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Nürnberg

Hautpilz bedroht Feuersalamander

Als Comicfigur «Lurchi» ist der Feuersalamander vielen bekannt. Seine Abenteuer haben immer ein glückliches Ende. Beim echten Feuersalamander sieht es dagegen weniger gut aus.

Von dpa
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Feuersalamander
ARCHIV – Ein Feuersalamander im Tiergarten Nürnberg. Die Art ist bedroht, unter anderem durch eine Pilzerkrankung.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg (dpa) – Gemächlich kriecht der Feuersalamander durch das Moos. Unter den Lurchen gehört er definitiv nicht zu den schnellsten und fällt mit seinem schwarz-gelben Muster auch sofort ins Auge. Doch hier hat er nichts zu befürchten: Der Salamander lebt in einem Gehege im Nürnberger Tiergarten. Vor einiger Zeit schwebte er trotzdem noch in großer Gefahr. Er war mit dem Hautpilz Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans) infiziert, auch bekannt als Salamanderfresserpilz oder Salamanderpest – und in der Regel endet das tödlich.

Der Feuersalamander und vier seiner Artgenossen hatten aber Glück. Naturschützerinnen und Naturschützer fanden diese im Steigerwald im Norden Bayerns und brachten diese in den Nürnberger Tierpark. Dort konnte Tierarzt Hermann Will diese heilen. Zwei Wochen verbrachten die befallenen Amphibien in einem Wärmeschrank – bei einer Temperatur von 25 Grad, die den Pilz absterben lässt und die die Feuersalamander gerade noch aushalten, wie Will erklärt. «Die haben die Behandlung gut überstanden.»

Seither leben die Feuersalamander in einem kleinen Freilandterrarium im Nürnberger Tiergarten und werden dort wohl auch bleiben. Diese wieder im Steigerwald aussetzen, sei nicht möglich, sagt Will. Die genesen Tiere seien nicht immun gegen eine neue Ansteckung. Deshalb möchte der Tiergarten diese nutzen, um eine Erhaltungszucht für den Feuersalamander aufzubauen. Denn in Bayern gilt dieser als gefährdet, deutschlandweit steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste der bedrohten Arten.

Kinder kennen den Feuersalamander (Salamandra salamandra) als Comicfigur «Lurchi», die für eine Schuhmarke wirbt. Mit seinem auffälligen Muster – gelbe Flecken auf lackschwarzem Grund – ist er nicht nur besonders hübsch anzusehen, sondern auch mit einer Länge von bis 20 Zentimetern der größte Schwanzlurch in Deutschland. Das macht ihn nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zur wohl bekanntesten Amphibienart hierzulande.

Mehrere Gefahren

Doch in der Natur haben ihn die meisten Menschen wahrscheinlich noch nie zu Gesicht bekommen. Der Feuersalamander ist überwiegend nachtaktiv und fühlt sich am wohlsten in naturnahen Laubmischwäldern der Mittelgebirge mit kleinen Quellbächen und Tümpeln, in die er seine Larven setzen kann. Dieser Lebensraum aber schwindet.

Auch der Klimawandel bereitet den Feuersalamandern Probleme. «Ihnen macht die Trockenheit zu schaffen», erläutert Malvina Hoppe vom Naturschutzverband LBV. «Wenn kleine Bäche und Tümpel austrocknen, bevor die Larven entwickelt sind, wird es kritisch.» Dazu kommt der tödliche Hautpilz Bsal. Im Ruhrgebiet habe dieser zu einem Massensterben geführt, sagt der Biogeografie-Professor Stefan Lötters von der Universität Trier. Er forscht schon lange zur Salamanderpest, sieht aber noch viele offene Fragen.

Der aus Asien stammende Hautpilz sei wahrscheinlich mit dem Tierhandel nach Europa gekommen, sagt Lötters. 2010 sei er erstmals in den Niederlanden nachgewiesen worden, später dann in Deutschland, Belgien und Spanien. In Deutschland trete der Pilz im Ruhrgebiet, in der Eifel, im Steigerwald und im Allgäu auf. Im Allgäu, wo es keine Feuersalamander gebe, befalle dieser Molche, die daran aber nicht sterben.

Noch viel Forschungsbedarf

Rätselhaft ist aus Lötters Sicht bislang, wieso es im Steigerwald bisher nicht zu einem Massensterben gekommen sei wie im Ruhrgebiet. «Meine Vermutung ist, dass dort eine andere Pilz-Variante vorkommt, die nicht so aggressiv ist. Dazu haben wir aber keine Daten.» Außerdem sei noch unklar, wie lange Bsal in den betroffenen Regionen tatsächlich vorkomme. «Wir haben Hinweise, dass er bei Aachen schon 2004 aufgetaucht ist. Aber heute findet man ihn da nicht mehr.» Lötters folgert daraus: «Irgendwie scheint der Pilz auch wieder verschwinden zu können.» Doch wie, das sei noch unbekannt.

Die Gefahr, dass der Feuersalamander in Deutschland ausstirbt, besteht nach Ansicht von Lötters so schnell nicht. «Wir glauben aber, eine Ausbreitung von Bsal zu sehen.» Deshalb hält er es für sinnvoll, mit Populationen in Gefangenschaft zur Arterhaltung beizutragen. «Bis man mehr über den Pilz weiß, wie man ihn bekämpfen kann oder dieser ausstirbt», sagt Lötters.

Mehrere Stationen für Zucht

Im Nürnberger Tiergarten ist aktuell nur Platz für wenige Feuersalamander. Ein großes Außengehege ist aber in Planung. Der Zoo in Wuppertal hat bereits im Frühjahr nach eigenen Angaben ein Pilotprojekt mit der Universität und der Unteren Naturschutzbehörde gestartet, für das Feuersalamander und deren Larven aus der Natur entnommen, auf Bsal getestet werden und nach einer Quarantänezeit in die Zuchtstation kommen.

Auch andere Zoos und Privathalter in Deutschland beteiligen sich an einem Erhaltungszuchtprogramm, das die Organisation Citizen Conservation koordiniert. Gegründet wurde diese von der DGHT, dem Verband der Zoologischen Gärten und der Initiative Frogs & Friends. Mehr als 150 Feuersalamander in 16 Haltungen seien aktuell dabei, sagt Projektleiter Johannes Penner. Es sei wichtig proaktiv zu handeln, findet er. Denn die tatsächliche Bedrohung durch Bsal sei nicht bekannt. Die letzte Einstufung des Feuersalamanders auf der Roten Liste stamme von 2020, der Hautpilz sei dabei aber nicht berücksichtigt worden.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch: «Der Pilz selbst breitet sich sehr langsam aus», sagt Lötters. «Es muss also Vektoren geben.» Zum Beispiel Waldtiere oder Menschen, die die Sporen von einem Ort zum anderen tragen. Zumindest bei letzteren kann man ansetzen, um das zu verhindern: So ruft der bayerische Naturschutzverband LBV alle Menschen dazu auf, in Bsal-Hotspots immer auf den Wegen zu bleiben sowie Schuhe, Auto- und Fahrradreifen zu desinfizieren, um die Sporen nicht zu verbreiten.

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