Archivierter Artikel vom 10.06.2020, 05:28 Uhr

Energie und Klimaschutz

Deutschland soll Wasserstoff-Land werden

Ökostrom und Energiesparen reichen nicht, um den Treibhausgas-Ausstoß Richtung null zu drücken. Industrie, Flugzeuge oder Schiffe werden Wasserstoff brauchen, um von Kohle, Öl und Erdgas wegzukommen. Deutschland will sich auf dem neuen Markt einen Spitzenplatz sichern.

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Svenja Schulze
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wirbt für Wasserstoff.
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Berlin (dpa). Deutschland soll nach dem Willen der großen Koalition bei der Nutzung neuartiger klimafreundlicher Wasserstoff-Energie weltweit zum Vorbild werden.

Dazu verabschiedete das Bundeskabinett in Berlin eine Strategie, die Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht.

Neben den laufenden Förderprogrammen soll mit sieben Milliarden Euro erreicht werden, dass sich Wasserstoff am Markt durchsetzt, weitere zwei Milliarden sind für internationale Partnerschaften eingeplant.

Im Zentrum steht dabei sogenannter grüner Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen wird. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Die Strategie kommt mit einem guten halben Jahr Verspätung, da wichtige Fragen lange zwischen den Ministerien umstritten waren.

„Wir wollen bei den neuen Wasserstoff-Technologien hin zu grünem Wasserstoff weltweit führend sein, als Ausrüster für die Welt, aber auch als Produzenten“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könnten nur erreicht werden, wenn auch andere Länder die Potenziale erkennen würden.

Bis 2030 sollen in einem ersten Schritt Erzeugungsanlagen für Wasserstoff von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung in Deutschland entstehen. Ein Nationaler Wasserstoffrat soll die Politik in Zukunft beraten, zudem soll es einen Innovationsbeauftragten beim Bund geben.

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, um weltweit an die Spitze zu kommen, brauche es noch „jede Menge Forschung und Entwicklung“. Vieles könne man in kleinem Maßstab, jetzt gelte es, die Technologien im großen Maßstab in die Praxisanwendung zu bringen.

Für die Wasserstoff-Produktion braucht es aber sehr viel Energie. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte, wer Ja zu Wasserstoff sage, müsse auch Ja zum Ausbau der Windkraft sagen, weil es zusätzlich Ökostrom brauche.

Die Bundesregierung geht allerdings davon aus, dass ein großer Teil der benötigten Wasserstoff-Menge auf absehbare Zeit importiert werden wird. Entwicklungsminister Gerd Müller unterzeichnete am Mittwoch eine Vereinbarung mit der marokkanischen Regierung zum Aufbau einer ersten industriellen Produktionsanlage für Wasserstoff in dem nordafrikanischen Land.

Aus der Energiewirtschaft und der Industrie kam viel Lob für die Strategie. Umweltschützer begrüßten besonders, dass grüner Wasserstoff im Zentrum stehe – sehen aber den geplanten Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes kritisch, da batterieelektrische Pkw den Strom effizienter nutzen.

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