Archivierter Artikel vom 26.08.2010, 11:16 Uhr
London

BP bläst Ölbohrungen vor Grönland ab

Der britische Energiekonzern BP hat sich aus dem Wettstreit um Ölbohrungen vor Grönlands Küste zurückgezogen. Der nach der Ölpest im Golf von Mexiko angeschlagene Konzern wolle sich nicht länger um eine Lizenz zur Erkundung nach Erdöl und Erdgas bemühen.

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BP-Flagge
Erstmals seit dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon Ende April fließt kein Öl mehr ins Meer. Die Anleger honorierten das sogleich mit Käufen der schwer gebeutelten BP-Aktie.

Das sagte ein Firmensprecher der britischen Zeitung «The Guardian» (Donnerstag). «Wir nehmen an der Bieterrunde nicht teil.» Gründe für den Rückzug aus dem ökologisch sensiblen Gebiet nannte der Sprecher nicht.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete den Schritt als «billige Augenwischerei». Der Energiekonzern versuche, «von seiner unverantwortlichen Geschäftspolitik abzulenken», sagte Greenpeace-Energieexperte Christoph von Lieven. «Wäre der Konzern konsequent, würde er die vor Alaska und in der libyschen Tiefsee geplanten und die 57 weltweit bereits laufenden Bohrungen ebenfalls absagen.»

Der britische BP-Konkurrent Cairn Energy hatte seinen Investoren am Dienstag mitgeteilt, vor Grönlands Küste bedeutende Vorkommen gefunden zu haben. Nach Protesten von Greenpeace gab das Unternehmen einen Tag später bekannt, die Vorkommen seien gar nicht so bedeutend. Die Firma aus Edinburgh hatte als erster Förderer auf Einladung der dänischen Regierung Probebohrungen durchgeführt. Das Unternehmen besitzt Lizenzen für sechs Abschnitte.

Die Umweltschützer bezeichneten die Tiefseebohrungen von Cairn Energy westlich der Disko-Inseln als zu gefährlich. Sollte es wie im Golf von Mexiko ein Leck an der Quelle geben, habe der Betreiber der Bohrinsel im Winter unter einer dicken Eisdecke keine Möglichkeit zur Eindämmung einer Ölpest. Die dänische Marine hatte Greenpeace gewarnt, in die Sicherheitszone um die Bohrinsel von Cairn Energy einzudringen.