Archivierter Artikel vom 16.04.2010, 02:00 Uhr
Koblenz

Was mir die ARD bedeutet

RZ-Redakteurinnen und Redakteure habe aufgeschrieben, was ihnen die ARD bedeutet und was sie mit dem „Ersten“ persönlich verbindet.

Lesezeit: 5 Minuten

ARD ist für mich „Tante Ella“. 1954 war die Schwester meines Opas nach fast 50 Jahren in Chicago in ihren Geburtsort Karden zurückgekommen. Und eine der ersten im kleinen Moselort mit einem Fernseher. 1950 geboren, durfte ich ab Ende der 50er Jahre immer „samstags nach dem Baden“ zu ihr. Sozusagen aus dem Wasser ins Wasser, denn dann bestand Mike Nelson alias Lloyd Bridges seine „Abenteuer unter Wasser“, für mich die erste Kultserie. Franz Erpeldinger, Redaktion Cochem

In den 60er Jahren stand der Fernsehapparat bei uns in der Wohnküche – natürlich mit Blumenvase obendrauf. Hier traf sich von der Oma bis zum Enkel die ganze Familie, wenn Samstagabends die großen Unterhaltungsshows liefen. Beate Au, Redaktion Bad Neuenahr

Fünf Jahre war ich alt. Ein Kindergartenkind. Eigentlich recht liebenswert, aber mit zwei Eigenschafen: Bisweilen jähzornig und jetzt auch noch kurzsichtig. Meine Mutter überlegte sich, wie sie mich dazu bringen könnte, eine Brille zu tragen. Wir kamen vom Augenarztbesuch nach Hause – und ich hatte die Brille auf der Nase. Würde ich es akzeptieren, sie zu tragen? Ich stand im Flur vor dem Spiegel und sprach: „Jetzt seh ich aus wie der Hiram Holiday!“ Der war damals der Star einer ARD-Vorabendserie: Klein, unscheinbar, mit Brille – und schlug die Bösen mit seinem Regenschirm, den er wie ein Schwert einsetzte, in die Flucht. Ich trug die Brille stets stolz und ohne klagen. Bernd Paetz, Zentralredaktion

Als Kind hat „Die Sendung mit der Maus“ zu meinen TV-Lieblingen gehört. Und später, als ich längst kein Kind mehr war, habe ich sie zum sonntäglichen Pflichtprogramm meiner 13 Jahre jüngeren Schwester erklärt. Natürlich haben wir zusammen geschaut. Übrigens schalte ich da auch heute noch gern ein: Die Maus macht die Dinge so schön anschaulich. Ulrike Hochgesand, Redaktion Koblenz

ARD: damit habe ich als älter werdender Jugendlicher Leute wie Klaus Bednarz oder Franz Alt verbunden. Politisierte Magazinmoderatoren, die mit ernstem Blick und bedeutungsschwangerer Stimme vor den Gefahren der Umweltverschmutzung, dem atomaren GAU oder der sozialen Ungerechtigkeit gewarnt haben. Klar: Solche Leute haben auch den Nachwuchsreporter geprägt. Deshalb stand für mich Anfang der 80er Jahre die ARD für kritischen, nicht gerade regierungsfreundlichen Journalismus. Als dann noch Bednarz bei uns in Neuwied über seine Erfahrungen als Moskau-Korrespondent berichtete, war das für mich das Größte. Thomas K. Slotwinski, Redaktion Mainz

Mit der ARD verbinde ich Dagmar Berghoff, die als erste Frau 1976 die Tagesschau las. Ich habe mich damals schief gelacht bei ihrem Versprecher WC-Turnier (es handelte sich damals um die Ära Boris Becker, der bei einem WTC-Turnier spielte). Außerdem habe ich sie vor etlichen Jahren mal in Hamburg beim NDR interviewt. Ich war erstaunt, wie schmächtig und zart sie in Wirklichkeit ist Birgit Pielen, Redaktion Cochem

Da wir keinen Fernseher hatten, als ich Kind war, ging ich immer eine Straße weiter zur Tante, wo die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste den Berg runterrollte. Ernst Huberty, Bruno Morawetz und Hans-Joachim Rauschenbach mit der Sportschau kamen später hinzu. Natürlich Tatort mit Sieghardt Rupp als Zollfahnder Kressin. Die Titelmusik von Klaus Doldinger gibt´s heute noch. Aber damals spielte man sie noch aus. Nicht zu vergessen Fritz Eckard als Oberinspektor Marek. Im Beat-Club spielten Jimi Hendrix und The Who noch live (seufz!). Und lange Zeit war es unvorstellbar, dass jemand anderes als Karl-Heinz Köpcke die Nachrichten vorlesen könnte. Frauen schon gar nicht – die waren schließlich Ansagerinnen. Thomas Torkler, Redaktion Simmern

Karlheinz Köpke, den Nachrichtensprecher: hohe Stirn und, wie man heute sagen würde, immer „cool“. Professor Grizmek, der „meine lieben Freunde“ näselt. Ansagerinnen. Das Testbild. Und natürlich das Phänomen, das sicher bald aus dem Wortschatz verschwunden sein wird: Sendeschluss. Silvia Patt, Redaktion Altenkirchen

Für mich ist heute noch die Sportschau der Inbegriff der ARD. Zunächst der streng gescheitelte Ernst Huberty, später der ungeliebte Heribert Fassbender – wenn diese Moderatoren um Punkt 18 Uhr auf der Mattscheibe ein Millionenpublikum begrüßten, war Hochspannung pur angesagt. Welche drei Spiele der Fußballbundesliga werden heute gezeigt? Hoffentlich Gladbach, hoffentlich Bayern! An diese Atmosphäre, an dieses Gefühl kam bis heute kein anderer Sender, keine andere Sportsendung je heran. Andreas Nitsch, Redaktion Bad Sobernheim

Wenn ich an die ARD denke, kommt mir unweigerlich Sportkommentator Jürgen Emig in den Sinn. Der Mann, der derzeit noch wegen Betrugs und Untreue im Gefängnis sitzt, kreierte einst bei der Live-Berichterstatung von der „Tour de France“ eine neues Team. Emig sprach voller Enthusiasmus vom „Team Peleton“ – und meinte natürlich unsere zugedopten Jungs vom „Team Telekom“. Ach ja, die „Tatort“-Serie im Ersten kam vor Jahren auch mal wegen Schleichwerbung negativ in die Schlagzeilen. Ralf Grün, Redaktion Neuwied

„Skandal! Skandal im Spiel Deutschland – Holland!“ – echauffierte sich Heribert Faßbender 1990 beim WM-Achtelfinale, als Rudi Völler und „Lama“ Rijkaard beide mit Rot vom Platz mussten. Ja, er regte sich richtig auf. Da hat mir die „Guten Abend allerseits“-Schlaftablette zum ersten und letzten Mal richtig gefallen. Ulf Steffenfauseweh, Redaktion Neuwied

Dietmar Schönherr war mein erster Fernseh-Held. Wie er als Cliff Allister McLane mit dem Raumschiff Orion auf „Raumpatrouille“ ging und gegen die „Frogs“ kämpfte! Ich war sechs. Natürlich hab ganz genau gemerkt, dass die Eva Pflug bloß so streng getan hat als Tamara Jagellovsk. In Wirklichkeit war sie nämlich in McLean verliebt! So wie ich in den Bäckersjungen. Nur ihre tolle Frisur habe ich bei mir nicht hingekriegt. Claudia Renner, Redaktion Landespolitik