Archivierter Artikel vom 25.10.2010, 12:14 Uhr

Röttgen warnt vor Kollaps der Stromnetze

Berlin (dpa). Bundesumweltminister Norbert Röttgen sorgt sich angesichts der schwankenden Ökostrom-Einspeisung um die Stabilität der Stromleitungen. «Wir sind in einigen Regionen in Grenzbereichen der Netzstabilität», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse- Agentur.

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Stromnetz
Bundesumweltminister Norbert Röttgen sorgt sich um das deutsche Stromnetz.

«Erneuerbare brauchen Netze», sagte Röttgen. Die Netze seien aber bisher nicht ausreichend konstruiert für die wechselhafte Ökostrom-Einspeisung, die in den vergangen Jahren massiv zugenommen hat.

Um den Windstrom von der Küste in den Süden zu bekommen und um den überall in Deutschland produzierten Sonnenstrom einzuspeisen, sind neue Stromautobahnen, aber auch intelligente Netze nötig. Sie müssen flexibler als heute auf die schwankende Einspeisung und den sich täglich verändernden Stromverbrauch reagieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte wiederholt betont, die Widerstände vielerorts gegen neue Hochspannungsleitungen gefährdeten den geplanten massiven Ausbau der Öko-Energien. Viele lokale Bürgerinitiativen stellen sich derzeit quer beim Netzausbau. Sie befürchten ein erhöhtes Alzheimer- und Krebsrisiko durch die Magnetfelder bei Hochspannungsleitungen und Schäden für die Natur.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte Röttgens Warnungen. «Es ist heuchlerisch, wenn die Bundesregierung die Schuld für einen drohenden Netzkollaps den erneuerbaren Energien in die Schuhe schiebt ­ und das drei Tage vor der Abstimmung ihres Energiekonzeptes im Bundestag», sagte deren Energieexperte Andree Böhling. Röttgen verschweige, dass die Regierung mit ihrem Atomkurs das Problem verschärfe. «Da Atomkraftwerke nur schwer regelbar sind, kann Atomstrom die schwankende Produktion von erneuerbarem Strom nicht ausgleichen», sagte Böhling.

Die Deutsche Energieagentur (dena) schätzt, dass bis 2020 rund 3500 Kilometer neue Netze gebraucht werden, gebaut sind aber erst 90 Kilometer. Die Regierung will bis 2050 einen Ökostrom-Anteil von 80 Prozent erreichen. Die Ökoenergie-Branche fürchtet für die Zukunft immer häufiger Abschaltungen unter anderem von Windrädern und Solaranlagen, weil dies für Netzbetreiber unter Verweis auf die Netzsicherheit möglich ist.

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