Archivierter Artikel vom 28.11.2010, 18:00 Uhr
Cancún

USA und China sind die Bremser

Unterschiedliche Interessen der Staaten lassen keinen Durchbruch beim Klimagipfel erwarten. Die wichtigsten Akteure und ihre Verhandlungspositionen im Überblick.

Cancún – Unterschiedliche Interessen der Staaten lassen keinen Durchbruch beim Klimagipfel erwarten. Die wichtigsten Akteure und ihre Verhandlungspositionen im Überblick:

USA: Die Vereinigten Staaten sind das Flächenland mit dem größten Ausstoß an Treibhausgasen pro Einwohner: rund 20 Tonnen. Zu einer verbindlichen Reduktion ihrer Emissionen haben sich die USA bislang international nicht verpflichtet. Das Kyoto-Protokoll, das CO2-Ziele für Industriestaaten vorsieht, hat Washington nicht ratifiziert. Die US-Delegation pocht darauf, dass künftig auch China und die anderen großen Schwellenländer ehrgeizige Klimaziele verbindlich zusichern. Selbst haben die Vereinigten Staaten eine Reduktion ihrer Treibhausgase bis 2020 um etwa vier Prozent gegenüber 1990 angekündigt. Die Zusage gilt nur, wenn dass entsprechende nationale Klimagesetze verabschiedet werden. Seit den Kongresswahlen im November stehen die Aussichten für weitreichenden Klimaschutz noch schlechter: Die Republikaner konnten die Mehrheit zurückerobern.

China: Die Volksrepublik ist mittlerweile der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit. Pro Kopf beträgt der CO2-Ausstoß allerdings nur rund fünf Tonnen, etwa halb so viel wie in Deutschland. Peking sieht sich derzeit nicht in der Pflicht, international bindende CO2-Ziele einzugehen. Stattdessen verweist die chinesische Regierung auf die historische Verantwortung der Industrieländer, die durch massiven CO2-Ausstoß seit der Industrialisierung die Erderwärmung erst zum Problem gemacht haben. China hat dennoch eine Kohlendioxid-Minderung gemessen an der Wirtschaftskraft angekündigt: Pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes sollen die Emissionen bis 2020 um 40 bis 45 Prozent im Vergleich zu 2005 sinken – freiwillig. Gemeinsam mit den anderen großen Schwellenländern Indien, Brasilien und Südafrika bildet China eine mächtige Allianz im Klimapoker.

EU: Die Staaten der Europäischen Union treten bei den Klimaverhandlungen als einheitliche Gruppe auf. Die Verhandlungsführung übernimmt das Land, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat. In Cancún wird also Belgien an der Spitze der europäischen Delegation stehen. Nach Cancún reisen die EU-Delegierten mit der gleichen Verhandlungsstrategie wie zuletzt zum Gipfel von Kopenhagen: Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 fallen. Dieses Ziel soll auf 30 Prozent erhöht werden, wenn die anderen Industriestaaten vergleichbare Zusagen machen.

G77: Rund 130 Entwicklungs- und Schwellenländer bilden die G77. Hauptziel der Gruppe ist es, die Interessen der Mitglieder gegenüber den Industrieländern zu vertreten. In Kopenhagen zeigte sich indes, dass innerhalb der G77 sehr unterschiedliche Auffassungen herrschen. So verfolgen aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien andere Ziele als die ärmsten Staaten. Länder wie Saudi Arabien wiederum haben vor allem ihre Ölexporte im Blick und lehnen strenge Klimaschutz-Auflagen ab.

Aosis: 39 Länder bilden die„Allianz der kleinen Inselstaaten“ (Aosis). Zu ihnen gehören die Malediven, Tuvalu, Trinidad und Tobago und die Fidschi-Inseln. Klimaschutz ist für sie eine Frage des Überlebens: Denn diese Staaten sind durch den Anstieg des Meeresspiegels ernsthaft bedroht.