Archivierter Artikel vom 14.07.2011, 18:10 Uhr

Alno-Chef dämpft Hoffnung auf schnelle Sanierung

Düsseldorf/Pfullendorf (dpa) – Alno-Vorstandschef Max Müller hat den Aktionären des angeschlagenen Küchenherstellers wenig Hoffnung auf eine schnelle Sanierung gemacht. 2011 gehe es darum, den jahrelangen Umsatzrückgang zu stoppen.

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Alno-Sanierung braucht Zeit
Die Sanierung dauert: Alno-Chef Müller hat von 2012 an ein jährliches Umsatzwachstum von fünf Prozent in Aussicht gestellt.
Foto: DPA

Das sagte der erst seit kurzem amtierende Chef am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Düsseldorf. Einige Aktionäre kritisierten, er habe kein eigenes Sanierungskonzept vorgelegt. Indes billigten sie die Rückverlegung des Unternehmenssitzes von Düsseldorf ins Stammwerk Pfullendorf.

Der einstige Marktführer für Küchenmöbel hatte seit dem Börsengang 1995 nur drei Jahre mit einem knappen Gewinn abgeschlossen. Deshalb sei jetzt eine Trendwende nicht so schnell zu machen, sagte Müller. «Der Weg ist nach wie vor steinig und wir werden dafür sicher die nächsten zwei Jahre brauchen.»

Von 2012 an stellte er aber ein jährliches Umsatzwachstum von fünf Prozent in Aussicht. 2013 solle dann erstmals auch wieder ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreicht werden. Im vergangenen Jahr hatte Alno bei einem Umsatz von 467,3 Millionen Euro noch einen Verlust von 13,1 Millionen Euro verbucht. Im ersten Quartal 2011 ging es bei den Erlösen und dem operativen Ergebnis noch einmal steil bergab. Die Gruppe beschäftigt vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen rund 1800 Menschen.

Müller kündigte an, die vier Marken der Gruppe – Alno, Wellmann, Impuls und Pino – stärker voneinander abzugrenzen. Die Marken dürften sich nicht «kannibalisieren». Außerdem solle das Auslandsgeschäft gestärkt werden, sagte er, ohne Details zu nennen.

Aktionärsvertreter zeigten sich von den Plänen wenig überzeugt. Dafür, dass der alte Vorstand vor drei Monaten wegen anhaltender Erfolglosigkeit rausgeflogen sei, habe sich an der Alno-Strategie wenig verändert, kritisierte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Man bekommt den Eindruck, dass sich das Konzept bewährt hat und jetzt ohne großartige Veränderungen durchgezogen wird.»

Müllers wohl sichtbarste Reform ist die erneute Verlegung des Unternehmenssitzes von Düsseldorf zurück nach Pfullendorf. Vor einem Jahr hatte die Hauptversammlung den Umzug an den Rhein beschlossen. «Bei uns im Büro haben sie alle gelacht, als sie gehört haben, die Alno zieht schon wieder um», sagte Hechtfischer. Der erste Umzug war ein Projekt des im April entlassenen Vorstandschefs Jörg Deisel.

Sowohl Deisel als auch Ex-Produktionsvorstand Michael Paterka und Ex-Finanzvorstand Jörg Artmann wurden von der Hauptversammlung nicht entlastet. Unmittelbare rechtliche Folgen hat die fehlende Entlastung für Deisel und seine früheren Vorstands-Kollegen allerdings nicht.