haupt und den Kindern Prinz Charles, Prinzessin Anne und ihr Gatte Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, auf dem Balkon des Buckingham Palastes kurz nach der Krönungszeremonie am 2. Juni 1953 in London. Foto: EPU/dpa
Königin Elizabeth II. von Großbritannien (von links) mit der St. Edward's-Krone auf dem Haupt und den Kindern Prinz Charles, Prinzessin Anne und ihr Gatte Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, auf dem Balkon des Buckingham Palastes kurz nach der Krönungszeremonie am 2. Juni 1953 in London.
Foto: EPU/dpa

Sie sagt, er sei ihr immer eine Stütze. Er beklagte sich mitunter über seine Rolle als «Mann an ihrer Seite». Wenn im Juni in London die ganz große Queen-Feier steigt, wird Philip 95 (10. Juni).

Prinz Philip amüsiert das Volk nicht nur regelmäßig mit Ausrutschern und beißender Ironie. Er ist auch die wichtigste Stütze der Queen. Im Hintergrund lenkt er die Geschicke am Hof. Foto: dpa
Prinz Philip amüsiert das Volk nicht nur regelmäßig mit Ausrutschern und beißender Ironie. Er ist auch die wichtigste Stütze der Queen. Im Hintergrund lenkt er die Geschicke am Hof.
Foto: dpa

Elizabeth war 23, als ihr Vater starb. Als sie 1953 gekrönt wurde, kauften sich auch viele Deutsche eigens einen Fernseher, um mit dabei zu sein.

Am 2. Juni 1953 nahm alles in der Westminster Abbey in London seinen Anfang. Dort wurde Prinzessin Elizabeth zur Königin Elizabeth II. von Großbritannien gekrönt.
Am 2. Juni 1953 nahm alles in der Westminster Abbey in London seinen Anfang. Dort wurde Prinzessin Elizabeth zur Königin Elizabeth II. von Großbritannien gekrönt.
Foto: dpa

Ein Dutzend Premierminister hat sie erlebt, von Winston Churchill bis David Cameron. Alle haben allwöchentlich bei ihr auf dem Sofa gesessen und von ihren Amtsgeschäften geplaudert. Es heißt, am schlechtesten habe sie sich mit Margaret Thatcher vertragen.

Doch trotz aller Sympathie und Liebe der Untertanen – macht die Queen auch nur den kleinsten Fehltritt, sind die Briten unerbittlich mit ihrer Kritik. Zum Beispiel: Zum Abschluss und Höhepunkt der Geburtstagsfeiern lädt die Queen Anfang Juni zum Mittagessen auf der Prachtstraße The Mall ein. 10.000 Gäste werden erwartet, an langen Tisch werden sie sitzen, «hamper style», nennt das der Palast, Essen aus dem Picknickkorb, serviert vom Warenhaus Marks&Spencer.

Doch als herauskam, dass die Gäste 150 Pfund für das eher frugale Lunch zahlen müssen, hagelte es Kritik. «Der 90. Geburtstag der Queen droht zum royalen PR-Desaster zu werden», ätzte etwa die Zeitung «The Independent».

Was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht, so hat die Queen dazugelernt. Im Spätsommer 1997 kam ihre geschiedene Schwiegertochter Diana bei einem Autounfall in Paris ums Leben.

Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

dpa

Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

dpa

Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Ewig jung, ewig schön, aufopfernd und voller guter Eigenschaften – nach ihrem frühen Tod ist Prinzessin Diana zur unangreifbaren Ikone geworden.

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Zu wenig Trauer und Gefühl soll sie damals an den Tag gelegt haben, die Untertanen reagierten mit Unverständnis und Kopfschütteln, die Medien mit beißender Kritik, kurzzeitig schien die Monarchie ins Wanken zu geraten.

Seitdem gibt sich die Queen, so Insider, weicher, zugänglicher, wendet sich bei öffentlichen Auftritten dem Volk zu, winkt mehr als früher, lächelt mehr als früher.

Die Queen wird 90, «obwohl sie nicht daran erinnert werden will», wie aus dem Palast verlautet. Sie habe mitunter Rückenschmerzen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Doch Langlebigkeit liegt ihr vermutlich in den Genen – ihre Mutter wurde 101.

Queen besuchte 1965 auch Koblenz

Ob sie noch einmal nach Deutschland kommen wird, ist ungewiss. Erst im Sommer 2015 tourte sie durch die Bundesrepublik, Höhepunkte waren eine Fahrt auf der Spree und ein bewegender Besuch im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

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Bei ihrem ersten Deutschlandbesuch im Jahr 1965 machte Elizabeth II. auch einen Abstecher nach Koblenz.

„Koblenz rollt den roten Teppich aus“, lautete die Überschrift im Koblenzer Lokalteil der Rhein-Zeitung am 13. Mai 1965 – schon eine Woche vor dem großen Queen-Besuch war die Stadt in heller Aufregung, wie unser Blick ins Zeitungsarchiv zeigt.

Die britische Königin Elizabeth II. traf während ihrer Deutschlandreise am 20. Mai 1965 in Koblenz ein, wo sie von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Foto: Gauls

Ministerpräsident Peter Altmeier (von rechts) begrüßt die britische Königin Elizabeth II. im Beisein seiner Frau Gretel am 20. Mai 1965 in Koblenz. Links im Bild zu sehen ist Prinzgemahl Philip.

Königin Elizabeth II. traf am 20. Mai 1965 in Koblenz ein, wo sie am Rheinufer von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Von hier startete sie zu einer Schifffahrt auf dem Rhein. An ihrer Seite: Ministerpräsident Peter Altmeier. Foto: Leserzusendung Gunnar Römer

Königin Elizabeth II. in Koblenz. Foto: Leserzusendung Gunnar Römer

Königin Elizabeth II. von Großbritannien zu Besuch in Rheinland-Pfalz. Ankunft des Staatsgastes am Koblenzer Rheinufer. Foto: Leserzusendung Jürgen Schmidt

Die Staatskarosse rollt durch Koblenz. Foto: Leserzusendung Jürgen Schmidt

Menschenmassen säumen die Straßen in Koblenz. Foto: Leserzusendung Jürgen Schmidt

Königin Elizabeth II. von Großbritannien zu Besuch in Rheinland-Pfalz. Menschen winken in Koblenz dem Königspaar, das sich an Bord des KD-Schiffes “Loreley„ gegeben hat. Foto: Leserzusendung Jürgen Schmidt

Vor, während und nach dem Besuch aus England berichtet die Rhein-Zeitung im Jahr 1965 in Wort und Bild von dem Ereignis. Quelle: Rhein-Zeitung

“Eine Königin kommt nach Deutschland„, titelt die Rhein-Zeitung am 15. Mai 1965. Quelle: Rhein-Zeitung

Das Fahrgastschiff “Loreley„ wartet in Koblenz auf Königin Elizabeth II. und Prinz Philip, berichtet die Rhein-Zeitung am 18. Mai 1965. Quelle: Rhein-Zeitung

Die Titelseite der Rhein-Zeitung vom 19. Mai 1965. Quelle: Rhein-Zeitung

15.000 handliche Union Jacks aus Papier wurden anno dazumal an die Schuljugend zwischen Höhr-Grenzhausen, Koblenz und Kaub verteilt. Quelle: Rhein-Zeitung

“Jubel, Glanz und Gloria um die Königin„. Quelle: Rhein-Zeitung

Weitere Berichte aus dem Jahr 1965. Quelle: Rhein-Zeitung

“Rheinland-Pfalz umjubelt die Königin„... Quelle: Rhein-Zeitung

Der Queen-Besuch bewegte die Massen. Quelle: Rhein-Zeitung

“Das englische Herrscherpaar und die Koblenzer". Quelle: Rhein-Zeitung

Höhepunkt und Abschluss der königlichen Rheinreise war Kaub. Quelle: Rhein-Zeitung

Eine Woche vor der Stippvisite Ihrer Majestät wurde in Koblenz diskutiert, ob die Schulkinder der Stadt tatsächlich unterrichtsfrei bekommen sollten, um mit Union-Jack-Fähnchen für einen pittoresken Bildhintergrund zu sorgen – und tatsächlich kam es so, dass die kleinen Schängel dabei sein durften, als Elizabeth, damals übrigens 39 Jahre alt, gemeinsam mit ihrem Ehemann Prinz Philip per Wagenkolonne in Koblenz am Rheinufer eintraf und dort samt prominent besetzter Entourage das Fahrgastschiff „Loreley“ bestieg, um gen Kaub zu schippern...

Peter Meinert, Tim Kosmetschke