Archivierter Artikel vom 23.10.2010, 10:02 Uhr

Ungleichgewichte sind Ursache der Krise

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hatte viele Auslöser wie etwa die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Maßnahmen zur besseren Regulierung von Banken zählten daher zu den naheliegenden Konsequenzen. Wirtschaftsexperten sind sich jedoch einig, dass die tieferliegenden Ursachen ganz andere sind und sich viel schwerer beseitigen lassen. Dazu zählen vor allem die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen großer Staaten.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hatte viele Auslöser wie etwa die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Maßnahmen zur besseren Regulierung von Banken zählten daher zu den naheliegenden Konsequenzen. Wirtschaftsexperten sind sich jedoch einig, dass die tieferliegenden Ursachen ganz andere sind und sich viel schwerer beseitigen lassen. Dazu zählen vor allem die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen großer Staaten.

Das wichtigste Beispiel sind die USA und China: Die Amerikaner importierten in den vergangenen Jahren deutlich mehr Waren, als sie exportierten – vor allem aus China. Die Bürger konsumierten fleißig und nahmen dafür immer neue Kredite auf. Niedrige Zinsen machten es ihnen leicht, das eigene Heim mit Hypotheken zu belasten – bis die Immobilienpreise nicht mehr weiter stiegen und die Blase platzte. Das wiederum brachte Banken in aller Welt, die die Kredite vergeben oder gekauft hatten, in Schwierigkeiten.

Umgekehrt gelten Länder wie China und auch Deutschland als konsumschwach, gleichzeitig boomt ihr Export. Während die USA ein Handelsdefizit verzeichnen, häufen sie Überschüsse an. Solche Ungleichgewichte sind eine Folge der Globalisierung und des weltweiten Handels, aber auch von unterschiedlichen Mentalitäten. Warnungen vor unerwünschten Konsequenzen wurden erstmals in den 1990er-Jahren laut.

Die Ungleichgewichte hängen von komplexen Faktoren ab – Wechselkurse spielen eine wichtige Rolle ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, die sich zum Beispiel in den Lohnkosten widerspiegelt. Außerdem gibt es Wechselwirkungen mit den zum Teil spekulativen Finanzmärkten. Es dürfte daher schwierig sein, auf internationaler Ebene einen Mechanismus zu entwickeln, der den Staaten eine Art gesunde Balance vorschreibt.