Archivierter Artikel vom 03.06.2011, 09:18 Uhr

Brasilien: Südafrika erwägt IWF-Kandidaten

Singapur/Brasília (dpa) – Das Schaulaufen für den Chefsessel beim Internationalen Währungsfonds (IWF) geht weiter: Bundeskanzlerin Angela Merkel warb in Singapur für die französische Finanzministerin Christine Lagarde als neue IWF-Chefin.

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Strauss-Kahn
Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds.
Foto: DPA

Merkel sagte am Donnerstag bei einem Vortrag, Lagarde sei politisch wie ökonomisch sehr gut für die Aufgabe qualifiziert. Neben Lagarde tritt erklärtermaßen Mexikos Notenbankchef Agustín Carstens an. Ebenso wie seine Konkurrentin Lagarde warb er persönlich in Brasilien um Unterstützung. Derweil sondiert Südafrika offenbar die Chancen für seinen renommierten Ex-Finanzminister Trevor Manuel.

Der IWF-Chefposten wurde vakant, nachdem der Franzose Dominique Strauss-Kahn als Direktor wegen einer Sexaffäre zurückgetreten war. Seit Gründung der beiden Organisationen vor mehr als 60 Jahren stellten die USA immer den Weltbankpräsidenten und die Europäer immer den IWF-Chef.

Inzwischen halten aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien und Mexiko dieses Besetzungsverfahren aber für überholt und pochen auf mehr Mitsprache. Mexikos Kandidat Carstens machte dann auch klar, dass er im Falle seiner Wahl den Schwellenländern mehr Einfluss verschaffen wolle.

Genau das will auch Südafrika, wie dessen Präsident Jacob Zuma Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff telefonisch versicherte. Er überlegt, Ex-Finanzminister Manuel als Bewerber für den IWF-Posten zu nominieren. Dazu sondiert er auch informell in China, Russland, und Indien, die mit Südafrika und Brasilien den BRICS-Verbund bilden, Möglichkeiten einer gemeinsamen Unterstützung für Manuel, wie er Rousseff am Donnerstag erläuterte.

Rousseff ermunterte Südafrika, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Dadurch werde die Palette der Kandidaten breiter und damit auch die Auswahl an Ideen darüber, wie die Agenda des IWF künftig aussehen solle, sagte sie nach Angaben eines Sprechers.

Das Präsidentenamt in Pretoria wollte bis zum Nachmittag jedoch nicht zu dem Thema IWF Stellung nehmen. Südafrikas Regierung hatte sich in den vergangenen Wochen für einen IWF-Chef aus den aufstrebenden Schwellenländern BRICS stark gemacht. In Regierungskreisen hieß es, Zuma wolle sich für eine offizielle Initiative noch die Rückendeckung der Regierungspartei ANC holen.

Als Kandidat Südafrikas kommt aus Sicht der Experten nur der Planungsminister und langjährige Finanzminister Trevor Manuel infrage. Der international angesehene Manuel (55) galt stets als Garant für eine marktwirtschaftlich orientierte, solide Finanzpolitik. Der Ingenieur und Jurist stellte maßgeblich mit die Weichen für den Aufschwung Südafrikas zum einzigen wirtschaftlich bedeutenden Schwellenland in Afrika.

Mexikos Notenbankchef Carstens hatte sich bei seinem Kampagnenstopp in Brasilien am Mittwoch überzeugt gezeigt, dass er die Fähigkeit für den IWF-Job habe. Er rechnet sich Chancen aus, als erster Nicht-Europäer den Fonds zu führen. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega lobte den 52-jährigen Mexikaner als erfahrenen Mann und Partner in der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). Allerdings vermied Brasilien eine Festlegung. Man wolle bis zum 10. Juni warten. Dann läuft die Frist zur Einreichung von Kandidaturen ab.

Staatl. Nachrichtenagentur