Archivierter Artikel vom 30.03.2021, 16:12 Uhr

Medienhaus

Bertelsmann steigert Gewinn im Corona-Jahr 2020

Medienhäuser mussten 2020 in der Corona-Pandemie herbe Rückgänge bei den Werbeerlösen hinnehmen. Das zeigte sich bei Bertelsmann auch in den Konzernbereichen RTL und Gruner + Jahr.

Bertelsmann
Die Verwaltungsgebäude von Bertelsmann in Gütersloh.
Foto: Bernd Thissen/dpa

Gütersloh (dpa). Trotz weggefallener Werbeerlöse im Medienmarkt in der Corona-Pandemie hat Bertelsmann den Gewinn im Jahr 2020 deutlich gesteigert.

Das Ergebnis lag bei rund 1,46 Milliarden Euro nach rund 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr, wie das Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen in Gütersloh mitteilte. Der Konzern rechnet damit, im Jahr 2021 wieder die Ein-Milliarde-Euro-Grenze zu überschreiten.

Zur positiven Entwicklung trugen die Buchverlagsgruppe Penguin Random House und die Dienstleistungstochter Arvato bei. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte zu Arvato der Deutschen Presse-Agentur, dass sich bei den Logistikdienstleistungen das Geschäft etwa im Bereich E-Commerce und Lifestyle sehr gut entwickelt habe. Steigende Nachfrage verzeichne Bertelsmann zudem bei globalen IT- und Tech-Konzernen.

Auch Immobilienverkäufe brachten für den Konzern Effekte in der Bilanz. Bertelsmann stieß im vergangenen Jahr zugleich Kosteneinsparungen an.

Der Konzern musste im Corona-Jahr Rückgänge bei Werbeerlösen im TV-Markt der RTL Group und beim Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr verkraften. Bei dem Verlag, der unter anderem die Marken „Stern“, „Brigitte“, „Geo“ und „Capital“ im Portfolio hat, lagen die Erlöse 2020 bei rund 1,14 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von gut 16 Prozent zum Vorjahr 2019 mit rund 1,36 Milliarden Euro. Vor allem im ersten Halbjahr kämpfte der Medienmarkt mit ausbleibenden Werbeerlösen, weil in der Pandemie etwa Anzeigen storniert oder erst gar nicht gebucht wurden.

Der Gesamtumsatz des Bertelsmann-Konzerns ging um 4,1 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro zurück (2019: 18 Milliarden Euro). Den größten Umsatzteil steuerte weiterhin die RTL-Gruppe (gut 6 Milliarden Euro) bei, danach folgten Arvato und Penguin Random House. Das operative Ergebnis des Konzerns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg zugleich von 2,89 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 3,14 Milliarden Euro – Bertelsmann sprach von einem Rekordwert.

Für 2021 sieht der Konzern mit weltweit fast 133 000 Beschäftigten „weiterhin Unsicherheiten aufgrund der weltwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie“, sagte Finanzvorstand Rolf Hellermann. Die breite Aufstellung des Konzern-Portfolios werde zugleich zu einer stabilen Geschäftsentwicklung beitragen.

Mit Spannung wird in der Medienbranche in diesem Jahr die mögliche engere Zusammenarbeit von der Mediengruppe RTL Deutschland und Gruner + Jahr erwartet. Im Februar war bekanntgeworden, dass ergebnisoffen ausgelotet werde. Der Prozess läuft noch. Mit dem Schritt forciert Bertelsmann die Strategie starker Bündnisse innerhalb des Konzerns. Es gibt bereits Inhalte-Kooperationen im redaktionellen Bereich. Bertelsmann will „nationale Champions“ schaffen – auch mit Blick auf die Konkurrenz großer US-Streamingplattformen.

Rabe betonte bei der Vorstellung der Zahlen, es gehe bei dem Ausloten nicht „um Übernehmen und Übernommenwerden“, sondern „um Sinnhaftigkeit des Zusammengehens“ im Sinne einer Wachstumsstrategie. Beide Unternehmen begegneten sich auf Augenhöhe.

Auf Nachfrage der dpa, ob ein Zusammenwachsen oder sogar Zusammengehen von bestimmten Redaktionsteilen von RTL und Gruner + Jahr theoretisch vorstellbar sei, sagte Rabe: „Absolut. Das kann ich mir vorstellen. Das ist aber nur eine von mehreren Optionen.“ Auf die Frage, ob RTL-Redakteure und Redakteure des Hamburger Verlags theoretisch eine gemeinsame Redaktion bilden könnten, antwortete der Bertelsmann-Chef: „Das könnte ich mir in Einzelthemenbereichen sehr gut vorstellen.“

2020 ging Bertelsmann in einigen Unternehmensbereichen inmitten der Pandemie in Kurzarbeit. Rabe sagte der dpa: „Die Kurzarbeit haben wir im Wesentlichen im September beendet. In dem einen oder anderen Geschäft nehmen wir jetzt noch das Kurzarbeit-Instrument in Anspruch.“ Als Beispiel nannte der Bertelsmann-Chef den Druckbereich. Darüber hinaus seien keine Corona-Hilfen des Bundes im Jahr 2020 in Anspruch genommen worden.

© dpa-infocom, dpa:210330-99-30240/2

Pressemitteilung

Geschäftszahlen 2020