Archivierter Artikel vom 28.08.2020, 11:40 Uhr

Große regionale Schwankung

Erntebericht: Ertrag unterm Durchschnitt

Nasser Herbst, trockenes Frühjahr, späte Fröste: Auch in dieser Saison hatten Bauern wieder mit dem Wetter zu kämpfen. Trotzdem sei die Ernte besser als erwartet, sagt die Agrarministerin.

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Klöckner stellt Erntebericht vor
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner(CDU) stellt in Bonn den Erntebericht 2020 vor.
Foto: Roberto Pfeil/dpa

Bonn/Berlin (dpa). Die Getreideernte ist in diesem Jahr der vorläufigen amtlichen Bilanz zufolge geringer ausgefallen als im Vorjahr. Das lag nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums vor allem daran, dass die Anbaufläche fast fünf Prozent kleiner war.

Getreideernte
Landwirte ernten mit Mähdreschern ein Weizenfeld in Algermissen.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Deutschlandweit wird demnach für 2020 mit einer Erntemenge von 42,9 Millionen Tonnen gerechnet. Das sind gut drei Prozent weniger als 2019 und sechs Prozent weniger als der Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019.

Vor allem Winterweizen, das ertragreichste Getreide in Deutschland, wurde weniger angebaut. Ein Grund dafür war der Herbst 2019, der für die Aussaat teils zu nass war. Die verstärkt angebauten Sommer-Getreidearten konnten das Minus nicht ausgleichen.

„Die Erträge sind im Bundesdurchschnitt besser als erwartet, wenn auch leicht unterdurchschnittlich“, teilte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Bonn mit. Dabei gebe es starke regionale Schwankungen, je nach Bodengüte und Wasserversorgung. Im dritten Jahr in Folge hätten die Landwirte mit Trockenheit und Spätfrösten zu kämpfen gehabt. „Das zeigt nochmals deutlich, wie entscheidend die verstärkte Anpassung an den Klimawandel ist“, sagte Klöckner.

Grundlage des Berichts sind Erträge von Tausenden Probeflächen aus ganz Deutschland. Im Durchschnitt aller Getreidearten, aber ohne Körnermais, liegt der bisher festgestellte Hektarertrag dem Ministerium zufolge bei 6,9 Tonnen. Das seien 1,3 Prozent mehr als im Jahr 2019. Es sei eine „zufriedenstellende Ernte im Vergleich der vergangenen drei Jahre, Stichwort Dürrejahre“, sagte Klöckner.

Raps sei nach einem Einbruch im vergangenen Jahr wieder etwas mehr angebaut worden. Die Hektarerträge fielen hier mit rund 3,7 Tonnen gut aus. Insgesamt würden voraussichtlich rund 3,5 Millionen Tonnen Raps geerntet, 24,4 Prozent mehr als 2019, aber 20,7 Prozent weniger als im Sechs-Jahres-Schnitt.

Bei Obst und Gemüse fällt die Ernte den Angaben zufolge fast durchweg geringer als im Vorjahr aus. Ein Grund dafür sei das Wetter mit Spätfrösten und wenig Regen, ein anderer, dass in der Corona-Krise trotz Ausnahme-Genehmigungen Erntehelfer gefehlt hätten.

Klöckner sagte, während der Corona-Krise sei zu jedem Zeitpunkt die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert gewesen. Es gebe aber ein neues Bewusstsein dafür, dass Ernten und volle Supermarktregale keine Selbstverständlichkeit seien. Sie freue sich, dass das Interesse an regionaler Erzeugung und Landwirtschaft allgemein gestiegen sei.

Der Deutsche Bauernverband hatte zuletzt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Ernten als eher gering dargestellt. Verbandspräsident Joachim Rukwied hatte stattdessen die wachsenden Risiken durch den Klimawandel in den Fokus gerückt. Die Bauern fordern staatliche Hilfe beim Aufbau einer sogenannten Mehrgefahren-Versicherung.

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