Archivierter Artikel vom 26.08.2010, 00:00 Uhr
Rom/Koblenz

Wunder dauern

Wegen ihrer unermüdlichen Hingabe für die Ärmsten, Kranken und Todgeweihten in den Gossen Kalkuttas wurde Mutter Teresa schon zu Lebzeiten von Millionen Menschen wie eine Heilige verehrt. Wenig verwundert es daher, dass der Heiligsprechungsprozess für viele Katholiken eine reine Formalität ist. Als Papst Johannes Paul II. Mutter Teresa im Oktober 2003 in Rekordzeit seligsprach, rechneten alle auch mit einer schnellen Heiligsprechung. Doch die lässt auf sich warten: Es fehlt ein zweites Wunder.

Lesezeit: 2 Minuten

Rom/Koblenz – Wegen ihrer unermüdlichen Hingabe für die Ärmsten, Kranken und Todgeweihten in den Gossen Kalkuttas wurde Mutter Teresa schon zu Lebzeiten von Millionen Menschen wie eine Heilige verehrt. Wenig verwundert es daher, dass der Heiligsprechungsprozess für viele Katholiken eine reine Formalität ist. Als Papst Johannes Paul II. Mutter Teresa im Oktober 2003 in Rekordzeit seligsprach, rechneten alle auch mit einer schnellen Heiligsprechung. Doch die lässt auf sich warten: Es fehlt ein zweites Wunder.

Für die Seligsprechung Mutter Teresas hatte die junge Inderin Monica Besra 1998 erklärt, von einem großen Tumor am Magen durch Gebete an die Ordensfrau geheilt worden zu sein. Trotz der Einsprüche einiger ihrer behandelnden Ärzte, es habe sich nicht um Krebs, sondern um eine Zyste gehandelt, akzeptierte der Vatikan 2002 die Heilung als Wunder.

„Nun braucht Rom ein zweites Wunder, das nach der Seligsprechung geschehen ist“, sagt Pater Angel Strada aus Vallendar (Kreis Mayen-Koblenz). Er ist Leiter des Seligsprechungsprozesses für den Schönstatt-Gründer Pater Josef Kentenich und wartet selbst seit 1975 auf ein anerkanntes Wunder. „So etwas kann dauern.“

2007 sorgten außerdem Briefe für Wirbel, in denen Mutter Teresa ihren Zweifeln an der Existenz Gottes und Jesu freien Lauf lässt. „Der Platz Gottes in meiner Seele ist leer – in mir ist kein Gott“, heißt es da. „Gotteszweifel sind kein Hindernis für eine Heiligsprechung“, sagt Strada, „es hängt davon ab, wie der Zweifelnde damit umging.“ Waren die Zweifel Anlass für eine Vertiefung des Glaubens – wie bei Mutter Teresa -, stärkt das sogar die Position des Anwärters. „Zweifel sind keine Unvollkommenheit und erst recht keine Sünde“, sagt der Experte. Im Gegenteil: „Solche Heilige sind ein ganz besonderes Vorbild für uns.“

Michael Defrancesco/dpa