Archivierter Artikel vom 13.10.2010, 01:20 Uhr

Reiselustiges Walweibchen stellt Streckenrekord auf

London (dpa) ­ Ein Buckelwal-Weibchen hält den Rekord der längsten je von einem Säugetier zurückgelegten Entfernung: Es schwamm auf seiner Reise von einem Nahrungsgrund zum anderen mindestens 9800 Kilometer ­ und damit mehr als doppelt so viel wie für Buckelwale üblich.

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Buckelwal
Ein Buckelwal-Weibchen hat den Rekord der längsten je von einem Säugetier zurückgelegten Wanderstrecke gebrochen.

Dies berichtet ein internationales Forscherteam in den «Biology Letters» der britischen Royal Society.

Zwischen den beiden Nahrungsgründen liegt eine Strecke, die fast einem Viertel des Erdumfangs entspricht, schreiben die Wissenschaftler um Peter Stevick vom College of the Atlantic in Bar Harbor (US-Staat Maine). Außerdem fast 90 Längengrade, ein Ozeanbecken und ein Kontinent.

1999 identifizierten Forscher das Buckelwal-Weibchen (Megaptera novaeangliae) erstmals vor der Küste Brasiliens, zwei Jahre später wurde es von einem Walbeobachtungsschiff aus vor Madagaskar gesichtet. Dazwischen liegen fast 10 000 Kilometer. Fotos der Schwanzflosse belegten, dass es sich bei dem Wal um ein und dasselbe Tier handelt. Die Fluke der Buckelwale unterscheidet sich in Form und Färbung, so dass sie zur Identifizierung einzelner Tiere herangezogen werden kann.

Durch die Entnahme einer kleinen Hautprobe und eine anschließende genetische Untersuchung wissen die Forscher zudem, dass der reiselustige Wal weiblich ist. Dies sei eine weitere Überraschung, denn normalerweise schwimmen männliche Tiere längere Strecken als weibliche, schreiben die Wissenschaftler.

Buckelwale wandern regelmäßig zwischen ihren Nahrungsgründen und den Fortpflanzungsgebieten hin und her. Üblicherweise legen sie dabei Strecken von etwa 5000 Kilometern zurück. Die Distanz zwischen den Sichtungsstellen vor Brasilien und Madagaskar beträgt hingegen mindestens 9800 Kilometer. Eine eindeutige Erklärung für die Wanderlust des Walweibchens haben die Forscher nicht. Möglicherweise war es gezielt dabei, neue Lebensräume zu erkunden, vielleicht habe es sich aber auch einfach verirrt. Die Entdeckung zeige, wie flexibel die Wanderungen auch innerhalb einer Art sein können, die ihrem Brutort typischerweise treu ist.