Archivierter Artikel vom 09.02.2011, 12:24 Uhr
Frankfurt/Main

Bundesbank-Chef Axel Weber geht

Die Tage von Axel Weber an der Bundesbank- Spitze sind gezählt. Eine weitere Amtszeit als Chef der Notenbank hat der 53-Jährige definitiv ausgeschlossen. Wie am Mittwoch aus seinem direkten Umfeld verlautete, sieht Weber seine Aufgabe als weitgehend erfüllt an.

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Axel Weber
Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank.

Die unmittelbare Finanz- und Wirtschaftskrise sei bewältigt und die mittlerweile eingesetzte Beruhigung der europäischen Finanzmärkte dürfte sich fortsetzen. Damit nahe nun der geeignete Zeitpunkt, die Bundesbank auch personell für das neue Jahrzehnt aufzustellen. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung (Donnerstag) will Weber sein Amt schon im Sommer niederlegen. Am Mittwochvormittag hatte es zunächst Hinweise auf einen sofortigen Rücktritt gegeben

Gleichzeitig verdichteten sich Spekulationen über einen Wechsel des 53-Jährigen zur Deutschen Bank, deren Chefsessel spätestens im Mai 2013 frei wird. Die Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstag) berichtet, der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mache sich seit längerem für Weber als seinen Nachfolger stark; Gespräche mit Weber liefen bereits seit mindestens einem Jahr. «Ackermann sucht für seine Nachfolge einen Mann von internationaler Statur, einen staatsmännischen Banker mit dem globalen Blick», zitiert das Blatt eine «mit den Vorgängen vertraute Person».

Laut Beobachtern scheidet Weber nun aus dem Rennen um die EZB-Präsidentschaft aus. An den Finanzmärkten sorgten die Berichte kurzzeitig für Verunsicherung. Weber hatte in einer vertraulichen Runde am Dienstagabend angedeutet, dass er «nicht unbedingt eine zweite Amtszeit» bei der Deutschen Bundesbank anstrebt, wie die dpa in Frankfurt erfuhr. Der Wirtschaftsprofessor führt die Notenbank seit dem 30. April 2004, die Amtszeit beträgt acht Jahre.

Neben seinem italienischen Amtskollegen Mario Draghi wurde Weber wiederholt als heißester Anwärter auf den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt. Offiziell nominiert hatte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedoch noch nicht.

Am späten Mittwochvormittag telefonierten die Kanzlerin und Weber miteinander: Es habe sich um ein vertrauliches Gespräch gehandelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zu Inhalten wollte er sich nicht äußern. Gerüchte über einen Rückzug Webers von der Bundesbank-Spitze werde die Regierung nicht kommentieren. Wer Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet werde, sei derzeit kein Thema. Ein potenzieller Nachfolger Webers für das Bundesbank-Amt sitzt derzeit im Kanzleramt: Dem Wirtschaftsberater Merkels, Jens Weidmann, trauen Beobachter den Spitzenjob zu.

Weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank wollten sich zu einem möglichen Wechsel Webers zur größten deutschen Bank äußern. Auch der Bundesbankpräsident selbst verzichtete auf eine persönliche Erklärung zu seiner beruflichen Zukunft.

Ein Nachfolger von EZB-Präsident Trichet soll am 1. November sein Amt antreten. Gegen eine Berufung Webers auf den europäischen Spitzenposten hatte es Vorbehalte gegeben: Der gebürtige Pfälzer tritt als geldpolitischer Hardliner auf und hatte im vergangenen Jahr wiederholt Kritik am Kurs der EZB in der Schuldenkrise geäußert. Seit 2010 kauft die europäische Zentralbank Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Länder auf, um die Währung zu stabilisieren. Weber hatte dies öffentlich wegen der «damit verbundenen stabilitätspolitischen Risiken» kritisiert.

Ein Rückzug Webers aus dem Kampf um den EZB-Chefsessel wäre für Analysten der italienischen Großbank Unicredit «eine große Überraschung»: Weber werde von zahlreichen Beobachtern als Favorit im Rennen um die Nachfolge von Trichet an der EZB-Spitze gesehen, hieß es in einer Analyse.

Der Euro-Kurs fiel nach Bekanntwerden der Spekulationen zeitweise auf ein Tagestief von 1,3609 Dollar. Im weiteren Handel konnte sich die Gemeinschaftswährung erholen und stand am Abend bei über 1,37 Dollar. Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank sagte, am Markt gebe es die Sorge, dass die Geldpolitik in der Eurozone künftig lockerer werden könnte.

Der Job von Deutsche-Bank-Chef Ackermann wird spätestens zur Hauptversammlung 2013 frei. Der Schweizer hat eine Verlängerung seines Vertrags mehrfach ausgeschlossen und die Suche nach seinem Nachfolger zur Chefsache erklärt. Bei der Bilanzvorlage des Dax- Konzerns in der vergangenen Woche hatte Ackermann bekräftigt, die Suche laufe, es gebe aber keinen Zeitdruck.