Archivierter Artikel vom 25.08.2010, 10:32 Uhr
München

Wirtschaft im «Sommerhoch» – ifo-Index steigt

Die rasante Konjunkturerholung sorgt weiter für Feierlaune in der deutschen Wirtschaft: Im August legte der ifo-Index nach einem Sprung im Vormonat überraschend noch eine Schippe drauf und kletterte von 106,2 Punkten im Juli auf 106,7 Punkte.

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Konjunktur
«Die deutsche Wirtschaft ist im stabilen Sommerhoch», erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Das ist der höchste Stand seit gut drei Jahren. Die meisten Experten hatten mit einem Dämpfer gerechnet, damit aber falsch gelegen. «Die deutsche Wirtschaft ist im stabilen Sommerhoch», erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München. In den kommenden Monaten dürfte der Aufschwung weitergehen, allerdings mit etwas gebremstem Tempo, erwarten die Konjunkturforscher.

Zahlreiche Volkswirte hatten in den vergangenen Tagen ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr in die Höhe geschraubt. Auch die ifo-Forscher glauben mittlerweile, dass das Bruttoinlandsprodukt 2010 um mindestens drei Prozent zulegen könnte. «Dieses Jahr ist sehr stark angelaufen, eine Drei vor dem Komma müsste drin sein», sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger der Nachrichtenagentur dpa. Auch die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte in den nächsten Monaten anhalten. Allerdings sieht Abberger auch Risiken auf wichtigen Auslandsmärkten. Vor allem die weitere Konjunkturentwicklung in China und in den USA lasse sich schwer abschätzen.

Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Monatlich befragt das Institut rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Groß- und Einzelhandel sowie aus der Bauwirtschaft nach ihren Einschätzungen zur derzeitigen Geschäftslage und zu ihren Zukunftsaussichten für die kommenden sechs Monate. Der Lage-Index verbesserte sich im August erneut von 106,8 auf 108,2 Punkte. Dagegen sind die Unternehmen für die kommenden Monate etwas skeptischer. Entsprechend gab der Erwartungs-Index leicht nach von 105,6 auf 105,2 Punkte.

In der Industrie fiel das Geschäftsklima abermals günstiger aus. Angesichts voller Auftragsbücher und einer besseren Auslastung zeigten sich die Firmen mit ihrer aktuellen Situation zufriedener. Die Zuversicht für die kommenden Monate war allerdings nicht mehr so ausgeprägt. Vom Export erwarten sich die Unternehmen nicht mehr ganz so starke Impulse wie in den vergangenen Monaten. Trotzdem wollen mehr Firmen als zuvor ihr Personal aufstocken.

Die Elektroindustrie hob ihre Erwartungen für dieses Jahr an. «Statt der bislang erwarteten fünf Prozent sagen wir jetzt einen Anstieg der deutschen Elektroproduktion von acht Prozent voraus», sagte Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenverbands ZVEI, am Mittwoch der dpa in Frankfurt. Der Umsatz, der 2009 durch die Wirtschaftskrise um 20 Prozent auf 145 Milliarden Euro geschrumpft war, werde wieder auf fast 160 Milliarden Euro steigen.

Auch mit Blick auf die unterschiedlichen Unternehmensgrößen gewinnt die Erholung an Breite. Nach einer Studie ist der Aufschwung auch im deutschen Mittelstand angekommen. 90 Prozent der Unternehmen seien nach der Konjunkturkrise mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young am Mittwoch nach einer Befragung von 700 Firmen mitteilte. Mit einer Verbesserung der Geschäftslage rechnen nun 43 Prozent und damit mehr als im Januar, als es 38 Prozent waren. Pessimistisch sind noch fünf Prozent. Vor allem größere Mittelständler sind auch im Ausland tätig und profitieren vom Anziehen der internationalen Nachfrage.

Angesichts der kräftigen Erholung werden auch Forderungen nach einer Verkürzung der Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld laut. Bei der Bewältigung der Krisenfolgen habe sich Kurzarbeit als wichtiges Instrument auf dem Arbeitsmarkt erwiesen, erklärte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Mittwoch. Nun sei allerdings eine Verstetigung zu beobachten.

Am Vortag hatte das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal ein Rekordwachstum der deutschen Wirtschaft bestätigt. Im Vergleich zum Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 2,2 Prozent zu und damit so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung.