Archivierter Artikel vom 15.05.2021, 16:34 Uhr

Verkehr

Christian Reinicke zum ADAC-Präsidenten gewählt

Pannenhilfe und individuelle Mobilität stehen für den neuen Chef des Autofahrerclubs zwar weiter an erster Stelle. Aber seine Ambitionen gehen weit darüber hinaus.

Christian Reinicke
Christian Reinicke ist zum ADAC-Präsidenten gewählt worden.
Foto: Thomas Frey/dpa

München (dpa). Der neue ADAC-Präsident heißt Christian Reinicke. Der 56-jährige Rechtsanwalt und Notar aus Hannover wurde am Samstag auf einer Online- Hauptversammlung zum Nachfolger von August Markl gewählt.

Reinicke war der einzige Kandidat und erhielt 77,8 Prozent der Delegiertenstimmen – 22,2 Prozent stimmten gegen ihn. Als oberster ADAC-Jurist hatte er seit 2016 zusammen mit Markl die Reformen bei Deutschlands größtem Verein vorangetrieben. Seine Amtszeit als ADAC-Präsident beträgt zunächst vier Jahre.

Der 72-jährige Markl hatte sieben Jahren an der Spitze des ADAC gestanden. Er war nach Aufdeckung der Manipulationen um den Autopreis „Gelber Engel“ 2014 zum ADAC-Präsidenten gewählt worden und hatte dem Traditionsclub mit einem radikalen Umbau den rechtlichen Status als Verein gerettet.

Reinicke sagte, dass „die Pannenhilfe und Leistungen rund um die persönliche Mobilität für mich weiterhin an erster Stelle stehen“. Der ADAC sei stolz auf seine automobilen Wurzeln. Aber „wir engagieren uns auch für die Lösung von Verkehrsproblemen aus der Sicht von Fußgängern und Radfahrern“. Gleich mit welchem Verkehrsmittel ADAC-Mitglieder gerade unterwegs seien, müssten sie sich auf die Leistungen und Hilfen des Clubs verlassen können. Der ADAC müsse „auch Trends und den technischen Fortschritt aufgreifen“ und jederzeit für jeden digital erreichbar und präsent sein.

Markl erinnerte in seiner Abschiedsrede an die „teilweise erbitterten“ Kämpfe um die Neuausrichtung des ADAC in den Jahren nach seinem Amtsantritt 2014. Er wolle dem ADAC zum Abschied „noch einmal ans Herz legen“, dass in der Zentrale und in den Regionalclubs die Gemeinsamkeit im Interesse der Mitglieder entscheidend sei und Respekt und Aufrichtigkeit die Streitkultur prägen sollten. Reinicke mahnte, man ringe aus verschiedenen Perspektiven um Antworten, aber am Schluss müsse es gemeinsame Lösungen geben.

Unter Markl wurde der ADAC in drei Säulen aufgeteilt: Den inzwischen auf gut 21 Millionen Mitglieder gewachsenen Verein mit der Pannenhilfe, die Aktiengesellschaft ADAC SE mit dem Versicherungsgeschäft und die ADAC-Stiftung, die sich um Luftrettung und Unfallverhütung kümmert. Die Aufgaben der ehrenamtlichen Funktionäre und angestellten Geschäftsführer wurden klarer aufgeteilt, Ämterhäufung wurde beschnitten. Statt als Autofahrerlobby sieht die ADAC-Führung den Club heute als Mobilitätsdienstleister für alle. Einem Tempolimit steht sie neutral gegenüber.

Zum Abschied legte Markl einen Geschäftsbericht mit schwarzen Zahlen vor: Zum ersten Mal seit 2014 überstiegen die Mitgliedsbeiträge im vergangenen Jahr die Ausgaben des Vereins. Das Jahresergebnis von 78 Millionen Euro sei vor allem dem Rückgang der Pannenhilfe-Einsätze während der Corona-Pandemie zu verdanken, sagte Finanzpräsident Jens Kuhfuß. Nach der kräftigen Beitragserhöhung im vergangenen Jahr werde nun eine Gewinnrücklage zur Stabilisierung der Beiträge gebildet.

Zum neuen Sportpräsidenten wählten die Delegierten der 18 ADAC-Regionalclubs den Richter und Formel-1-Rennkommissar Gerd Ennser aus dem niederbayerischen Freyung, zum Tourismuspräsidenten den Unternehmer Karlheinz Jungbeck aus dem oberbayerischen Ort Schliersee. Technikpräsident Karsten Schulze aus Berlin wurde im Amt bestätigt.

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