Archivierter Artikel vom 26.01.2015, 06:00 Uhr
Berlin

Vor 70 Jahren befreit: Lässt sich Auschwitz vergessen?

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz will offenbar eine große Mehrheit der Deutschen die Erinnerung an die Judenvernichtung nicht mehr länger wachhalten. Unter Berufung auf eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung berichtete die „Bild am Sonntag“, 81 Prozent der Befragten wollten die Geschichte der Judenvernichtung „hinter sich lassen“.

Einen regelrechten Schlussstrich wollen der Umfrage zufolge 58 Prozent der Befragten ziehen. Bei den 40- bis 49-Jährigen ist es jeder Zweite, bei den über 60-Jährigen sind es 61 Prozent. In Israel wollen nur 22 Prozent mit der Vergangenheit abschließen.

Kein Ende des Erinnerns

Das undatierte Archivbild zeigt weibliche Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz, Polen, die zum Arbeitseinsatz abtransportiert werden.
Das undatierte Archivbild zeigt weibliche Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz, Polen, die zum Arbeitseinsatz abtransportiert werden.
Foto: dpa

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnt vor einem Ende des Erinnerns. „Es bleibt die Pflicht der Eltern, ihren Kindern zu vermitteln, dass es keinen Schlussstrich geben kann“, sagte er. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir nach den Untaten des Dritten Reiches, nach 70 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg und sechs Millionen ermordeten Juden, im Kreis der Völkergemeinschaft wieder aufgenommen worden sind, auch heute noch.“ Der 27. Januar sei „für Deutschland ein Tag der Schande“. Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee Überlebende des nationalsozialistischen Vernichtungslagers befreit.