Archivierter Artikel vom 28.11.2011, 07:00 Uhr
Gorleben

Castor-Transport am Ziel in Gorleben

Der Castor ist im Ziel: Nach mehr als 126 Stunden hat der Atommüll-Transport das Zwischenlager Gorleben erreicht. Bis zuletzt hatten Atomkraftgegner versucht, den Konvoi aufzuhalten. Der Polizeieinsatz war massiv.

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Castor-Transport
Der Konvoi mit Castorbehältern fährt in Dannenberg vom Verladekran aus in das Zwischenlager in Gorleben.
Foto: Jochen Lübke – DPA

Die elf Atommüll-Behälter waren am Mittwoch nahe der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet. Die letzte 20 Kilometer lange Etappe war von einem riesigen Polizeiaufgebot gesichert. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf das Führerhaus des ersten Castor-Lkw zu klettern. Daraufhin hatte der Tross unplanmäßig rund eine Stunde stoppen müssen.

Castor-Transport
Polizisten räumen eine Straßenblockade von Atomkraftgegnern auf der Castor-Transportstrecke in Gorleben.
Foto: Christian Charisius – DPA

Rund 1000 Menschen blockierten bei Kälte und über Nacht die Zufahrt zu der Lagerhalle in Gorleben. Nach Angaben der Anti-Atom-Initiativen harrten sie dort länger als 25 Stunden aus. Die Polizeikräfte räumten die Straße und mussten viele der Demonstranten wegtragen.

Castor-Transport
Polizisten lösen eine Sitzblockade auf der Castor-Transportstrecke vor dem Ortseingang Gorleben auf.
Foto: Kay Nietfeld – DPA

Außerdem gelang es Atomkraftgegnern von Greenpeace am Montagvormittag, die Polizei mit einem Trick zu überraschen. Sie versperrten mit einem Kleintransporter eine Castor-Transportstrecke und verankerten sich mit Betonklötzen am Asphalt.

Castor-Transport
Ökologisch korrekte Barrikade vor dem Ortseingang von Gorleben.
Foto: Kay Nietfeld – DPA

Die Demonstranten wollten den Atommüll-Konvoi stoppen, weil sie das oberirdische Zwischenlager mit dem strahlenden Abfall für zu unsicher halten. Außerdem forderten sie die Bundesregierung auf, den Salzstock in Gorleben als möglichen Endlager-Standort aufzugeben.

Kontrolle
Polizisten kontrollieren in der Nähe des Verladebahnhofs Dannenberg Fahrzeuge.
Foto: Kay Nietfeld – DPA

«Die Polizei hat versucht, mit Gewalt unseren Willen zu brechen, sich dem Castor gewaltfrei in den Weg zu setzen», sagte Luise Neumann-Cosel von der Anti-Atom-Organisation X-tausendmal quer.

Castor-Transport
Gitarre gegen Atommüll: Ein Atomkraftgegner bringt einer Wasserwerfer-Besatzung ein Ständchen.
Foto: Marc Müller – DPA

Die Initiativen beklagten, die Polizei sei überzogen gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese hatten Beamte laut einem Polizeisprecher mit Feuerwerkskörpern beworfen und Strohballen angezündet.

Sitzblockade
Sitzen und warten: Atomkraftgegner in der Nacht auf Sonntag in einem Waldstück bei Hitzacker im Gleisbett.
Foto: Marc Müller – DPA

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beklagte dagegen zunehmende und aggressivere Angriffe gegen Beamte. «Der Vorwurf, dass Gewalt von der Polizei ausgegangen ist, ist sehr einseitig», sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. Die gegen Polizisten eingesetzten Waffen würden immer brutaler. Beim Castor seien etwa aus den Reihen der Demonstranten nagelgespickte Golfbälle geworfen worden, sagte Witthaut.

Castor-Transport
Polizeibeamte versuchen mit Brechstangen bei Klein Gusborn (Kreis Lüchow-Dannenberg) einen Kleintransporter aufzubrechen, in dem sich Greenpeace-Aktivisten mit der Straße verankert haben.
Foto: Julian – DPA

Obwohl die schwarz-gelbe Bundesregierung in diesem Jahr den Atomausstieg bis 2022 beschlossen hat, hat der Widerstand der Atomkraftgegner nicht nachgelassen. Auch der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigten Suche nach einem alternativen Zwischenlager, schenken sie kein Glauben. Sie fordern eine neue Endlagersuche unter Ausschluss von Gorleben.

Castor-Transport
Der Zug mit den Castorbehältern fährt am Morgen in Dannenberg vor dem Verladekran ein.
Foto: Jochen Lübke – DPA

Der Castor-Transport war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Es könnte aber noch weitere aus dem englischen Sellafield folgen. Im Zwischenlager stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich wieder zurückzunehmen.

Schweres Gerät
Mit schwerem technischen Gerät musste die Polizei ausrücken, um angebrachtes Hindernis an einer Schiene auf der Bahnstrecke, auf der der Castor mit Atommüll nach Gorleben rollen soll, zu befreien. Fot
Foto: DPA

Bundesumweltministerium zu Gorleben

Polizeiauflauf
Polizeibeamte im Gleisbett der Castor-Transportstrecke in Harlingen: «Wir haben schließlich schon ein bisschen Routine mit den Demonstrationen beim Castor.»
Foto: Kay Nietfeld – DPA

Bundesumweltministerium zur Endlagerung

Festnahme
Polizisten nehmen einen Atomkraftgegner in Gewahrsam: «Wir lassen uns von den Aktionen nicht aus der Ruhe bringen.»
Foto: Kay Nietfeld – DPA

Landesumweltministerium zu Atomaufsicht

Castor-Transport
Die Castoren mit atomaren Müll werden in Dannenberg (Kreis Lüchow-Dannenberg) von einem Verladekran vom Zug auf Tieflader umgeladen.
Foto: Jochen Lübke – DPA

Bundesamt für Strahlenschutz

Castor-Transport
Polizeibeamte brechen bei Klein Gusborn (Kreis Lüchow-Dannenberg) einen Kleintransporter auf, in dem sich Greenpeace-Aktivisten mit der Straße verankert haben.
Foto: Julian Stratenschulte – DPA

Dokument der GNS zum Castor-Behälter

Bündnis gegen den Castor 2011

Informationen zu Gorleben

Informationen zur Endlagerung

Übersicht zu Zwischenlagern