Archivierter Artikel vom 27.04.2020, 07:32 Uhr

Deutschlands größtes Geldhaus

Deutsche Bank überrascht mit Gewinn zum Jahresauftakt

Deutschlands größtes Geldhaus ist unerwartet gut ins Jahr gestartet. Statt roter Zahlen steht in der Zwischenbilanz der Deutschen Bank ein Gewinn. Wegen der Corona-Krise lässt sich die Bank aber Spielraum.

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Christian Sewing
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, spricht während der Jahresmedienkonferenz in der Zentrale der Bank.
Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Die Deutsche Bank stellt sich nach einem überraschenden Gewinn zum Jahresauftakt wegen der Corona-Krise auf Rückschläge ein.

„Das außerordentliche wirtschaftliche Umfeld spricht dafür, dass es insgesamt zu mehr Kreditausfällen kommen wird“, erklärte Deutschlands größtes Geldhaus angesichts der vorgezogenen Veröffentlichung von Eckdaten für das erste Quartal 2020 am Montag. „Aber das Kreditbuch der Deutschen Bank hat eine hohe Qualität und ist gut diversifiziert.“

Der Dax-Konzern legte zwar eine halbe Milliarde Euro für mögliche Kreditausfälle infolge der Corona-Krise zurück, blieb aber auch nach Steuern im ersten Quartal knapp in den schwarzen Zahlen, wie das Frankfurter Institut am späten Sonntagabend mitteilte. Analysten hatten für den Drei-Monats-Zeitraum sowohl vor als auch nach Steuern im Schnitt mit einem Verlust gerechnet.

In den Monaten Januar bis März erzielte die Deutsche Bank nach eigenen Angaben 206 Millionen Euro Vorsteuergewinn. Der Überschuss lag bei 66 Millionen Euro nach 201 Millionen ein Jahr zuvor. Davon gehen unter anderem noch Anteile bei Tochterfirmen ab, die nicht den Deutsche-Bank-Anteilseignern zugeschrieben werden können.

Details zur Zwischenbilanz will die Bank an diesem Mittwoch (29.4.) bekanntgeben. Dann wird auch eine Aussage des Vorstands zur Gewinnerwartung für das Gesamtjahr erwartet. Noch Mitte März hatte Finanzvorstand James von Moltke bekräftigt, dass die Bank in diesem Jahr zumindest vor Steuern wieder Gewinn erzielen will. Das Jahr 2019 endete mit rund 5,7 Milliarden Euro Miesen unter dem Strich – es war das fünfte Verlustjahr in Folge.

„Der Vorsteuergewinn im ersten Quartal ist auf steigende Erträge in unseren Kerngeschäftsfeldern in Kombination mit anhaltenden Fortschritten beim Kostenabbau zurückzuführen“, erklärte die Bank. Konzernchef Christian Sewing hatte im Juli 2019 eine grundlegende Neuaufstellung der Bank auf den Weg gebracht: Tausende Jobs werden gestrichen, das Investmentbanking wird gestutzt. Sewing macht die Unternehmensbank, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert, zum Kern des Instituts, das in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurückblickt.

„Wir sind sehr zufrieden, dass die Ergebnisse für das erste Quartal unsere Fortschritte beim Umbau unserer Bank, die operative Stärke unseres Geschäfts und unsere Widerstandskraft bestätigen“, bilanzierte Sewing. Die Erträge – also die gesamten Einnahmen der Bank – fielen mit 6,4 Milliarden Euro sogar etwas höher aus als ein Jahr zuvor. Ein möglicher Treiber für die positive Ertragsentwicklung könnte eine kräftige Nachfrage nach Krediten oder anderen Finanzierungen für Unternehmen in der Corona-Krise gewesen sein. Analysten gehen zudem davon aus, dass auch ein starker Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen dazu beigetragen haben könnte.

Bei den Zielen für Kapitalpuffer und Verschuldungsquote macht die Deutsche Bank vorübergehend Abstriche. „Wir sind fest entschlossen, unsere Bilanz zu nutzen, um Kunden zu unterstützen, die uns jetzt ganz besonders brauchen“, bekräftigte Sewing. „Durch diese Entscheidung könnte unsere harte Kernkapitalquote vorübergehend unser Ziel von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschreiten, ohne die solide Bilanz unserer Bank zu schwächen.“

Europas Bankenaufseher erlauben Geldhäusern wegen der Corona-Krise zeitweise dünnere Kapitalpuffer, damit die Institute Unternehmen ausreichend mit Krediten versorgen können. Die Deutsche Bank betonte, ihre Kapitalausstattung sei nach wie vor gut und liege deutlich über den Anforderungen der Regulierer. Dies solle auch so bleiben: „Da die genannten Kapitaleffekte als vorübergehend angesehen werden, arbeitet die Bank für das Jahr 2022 weiterhin auf das Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent und einer Leverage Ratio (Verschuldungsquote) von 5 Prozent hin.“

Am Finanzmarkt kamen die Eckdaten zum ersten Quartal gut an. Der zuletzt vom Corona-Crash arg gebeutelte Kurs der Deutsche-Bank-Aktie legte am Montagvormittag um gut zwölf Prozent auf etwas über sechs Euro zu. Seit dem Jahreswechsel hatte das Papier zuvor ähnlich wie der deutsche Leitindex Dax erheblich an Wert verloren.