Archivierter Artikel vom 28.01.2016, 19:16 Uhr
Genf

UN-Sonderbeauftragter Staffan de Mistura: Der Mann, der für Frieden sorgen soll

Für Staffan de Mistura war nach Jahrzehnten humanitärer Einsätze eigentlich Ruhestand auf Capri angesagt. Doch im Sommer 2014 rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an. Er berichtete von den Kämpfen, den Zerstörungen, dem Leiden der Menschen in Syrien.

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De Mistura zögerte. Immerhin hatten sogar Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan und der ebenfalls renommierte UN-Streitschlichter Lakhdar Brahami bereits das Handtuch geworfen. Doch nach einigen Stunden Bedenkzeit nahm der italienisch-schwedische Diplomat die Aufgabe an, die der Londoner „Guardian“ den „härtesten Job der Welt“ nannte: UN-Sonderbeauftragter für Syrien.

Was folgte, war und ist immer noch ein teils grausames Geduldsspiel: Reden und Verhandeln mit Männern, die Macht haben und sie nicht abgeben wollen. Mit solchen, die sie unbedingt erobern wollen und dabei vor nichts zurückschrecken. Mit Fanatikern, auch mit Pragmatikern. Und mit Leuten, die Blut an den Händen haben. Hände, die man dennoch schütteln muss, wenn man diesen Krieg und damit die derzeit schlimmste humanitäre Katastrophe beenden will.

Präsident Baschar al-Assad war einer der ersten Verantwortlichen, mit denen Staffan de Mistura Kontakte knüpfte. Auf dem Foto, das im November 2014 entstand, sehen beide aus wie Ehrenmänner – mit einem Makel: Der eine, Assad, gehört nach Überzeugung vieler als Kriegsverbrecher auf die Anklagebank des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, und nicht an die Seite des anderen: de Mistura.

Doch Strafverfolgung oder gar Gerechtigkeit ist nicht Teil des Mandats, das die Vereinten Nationen Staffan de Mistura übertragen haben. Die Mission des inzwischen 69-Jährigen, der außer Italienisch und Schwedisch auch fließend Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch sowie umgangssprachlich Arabisch spricht, sieht Frieden durch eine Verhandlungslösung vor. Und zwar – nach fast fünf Jahren Krieg mit mehr als 250 000 Todesopfern und Millionen von Flüchtlingen – um beinahe jeden Preis.

Für die neuen Syrien-Gespräche in Genf, die nach monatelanger geduldiger Vorbereitung am Freitag beginnen sollen, nennt der UN-Beauftragte als Priorität die Vereinbarung einer Waffenruhe. Humanitäre Helfer müssten endlich Zugang erhalten zu Millionen Not leidenden Menschen.

UN-Mitarbeiter, die Staffan de Mistura bei Einsätzen erlebt haben – im Libanon, in Ruanda, in Afghanistan, in Somalia, im Sudan sowie im früheren Jugoslawien -, schätzen nicht nur sein taktisches Geschick. Stets habe er sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass Zivilisten verschont und die Menschenrechte von Flüchtlingen respektiert werden. „Schon mit zehn Jahren habe ich gewusst, dass der größte Schmerz für einen politischen Flüchtling der Mangel an Würde ist“, sagte der in Stockholm geborene Italiener dem „Guardian“. Sein Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg lange staatenlos gewesen.

Thomas Burmeister