Archivierter Artikel vom 23.02.2015, 07:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Witwen ohne Recht

Sie leiden besonders unter den Massakern von Boko Haram: Frauen und Kinder, deren Ehemänner und Väter getötet wurden.

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Sie lebte mehrere Jahre im Nordosten Nigerias: Jetzt hilft Renate Ellmenreich von Mainz aus.
Sie lebte mehrere Jahre im Nordosten Nigerias: Jetzt hilft Renate Ellmenreich von Mainz aus.
Foto: pr

„Viele Frauen haben mitansehen müssen, wie ihre Ehemänner mit einer Machete geköpft wurden“, sagt die Mainzer Pfarrerin Renate Ellmenreich, die für die Basler Mission von 1999 bis 2004 im Nordosten Nigerias, in der Provinz Borno State, gelebt hat. Sie war die letzte Weiße, die in dieser Region für die nigerianische Kirche gearbeitet hat.

Jetzt hat sie mit sieben evangelischen Pfarrerinnen aus Mainz den Verein „Widows Care“ gegründet, um Geld für die Opfer der Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria zu sammeln. Die Spendengelder sollen nigerianischen Witwen zugutekommen. Sie sind in Nordnigeria fast rechtlose Personen: Ohne Mann können sie kein Feld besitzen, kein Geschäft oder Bankkonto eröffnen.

Auch dort wurde ein Verein gegründet: Im Mai und im Juni 2014 haben sich mehr als 2000 Witwen in Maiduguri versammelt und eine Zweigstelle des Vereins „Lifeline Compassionate Global Initiatives“ gegründet, der Friedensarbeit leistet und vor allem durch Überfälle hinterbliebene Witwen und Waisen, Musliminnen und Christinnen, unterstützt. Die Frauen in Maiduguri haben nun ihrerseits ein Leitungskomitee gegründet und ein Konto eröffnet.

Kontakt zu dem Verein in Nigeria hält Renate Ellmenreich. „Die Spenden aus Deutschland gehen direkt nach Maiduguri“, versichert die Pfarrerin der Mainzer Paulusgemeinde. Die Frauen versuchen, mit den Spendengeldern in kleinen Gruppen gemeinsam ihr Überleben zu sichern, durch ein kleines Geschäft oder andere gemeinsame Arbeit. Wenn sie eine Nähmaschine kaufen können, beginnen sie zu schneidern, andere backen Brot oder verkaufen Essen an der Straße. Wie wichtig die Hilfe aus Mainz für die Region ist, weiß Renate Ellmenreich von Rebecca Philip, der Vorsitzenden des Vereins in Nigeria, zu der sie per E-Mail engen Kontakt hält. „Es ist keine einzige Hilfsorganisation im Nordosten Nigerias aktiv, weil es zu gefährlich ist“, erklärt Ellmenreich. Die Terroristen, so die Pfarrerin, gehen mit einer unvorstellbaren Brutalität vor. Bilder, die sie zu sehen bekomme, zeigen eine Zerstörung von katastrophalem Ausmaß. Und nun schicken sie auch noch gekidnappte Mädchen mit Sprenggürteln auf die Märkte und zünden sie dort, so Ellmenreich.

Kontakt: Renate Ellmenreich, Tel. 06131/613 955, E-Mail renate.ellmenreich@gmail.com,

Spendenkonto: Renate Ellmenreich – Widows Care, IBAN DE43 5206 0410 0104 9488 66