Archivierter Artikel vom 16.05.2010, 11:50 Uhr

Unterstützung für Ackermanns Griechenland-Zweifel

Düsseldorf/Hamburg (dpa) – Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat mit seinen skeptischen Bemerkungen zur Zahlungsfähigkeit Griechenlands für Empörung gesorgt – aber es gibt auch Zustimmung.

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Ackermann
In der Griechenlanddebatte hat Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann zusätzlich Öl ins Feuer gekippt (Archivbild).

Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, äußerte ebenfalls Zweifel, ob Griechenland seine Schulden tatsächlich zurückzahlen kann. Die Bundesregierung hatte dem Deutsche-Bank-Chef mit dem Hinweis widersprochen, es gebe keine Zweifel an der Entschlossenheit der griechischen Regierung, das Sparprogramm umzusetzen. Grünen- Fraktionschefin Renate Künast forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, Ackermann als Berater zu feuern. «Der Name Ackermann ist inzwischen Synonym für Sabotage», sagte sie der «Leipziger Volkszeitung» (Samstag). Sein Verhalten sei «unverantwortlich und unverschämt». Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nannte die Äußerungen Ackermanns der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» zufolge «überraschend, ungewöhnlich und ärgerlich».

«Griechenland wird es sehr, sehr schwer haben, die Schulden ordnungsgemäß zu bedienen», sagte dagegen Dekabank-Chefvolkswirt Kater zu «Handelsblatt Online». Um die Schulden zu senken, benötige das Land Primärüberschüsse in der Größenordnung von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Primärüberschuss entspricht dem Haushaltssaldo vor Zinszahlungen.

Allerdings seien die Wachstumsaussichten Griechenlands wegen der geringen Wettbewerbsfähigkeit und des Sparkurses kurzfristig schlecht, sagte der Ökonom. Die Regierung in Athen müsse «alles daran setzen, die Ziele so gut wie möglich zu erreichen, um nicht den Anschluss an Europa zu verlieren».

Brüderle sagte: «Eine so starke Bewertung in einer Fernsehanstalt habe ich als nicht hilfreich empfunden.» Ackermann hatte in einem Fernsehinterview gesagt: «Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln.»

Mit seinen «verantwortungslosen Äußerungen» habe Ackermann «zu einer weiteren Verunsicherung der Märkte beigetragen», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU), der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Noch gebe es keine Erfahrungen mit den Instrumenten, die zur Beruhigung der Finanzmärkte vorgesehen seien.

Die Griechen müssen in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro sparen. Nur so kann Athen auf das Rettungspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Länder von 110 Milliarden Euro über drei Jahre hoffen.

Handelsblatt Online: http://dpaq.de/C1ppn