Archivierter Artikel vom 14.07.2011, 15:40 Uhr

Aufatmen in den USA: JPMorgan trotzt Schuldenkrise

New York (dpa). Aufatmen in der Finanzwelt: JPMorgan Chase fährt unbeeindruckt von den Sorgen um Staatspleiten einen erneuten Milliardengewinn ein. Das schürt die Hoffnung, dass auch andere Banken bislang glimpflich bei der Schuldenkrise in Europa und den USA davongekommen sind.

Lesezeit: 3 Minuten
JPMorgan
Die US-Großbank JPMorgan kommt im zweiten Quartal besonders das starke Privatkundengeschäft zugute.
Foto: DPA

Die Aktien steigen am Donnerstag branchenweit: JPMorgan selbst legt vorbörslich 2 Prozent zu, die Bank of America, die Citigroup oder Goldman Sachs immerhin 1 Prozent. Die Deutsche Bank kommt aus ihrem Tagestief heraus.

JPMorgan konnte im zweiten Quartal seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf unterm Strich 5,4 Milliarden Dollar (3,8 Mrd Euro) hochschrauben. Damit übertraf die Bank die Erwartungen der Analysten bei weitem. Firmenchef Jamie Dimon sprach von einer «soliden Leistung» in den meisten Geschäftsfeldern. Angesichts des guten Laufs hat die Bank nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn mehr als 10 000 neue Mitarbeiter eingestellt.

JPMorgan ist die erste US-Großbank, die ihre Bilanz veröffentlicht hat. Wegen ihrer breiten Aufstellung gilt sie als Barometer für die gesamte Branche. An diesem Freitag legt die Citigroup ihre Zahlen vor, in der kommenden Woche folgen die Bank of America, Goldman Sachs, Wells Fargo und Morgan Stanley. Analysten hatten befürchtet, dass das einträgliche Investmentbanking massiv leidet, weil sich Investoren derzeit wegen der Schuldenkrise mit der Anlage ihrer Gelder zurückhalten – den Banken gehen dadurch einträgliche Geschäfte durch die Lappen. Doch JPMorgan scheint die Lage im Griff zu haben: Die Erträge stiegen insgesamt um 7 Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar. Kleinere Schwächen im Investmentbanking glich das Privatkundengeschäft aus; vor allem mit Kreditkarten verdient die Bank wieder richtig Geld. JPMorgan Chase besitzt Filialen im ganzen Land und auch über die Grenzen hinaus. «Wir bauen unsere internationale Präsenz aus», sagte Dimon.

Kein anderes Haus an der Wall Street gilt als derart krisenfest – und auch weltweit gibt es nur eine Handvoll Banken, die sich mit JPMorgan messen können. Selbst in der Finanzkrise schrieb die Bank gute Gewinne. Mit der Mischung aus Investmentbanking und Privatkundengeschäft gilt JPMorgan als Vorbild für die Deutsche Bank. Deren Chef Josef Ackermann hat die Postbank auch deshalb übernommen, um die Abhängigkeit vom risikoreichen Investmentbanking zu reduzieren. Die Deutsche Bank legt ihre Zahlen am 26. Juli vor.

Allerdings spürt JPMorgan noch die Spätfolgen der Krise. Viele Kunden, die zu Zeiten des Immobilienbooms in den USA einen Kredit für ein Haus aufgenommen haben, können ihre Schulden bis heute nicht begleichen. Die Verluste sind allerdings bei weitem nicht mehr so hoch wie früher. «Wir arbeiten hart daran, unsere Probleme in den Griff zu bekommen und die Fehler der Vergangenheit auszubügeln», sagte Dimon.

Während des Immobilienbooms bis Anfang 2007 hatten selbst diejenigen noch Kredit bekommen, die kaum Einkommen oder Sicherheiten hatten. Viele Eigenheime kommen deshalb heute unter den Hammer. Ermittler im ganzen Land gehen allerdings dem Verdacht nach, dass JPMorgan und andere Banken übereilt und mit falschen Dokumenten Häuser säumiger Schuldner gepfändet haben. Es drohen Strafen und Kosten für Wiedergutmachungen.

Für windige Hypotheken-Deals kurz vor der Finanzkrise musste die Bank auf Druck der US-Börsenaufsicht SEC jüngst 210 Millionen Dollar berappen. Zudem steht JPMorgan beim Milliardenschwindel von Bernard Madoff im Zwielicht. JPMorgan war die Hausbank des verurteilten Wall-Street-Betrügers. Der Opfervertreter wirft dem Institut vor, von dem Schneeballsystem gewusst, aber nichts unternommen zu haben, und verlangt einen Schadenersatz von mittlerweile 19 Milliarden Dollar.

Firmenmitteilung