Archivierter Artikel vom 11.12.2013, 06:00 Uhr

Zeremonie: Freude über Mandelas Leben

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela als Freiheitshelden und historische Persönlichkeit gewürdigt. Auf einer bewegenden Trauerfeier in Johannesburg pries US-Präsident Barack Obama den im Alter von 95 Jahren gestorbenen Mandela in Johannesburg als einen „Giganten der Geschichte“.

Lesezeit: 3 Minuten

Im FNB-Stadion in Johannesburg nehmen die Anhänger von Nelson Mandela jubelnd Abschied von ihrem Idol.

dpa

Die Gäste trauerten im Regen und feierten Zugleich das Lebenswerk Mandelas.

DPA

Die Gäste trauerten im Regen und feierten Zugleich das Lebenswerk Mandelas.

DPA

Soldaten schützten in den letzten Tagen das Wohnhaus der trauernden Familie – hier tanzen sie während der Trauerfeier im FNB-Stadion.

DPA

Mandelas Gesicht auf der großen Anzeigetage im FNB-Stadion in Johannesburg.

DPA

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy zusammen mit dem amtierenden Französischen Präsident Francois Hollande und einem kirchlichen Würdenträger.

DPA

Der Vorsitzende der Vereinten Nationen Ban Ki-moon mit dem kubanischen Präsidenten Raul Castro.

DPA

Im FNB-Stadion in Johannesburg nehmen die Anhänger von Nelson Mandela jubelnd Abschied von ihrem Idol.

DPA

Im FNB-Stadion in Johannesburg nehmen die Anhänger von Nelson Mandela jubelnd Abschied von ihrem Idol.

DPA

Auch Familienangehörige und Zehntausende Südafrikaner feierten den Kämpfer gegen die Rassentrennung. Pfiffe und Buhrufe gab es für den amtierenden südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. In einer sehr persönlichen Trauerrede sagte Obama, Mandela sei der letzte große Freiheitskämpfer des 20. Jahrhunderts gewesen.

Er habe die Südafrikaner miteinander versöhnt und Millionen Menschen in aller Welt inspiriert. Die politische Leistung Mandelas müsse mit dem Lebenswerk des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi, des großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und des Bürgerrechtlers Martin Luther King verglichen werden. Mandela war 27 Jahre eingesperrt, davon die meiste Zeit auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt, weil er gegen das herrschende Apartheid- Regime kämpfte.

1994 wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten seines Landes gewählt. Obama, der von seiner Frau Michelle begleitet wurde, war wegen der scharfen Sicherheitsbestimmungen fast zwei Stunden zu spät im Stadion erschienen. Auf der Gedenkveranstaltung kam es zu einer historischen Begegnung mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Obama und Castro schüttelten sich die Hand. Die Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba sind seit Jahrzehnten extrem angespannt.

Dagegen unterhielten Mandela und der frühere kubanische Staatschef Fidel Castro ein freundschaftliches Verhältnis. Raúl Castro sagte, Mandela sei dem „revolutionären Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung“ verpflichtet gewesen. „Mandela ist ein Vorbild für alle, die Freiheit, Gerechtigkeit und Weltfrieden anstreben“, meinte Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte Mandela ein „Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte“. Strömender Regen und einige Misstöne begleiteten die Zeremonie, wegen des schlechten Wetters blieben viele Sitze im mehr als 90 000 Menschen fassenden Stadion leer. Zeitweise brach Unruhe auf den Rängen aus. Der indische Präsident Pranab Mukherjee musste seine Rede unterbrechen, weil die Zuschauer lärmten und sangen.

Die Rede von Südafrikas Präsident Zuma wurde massiv gestört. „Die Menschen sind müde von Zuma“, sagte ein Teilnehmer, der Lehrer Nhlanhla Mbatha (42), zur Erklärung. Viele Zuschauer warteten die lange Ansprache von Südafrikas Präsidenten gar nicht erst ab. Schon in den frühen Morgenstunden waren viele Südafrikaner unter grauem Himmel in das von Polizei großflächig abgesicherte Stadion im Johannesburger Stadtteil Soweto gekommen.

Manche hatten die ganze Nacht vor dem Stadion verbracht. Am Morgen strömten die Menschen singend und tanzend ins Stadion, trugen südafrikanische Fahnen und Bilder Mandelas. „Ich musste heute kommen, um den Mann zu ehren, der gekämpft hatte, damit unser Land frei ist“, sagte ein Besucher. Immer wieder sangen die Menschen „Tata Madiba“ (Vater Madiba), wie sein Volk ihn nannte. Der erste schwarze Präsident Südafrikas war am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben.

Von heute Morgen an soll Mandelas Leichnam drei Tage lang in einem Amphitheater in der Hauptstadt Pretoria aufgebahrt werden. Beigesetzt wird der Nationalheld am Sonntag in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. „Er blieb ein einfacher Mann des Volkes“, sagte General Thanduxolo Mandela für die Familie. Er bezeichnete Mandela als einen „Lehrer“ für seine Landsleute.

„Tun wir alles, dass Madibas Traum nicht stirbt.“ Die Trauerfeier fand auf den Tag genau 20 Jahre nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Mandela und den damaligen weißen Präsidenten Frederik de Klerk statt – und am Internationalen Tag der Menschenrechte.