Archivierter Artikel vom 08.07.2010, 09:26 Uhr

Deutscher Export auf Zehnjahreshoch

Wiesbaden/Berlin (dpa) – Mit kräftigen Zuwächsen profitiert die deutsche Exportwirtschaft vom weltweiten Aufschwung. Im Mai 2010 legten die Ausfuhren auf Jahressicht so deutlich zu wie seit zehn Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

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 Export
Lastkraftwagen am Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen: Gestützt wurde das Wachstum in den ersten drei Monaten vor allem durch die Ausfuhren. Die Exporte legten deutlich um 2,5 Prozent zu

Bei den Importen gab es sogar das stärkste Plus seit Januar 1989. Damit setzte sich nach einer kleinen Delle im April der Aufwärtstrend im deutschen Außenhandel fort. Gleichzeitig fuhren die Unternehmen ihre Produktion überraschend stark hoch.

Volkswirte rechnen Waren «Made in Germany» auch in den kommenden Monaten beste Chancen aus. «Der Trend im Außenhandel zeigt klar nach oben», lautete das Fazit der Commerzbank. «Der Export bleibt Zugpferd der Erholung.» Zugute kommt hiesigen Unternehmen zumindest für einen Teil ihres Geschäfts auch der schwache Euro. Der Import von Rohstoffen wird dadurch aber teurer.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes kletterten die Ausfuhren im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28,8 Prozent, die Importe gar um 34,3 Prozent. Ins Ausland verkauft wurden Waren im Gesamtwert von 77,5 Milliarden Euro, eingeführt wurden Waren im Gesamtwert von 67,7 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss wie im Mai 2009 mit einem Überschuss von rund 9,7 Milliarden Euro.

Auch auf Monatssicht ergaben sich im Mai kräftige Zuwächse. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat April um 9,2 Prozent zu, die Einfuhren kletterten um 14,8 Prozent. Die Importe stiegen damit so stark wie noch nie seit Beginn der Berechnung auf saisonbereinigter Basis im Jahr 1990.

«Der Außenhandel hat wieder seine Funktion als Motor für die deutsche Wirtschaft übernommen», erklärte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, in einer Mitteilung. «Die insgesamt positiven Erwartungen im Maschinenbau und der Fahrzeugindustrie, aber auch in der Elektro- und Chemieindustrie lassen darauf schließen, dass sich die Erholung weiter fortsetzen wird.» Schon jetzt sei absehbar, «dass der deutsche Export im ersten Halbjahr alle Erwartungen übertreffen wird».

Überraschend deutlich fiel der Anstieg der Produktion deutscher Unternehmen aus: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums erhöhte sich die Gesamtproduktion auf Monatssicht preis- und saisonbereinigt um 2,6 Prozent. Die Unternehmen profitierten von den guten Auftragseingängen in den vergangenen Monaten – besonders die Auto- und Metallindustrie. Volkswirte hatten zwar mit einem erneuten Zuwachs gerechnet, diesen aber mit 1,0 Prozent deutlich schwächer eingeschätzt. Im Jahresvergleich ergab sich im Mai ein bereinigtes Produktionsplus von 12,4 Prozent.

Nachdem die Industrie bereits seit Monaten den Erholungspfad beschreite, habe sie im Frühling noch einen Gang zugelegt, kommentierte die UniCredit. Insgesamt dürfte die deutsche Industrie im zweiten Quartal so stark wachsen wie seit 1984 nicht mehr, prognostiziert die Großbank.

Wichtigste Handelspartner deutscher Unternehmen bleiben nach den Daten des Statistischen Bundesamtes die Länder der Europäischen Union: In die EU wurden im Mai Waren im Wert von 47,1 Milliarden Euro verkauft, die Importe beliefen sich auf 43,2 Milliarden Euro. In die Euro-Staaten lieferten deutsche Unternehmen Waren für 32,1 Milliarden Euro und kauften dort für 30,6 Milliarden Euro ein.

«Deutschlands Exporteure waren auch im zweiten Quartal weltmeisterlich», urteilten Ökonomen der UniCredit. «Nach dem starken Rückgang im vergangenen Monat sind die Exporte rasch wieder auf die Beine gekommen.» Mittelfristig erwartet UniCredit-Volkswirt Andreas Rees aber ein langsameres Wachstum der Exportwirtschaft: «Kurzfristig wird die Dynamik noch sehr stark sein, gegen Jahresende werden die Exporte auch noch wachsen, aber etwas gemächlicher.» Hauptgrund: Die Lager dürften dann wieder voll sein. Zudem laufen in vielen Staaten die Konjunkturprogramme aus, die die Wirtschaft ankurbeln sollten – auch dieser Antrieb fehlt dann.