Archivierter Artikel vom 08.07.2010, 14:08 Uhr
Frankfurt/Main

EZB lässt Leitzins im Euro-Raum bei 1,0 Prozent

Mit Niedrigzinsen und öffentlichen Krisentests für Banken kämpft die EZB um das Vertrauen der Märkte. Die Entscheidung der EU, die Ergebnisse der jüngsten europaweiten Stresstests detailliert bekanntzumachen, habe die volle Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB).

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Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den wichtigsten Zins zur Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent (Archivbild)=.

Das sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag. «Wir waren sehr zufrieden, als das so entschieden wurde.» Solche Daten könnten dazu beitragen, «dass die Märkte etwas besser funktionieren». Er sei ohnehin der Meinung, dass der Rest der Welt die Euro-Zone derzeit eher zu pessimistisch beurteile.

An der Zinsschraube drehte die Notenbank weiterhin nicht. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld bleibt auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Damit stützt die EZB die noch verhaltene Erholung der Konjunktur ebenso wie die Kreditwirtschaft.

Den ersten Zinsschritt nach oben seit Mai 2009 erwarten Volkswirte inzwischen erst im kommenden Jahr. Derzeit sprechen die noch wackelige Konjunktur und die vergleichsweise geringe Inflation gegen höhere Zinsen. Die EZB rechnet zwar weiterhin mit einem moderaten Wachstum der Wirtschaft im Euro-Raum in diesem Jahr. Das Umfeld bleibe jedoch von hoher Unsicherheit geprägt, sagte Trichet.

Etwas Unsicherheit wollen Politik und Aufsichtsbehörden den Märkten mit der Veröffentlichung der Stresstestdaten nehmen. «Gesunde Bilanzen, effizientes Risikomanagement und transparente, stabile Geschäftsmodelle sind der Schlüssel, um die Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber Schocks zu stärken», sagte Trichet.

Mit Stresstests wird untersucht, ob ein Institut auch bei negativen Marktentwicklungen oder Konjunktureinbrüchen überlebensfähig ist. Die Daten der jüngsten europaweiten Prüfung sollen am 23. Juli veröffentlicht werden. In Deutschland müssen sich 14 Geldinstitute den neuen europaweiten Belastungstests unterziehen.

Ihre umstrittenen Stützungskäufe auf dem Feld von Staatsanleihen setzt die Notenbank fort. Die EZB hatte im Mai beschlossen, zur Bekämpfung der Schuldenkrise in Eurostaaten wie Griechenland, Spanien und Portugal Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder aufzukaufen. Das hatte Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank genährt. Seit dem Beschluss kaufte die EZB nach letzten Angaben Staatspapiere im Gesamtwert von rund 60 Milliarden Euro. Trichet betonte, diese Maßnahme sei vorübergehend. Die Käufe seien zuletzt zurückgegangen. Die EZB werde den Markt aber weiter genau beobachten.

Europas oberster Währungshüter mahnte zugleich die Euro-Staaten, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Die Staaten müssten zudem «ihrer Verpflichtung gerecht werden, in den kommenden Jahren wo nötig weitere Maßnahmen zu ergreifen», sagte Trichet.

Übersicht der Leitzinsen seit 1999