Archivierter Artikel vom 10.08.2020, 12:08 Uhr

So wenig Besucher wie 2004

Corona wirft Berlin-Tourismus zurück

Ein Selfie am Brandenburger Tor ohne andere Urlauber im Bild? Das ist eigentlich kaum möglich. Doch die Krise hat auch das geändert. Berlins Tourismuswerber wagen eine Prognose.

Lesezeit: 2 Minuten
Brandenburger Tor
Zwei Joggerinnen machen auf dem sonst gut besuchten Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin ein Selfie.
Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin (dpa). Die Corona-Krise hat dem Berlin-Tourismus einen schweren Schlag versetzt. Im ersten Halbjahr kamen nicht einmal mehr halb so viele Besucher wie im Vorjahreszeitraum.

Wie das Amt für Statistik mitteilte, waren es 2,7 Millionen Gäste, ein Minus von 59 Prozent. So wenig Besucher kamen zuletzt 2004. Bei ausländischen Urlaubern war der Rückgang noch stärker: Zwei Drittel blieben weg. In ähnlichem Maße sanken jeweils die Übernachtungszahlen: Sie erreichten insgesamt noch 6,5 Millionen. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Berlins und war in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

Nach zwei erfolgreichen Monaten Anfang des Jahres habe es mit dem Lockdown im März einen Absturz bis fast auf null gegeben, sagte Burkhard Kieker, Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin, der Deutschen Presse-Agentur. Seit Juni gebe es eine deutliche Erholung. „Wir sind derzeit bei 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagte Kieker. Dieses Niveau bei den Gästezahlen erwarte er auch für die zweite Jahreshälfte.

Von Mitte März bis Ende Mai gab es wegen der Pandemie ein Übernachtungsverbot für privatreisende Gäste in Berlin. Das sollte helfen, das Virus nicht weiter zu verbreiten. Dass auch die Corona-Lage in den Herkunftsländern der Urlauber entscheidend war, zeigen die USA. Von dort kam im ersten Halbjahr nur noch gut ein Viertel der üblichen Besucherzahl nach Berlin.

Die Krise traf Berlin stärker als Deutschland insgesamt. Bundesweit ging die Übernachtungszahl im ersten Halbjahr um 47 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Im Vergleich zu manchen anderen Städten stehe die Hauptstadt aber noch gut da, sagte Kieker. „Das liegt daran, dass wir auch bei deutschen Touristen sehr beliebt sind.“ Es gebe zudem schon wieder Gäste vor allem aus Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich, die nach Berlin kämen, sagte Kieker. Auch aus Großbritannien sei das zu beobachten. „Aber viele europäische Gäste fehlen noch.“

Touristen aus Italien und Spanien etwa reisten noch kaum wieder in die deutsche Hauptstadt. „Der Sommer war ungefähr wie erwartet“, sagte Kieker. „Wir blicken skeptisch in den Herbst.“ Die Zahlen des Statistikamts beziehen sich auf Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten.

© dpa-infocom, dpa:200810-99-110386/4