Archivierter Artikel vom 21.02.2011, 10:22 Uhr

Deutsche Wirtschaft gut ins Jahr gestartet

Frankfurt/München (dpa) – Die deutsche Wirtschaft boomt weiter, Unternehmer sind so zuversichtlich wie lange nicht mehr. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Februar zum neunten Mal in Folge auf nun 111,2 Punkte, wie das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mitteilte.

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Produktion in Deutschland
Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland verliert nach Einschätzung des ifo-Instituts nicht an Fahrt (Symbolbild).

Damit wurden die Erwartungen der Volkswirte wieder einmal übertroffen, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und betonte: «Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich auf dem höchsten Stand seit Dezember 1969.»

Das Konjunkturbarometer eilt seit Monaten von Rekord zu Rekord. «Der Aufschwung in Deutschland ist robust», erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Lediglich im Einzelhandel gab es einen leichten Dämpfer. Dabei machte den Firmen vor allem der strenge Winter zu schaffen. Das Geschäftsklima sei aber weiter auf einem hohen Niveau.

Auch nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums ist die deutsche Wirtschaft gut in das Jahr 2011 gestartet. Die Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe habe sich im Januar erneut aufgehellt, hieß es im Monatsbericht des Ministeriums. Die Industrieindikatoren zeigten weiterhin einen klaren Aufwärtstrend an: «Zusammen mit der spürbaren Zunahme der Beschäftigungsabsichten der Unternehmen spricht dies für eine Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs.»

Obgleich zuletzt auch die Binnennachfrage das Wachstum ankurbelte, bleibt der Export der stärkste Motor der deutschen Wirtschaft. Wie die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht betonte, beflügelt der sehr lebhafte Ordereingang aus Drittländern den Aufschwung: «Aus der Erwartung, dass sich dieser Trend fortsetzt, speist sich zu einem großen Teil das große Maß an Zuversicht in der deutschen Wirtschaft.» Das exportgetriebene Wachstum könne sich noch verstärken, da zuletzt auch die Konjunkturerholung in den USA an Fahrt gewonnen habe.

Hingegen bleiben die Impulse aus dem Euroraum eher verhalten, schätzt die Bundesbank und warnt: «Bei einer anhaltend schwachen Bestelltätigkeit aus diesem Raum wäre ein gewisser konjunktureller Tempoverlust nicht auszuschließen.» Insgesamt sei die deutsche Wirtschaft aber mit Schwung ins neue Jahr gestartet. Der Ausblick sei weiter positiv, obwohl sich das Preisklima deutlich eingetrübt habe.

Analysten der Allianz rechnen inzwischen damit, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2011 um annähernd 1 Prozent gegenüber dem Vorquartal expandieren wird. Zu der außergewöhnlich guten Konjunktur trügen «nahezu alle Wirtschaftsbereiche» bei. Auch aus Sicht der Commerzbank legt das hohe ifo-Geschäftsklima nahe, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem vierten um fast 1 Prozent wächst: «Dies liegt auch daran, dass eine ungewöhnlich kalte Witterung die Bautätigkeit im vierten Quartal gesenkt hat, und ein Teil im ersten Quartal nachgeholt werden sollte. Im Gesamtjahr 2011 sollte die Wirtschaft um 3,0 Prozent wachsen.»

Volkswirte erwarten allerdings, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts steigender Preise in den kommenden Monaten an der Zinsschraube drehen und den Aufschwung damit bremsen wird. Die Bundesbank geht angesichts der gestiegenen Notierungen auf den internationalen Agrar- und Energiemärkten nicht davon aus, dass sich die Preissteigerungsraten in den nächsten Monaten wesentlich ermäßigen werden.

Im 4. Quartal 2010 hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes preis-, kalender- und saisonbereinigt nur um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt. In den beiden Quartalen des Sommerhalbjahres betrug das Plus noch 2,2 und 0,7 Prozent. Experten waren aber bereits davon ausgegangen, dass der Aufschwung Anfang 2011 wieder deutlich zugelegt haben dürfte.